Die Rentenkommission hat Mitte Juni 2026 ihre Empfehlungen zur Reform des deutschen Alterssicherungssystems vorgelegt. Fidelity International bewertet die Vorschläge grundsätzlich positiv – sieht aber beim zentralen Umsetzungsweg einen strukturellen Schwachpunkt.
Christof Quiring, Leiter betriebliche Vorsorgelösungen bei Fidelity International, begrüßt insbesondere den geplanten Einstieg in die Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente nach schwedischem Vorbild als überfälligen Schritt.
Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) setzt die Kommission auf ein breites Reformpaket: Neben der weiteren Öffnung der Sozialpartnermodelle nennt sie Opt-out-Modelle mit automatischer Entgeltumwandlung sowie perspektivisch ein mögliches Obligatorium in der zweiten Säule als Optionen. Quiring wertet das als Signal, dass die Politik den Handlungsbedarf erkannt hat.
„Die Kommission stellt klar fest, dass die bisherige Akzeptanz der betrieblichen Altersvorsorge nicht ausreicht. Perspektivisch soll eine annähernd flächendeckende Verbreitung erreicht werden – das ist ein wichtiges Signal. Kritisch sehen wir, dass die konkrete Umsetzung dessen einem Sozialpartnerdialog überlassen werden soll. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Sozialpartnermodelle oft langwierige Abstimmungsprozesse erfordern. Angesichts des demografischen Wandels braucht es aus unserer Sicht aber zügige und verbindliche Entscheidungen“, sagt Quiring.
Opt-out und Obligatorium: Internationale Erfahrungen als Beleg
Besonders die explizite Nennung von Auto-Enrolment-Modellen und einem möglichen bAV-Obligatorium hebt der Fidelity-Mann hervor. In Großbritannien etwa stieg der Anteil der Bezieher betrieblicher Altersrenten nach Einführung vergleichbarer Mechanismen auf über 80 Prozent. „Besonders positiv ist, dass die Kommission sowohl Auto-Enrolment-Modelle mit Opt-Out als auch ein mögliches Obligatorium in der betrieblichen Altersvorsorge ausdrücklich als Reformoptionen nennt. Internationale Erfahrungen zeigen, dass genau diese Instrumente die Verbreitung der Betriebsrente deutlich erhöhen können – beispielsweise in Großbritannien wuchs der Anteil der Bezieher betrieblicher Altersrenten so auf über 80 Prozent. Ähnliche Mechanismen können auch in Deutschland den notwendigen Durchbruch bringen“, führt Quiring aus.
Wird das betriebliche Altersvorsorgedepot ein Gamechanger?
Einen weiteren Ansatz sticht laut Fidelity besonders hervor: die geplante Möglichkeit, dass Arbeitgeber im Rahmen altersvorsorgewirksamer Leistungen künftig direkt in private Altersvorsorgedepots ihrer Beschäftigten einzahlen können. „Dass Arbeitgeber im Rahmen altersvorsorgewirksamer Leistungen künftig direkt in private Altersvorsorgedepots ihrer Beschäftigten einzahlen können sollen, ist ein potenziell sehr wirkungsvoller Ansatz. Ein betriebliches Altersvorsorgedepot könnte insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen einen einfachen und effizienten Zugang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge schaffen“, so Quiring.
Umsetzungsgeschwindigkeit entscheidend
Die Reformrichtung stimmt aus Sicht von Fidelity. Die entscheidende Frage ist nun, ob und wie schnell die Politik die Optionen in verbindliche Regelungen überführt. „Die Richtung stimmt, es ist erkennbar, dass sich bei der zweiten Säule viel bewegen kann. Entscheidend ist jetzt, dass aus den Reformoptionen verbindliche und praktikable Lösungen werden. Die Politik sollte die Chance nutzen und die Reform der betrieblichen Altersvorsorge zügig vorantreiben“, betont Quiring.















