BaFin-Offensive gegen Krypto-Plattformen geht weiter

Logo der BaFin an ihrem Eingang in Bonn
Foto: Shutterstock
Die BaFin kommt mit ihren Warnungen kaum noch hinterher.

Innerhalb von nur einer Woche hat die Finanzaufsicht BaFin Warnungen vor nicht weniger als neun Websites veröffentlicht, die hauptsächlich oder auch den Handel mit Kryptowerten anbieten. Cash. hat sich die beanstandeten Online-Plätze angesehen. Es ist ziemlich gruselig.

Der Dschungel der unerlaubten oder kriminellen Online-Aktivitäten in Zusammenhang mit Finanzdienstleistungen ist kaum noch zu überschauen. Regelmäßig warnt die BaFin auf ihrer Website vor unerlaubten Geschäften, unseriösen Praktiken oder Betrugsversuchen und informiert über entsprechende Ermittlungen. Zuletzt finden sich auffällig viele Krypto-Plattformen oder „-Börsen“ unter den Warnmeldungen.

Anscheinend hat die Behörde das Geschäft mit den digitalen Werten auf Blockchain-Basis verstärkt ins Visier genommen. So warnte sie in der vergangenen Woche neben den Einzelmeldungen unter der Überschrift „Kryptoverwahrer: Kein Konto mit Hilfe von Dritten eröffnen“ auch generell vor einer speziellen Art der Abzocke in Zusammenhang mit den Digitalwerten. „Seien Sie vorsichtig, wenn Unbekannte Sie dabei unterstützen wollen, ein Konto bei einer Kryptobörse zu eröffnen. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um Betrug“, so die deutliche BaFin-Warnung.

„Keinesfalls darauf einlassen“

„Meist wollen diese Personen auf Ihre Rechner mit Fernwartungssoftware zugreifen. Das sollten Sie aber auf keinen Fall zulassen“, schreibt die BaFin weiter. Sobald diese Software auf dem Computer installiert sei, würden die Kriminellen diesen Zugriff nutzen, „um Konten beziehungsweise E-Wallets in Ihrem Namen zu eröffnen und um damit unter anderen Kryptowährungen zu kaufen“.

Die Aufsicht empfiehlt allen, die ein entsprechendes Hilfsangebot erhalten, sich keinesfalls darauf einzulassen und Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten. Zudem verweist die BaFin auf eine ihrer früheren generellen Warnungen vor den Risiken, die mit Investments in Kryptowerte verbunden sind.

Hoher technischer Aufwand

Das passt zu den äußerst kritischen Äußerungen zu Krypto-Werten und „Krypto-Währungen“ wie Bitcoin von BaFin-Exekutivdirektor Dr. Thorsten Pötzsch in der vergangenen Woche auf dem „Verbraucherschutzforum“ der Behörde. „Wenn Sie zu viel Geld haben, ist Krypto eine gute Idee, um das Geld loszuwerden“, lästerte Pötzsch auch vor dem Hintergrund der FTX-Pleite und verglich die Branche mit einem Casino.

Besonders riskant wird die Anlegegenheit, wenn die Krypto-„Börse“ nicht über die erforderliche Zulassung verfügt oder gar gezielt auf Betrug ausgelegt ist. So hat die BaFin allein zwischen dem 22. und 28. November, also innerhalb einer knappen Woche, Warnungen vor nicht weniger als neun Online-Plätzen, die hauptsächlich oder auch den Handel mit Kryptowerten anbieten, veröffentlicht. Hinzu kamen vier weitere Warnungen vor unerlaubten Online-Angeboten für Finanzdienstleistungen.

Cash. hat sich die von der BaFin beanstandeten Krypto-Websites angesehen. Erschreckend: Mit einer Ausnahme machen sie auf den ersten Blick durchweg einen professionellen Eindruck und sind offenbar mit hohem technischen Aufwand programmiert worden. Das wird sich für die Verantwortlichen wohl irgendwie lohnen. Will heißen: Es finden sich ausreichend Kunden, die die windigen Angebote in Anspruch nehmen.

Es geht um unerlaubte Geschäfte, Identitätsdiebstahl und offensichtlichen Betrug. Und am Ende ist sogar der Bundesliga-Club Bayer 04 Leverkusen tangiert. Die Fälle im Einzelnen, wobei die Headlines jeweils die Originalüberschriften der BaFin-Meldungen wiedergeben:

Fall 1: „Crypto Trading Growth: Betreiberin der Website cryptotradinggrowth.com ist nicht von der BaFin zugelassen“

So wies die BaFin darauf hin, dass sie der Crypto Trading Growth keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz (KWG) zum Betreiben von Bankgeschäften oder Erbringen von Finanzdienstleistungen erteilt hat (28. November 2022). Das Unternehmen werde nicht von der BaFin beaufsichtigt.

Die Inhalte der Website cryptotradinggrowth.com sowie Informationen, die der BaFin vorliegen, rechtfertigen der Behörde zufolge die Annahme, dass die vermeintliche Handelsplattform für Kryptowerte, die Crypto Trading Growth „mit angeblichem Sitz im World Trade Center Dresden“, unerlaubt Bankgeschäfte beziehungsweise Finanzdienstleistungen in Deutschland anbietet. Besonders dreist: Das Unternehmen wirbt damit, von der BaFin beaufsichtigt zu werden. „Dies trifft nicht zu“, so die trockene Klarstellung der Behörde.

Die Website sieht zunächst professionell aus und ist – offenkundig auf Basis einer automatisierten Übersetzung – auch auf deutsch verfügbar. Sie wirbt überschwänglich für die Digitalwerte. „Mit Crypto Trading Growth können Sie Kryptowährung verwenden, um Zinsen mit bis zu 1000 % ROI und mehr zu verdienen“, heißt es dort zum Beispiel auf der Startseite.

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Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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