Herr Gasser, wie haben sich Wandelanleihen im laufenden Jahr 2026 entwickelt, und welche Faktoren sprechen für ein weiterhin positives Umfeld?
Gasser: Wandelanleihen haben sich in diesem Jahr bislang ausgesprochen positiv entwickelt. So kommt das globale Segment bereits auf eine Performance von 19 Prozent – fast doppelt so viel wie globale Aktien. Trotz der bereits hohen Kursgewinne sprechen mehrere Faktoren für ein weiterhin konstruktives Umfeld: die robuste Konjunktur, ein lebhafter Neuemissionsmarkt, ein steigender Anteil qualitativ hochwertiger Emittenten sowie neue Wachstumsthemen wie Künstliche Intelligenz, digitale Vermögenswerte und Seltene Erden. Zudem deuten höhere Handelsvolumina, eine diszipliniertere Preisgestaltung und Parallelen zu früheren starken Marktphasen darauf hin, dass Wandelanleihen auch künftig ihre besonders guten Risiko-Ertrags-Eigenschaften ausspielen können.
Wie war die Performance von Wandelanleihen im Jahr 2025, und warum zweifeln manche Anleger an einer Fortsetzung des Kursaufschwungs?
Gasser: Auch im Jahr 2025 sind Wandelanleihen mit großem Abstand das beste Anleihensegment gewesen und haben sogar globale Aktien überflügelt. Gemessen am FTSE Global Convertible Bond Index in USD abgesichert erzielten sie eine Performance von 23,6 Prozent, vor allem getragen von der Aktienmarktrallye. Weil sich die starke Performance im laufenden Jahr fortsetzt und erneut vor der globaler Aktien liegt, sind einige Anleger skeptisch. Unabhängig von dem jüngsten Höhenflug gehen wir langfristig von einer durchschnittlichen Rendite von 7% p.a. für die Anlageklasse aus.
Welche konjunkturellen Argumente sprechen dennoch für eine Fortsetzung der Rallye?
Gasser: Die anziehende Konjunktur – vor allem in den USA und in der Eurozone – sollte die Aktienmärkte auf neue Rekordstände treiben. Und die Performance von Wandelanleihen wird primär von den Aktienkursen der emittierenden Unternehmen getrieben. Zwar sind viele Aktienmärkte bereits relativ hoch bewertet, aber die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass Aktienmarktbewertungen in der Regel weiter steigen, wenn die Wirtschaft stabil wächst. Die Risikoparameter bei Wandelanleihen sind insbesondere im defensiven Segment trotz der Aktienhöchststände moderat und werden auch im Jahr 2026 ihren Mehrwert unter Beweis stellen.
Wie hat sich der Neuemissionsmarkt zuletzt entwickelt, und welche Qualitätsverschiebung ist dabei zu beobachten?
Gasser: 2025 war in Bezug auf das Primärmarktvolumen das beste Jahr der vergangenen 18 Jahre und für 2026 ist erneut mit einem hohen Volumen zu rechnen. So haben wir alleine im vergangenen Monat Mai über 30 Neuemissionen von Wandelanleihen beobachtet. Dabei sind die Bewertungen und ein anhaltend hoher Anteil von Investment-Grade-Emissionen am Gesamtvolumen zu beobachten. Der gestiegene Anteil von Investment-Grade-Anleihen – von 14 Prozent Anfang 2021 auf 35 Prozent bis Ende Mai 2026 – ist Teil des allgemeinen Trends zu Emissionen höherer Qualität, den wir in den vergangenen Jahren insbesondere in den USA beobachtet haben.
Welche Chancen bringt ein starker Primärmarkt konkret mit sich, und welcher Zusammenhang besteht zwischen Neuemissionsvolumen und Rendite?
Gasser: Ein starker Primärmarkt bringt deutlich verbesserte Chancen mit sich, weil neue Namen mit besseren Risiko-Ertrags-Profilen auf den Markt kommen sowie laufend Wandlungen von Erfolgsgeschichten geschehen und somit die Konvexität aufrechterhalten. Und diese Dynamik ist auch im Jahr 2026 ein starker Treiber für die Wertentwicklung der Anlageklasse. Tatsächlich sind die historisch höchsten jährlichen Wandelanleihenrenditen in der Regel mit den Jahren mit den größten Primärmarktvolumina zusammengefallen.
Warum sind die Voraussetzungen für ein weiteres starkes Neuemissionsjahr gut, und welche Rolle spielt dabei die Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz?
Gasser: Wir befinden uns in der Anfangsphase eines neuen großen Investitionszyklus, weil die Energieerzeugungskapazitäten und die gesamte Infrastruktur für die Entwicklung eines Ökosystems für Künstliche Intelligenz (KI) nach und nach geschaffen werden. Im Jahr 2025 wurde ein erheblicher Teil der KI-bezogenen Investitionen der Mega-Cap-Tech-Unternehmen mit bilanzwirksamen Barmitteln finanziert. Gegen Ende des Jahres 2025 wandten sich immer mehr sogenannte Hyperscaler stattdessen dem Markt für Investment-Grade-Unternehmensanleihen zu. Sofern es nicht zu einer Abkehr von Investitionen in KI kommt, was derzeit unwahrscheinlich erscheint, sollte sich ein Teil dieses Kapitalbedarfs 2026 auf den Wandelanleihenmarkt verlagern – neben dem anhaltenden Dealflow kleinerer, hochverzinslicher oder Emittenten ohne Kreditrating aus diesem Bereich.
Welche neuen Themen bereichern den Wandelanleihenmarkt, und was lässt sich über die Sekundärmarktaktivitäten sagen?
Gasser: Performancestarke Themen wie digitale Vermögenswerte, Künstliche Intelligenz, Seltene Erden und Weltraumforschung sind bei Wandelanleihen viel stärker vertreten als in allen führenden Aktienindizes. Insgesamt zeigt sich derzeit eine gute Balance zwischen Wachstums- und Qualitätsthemen. Darüber hinaus erreichten die Sekundärmarktaktivitäten im vergangenen Jahr Rekordwerte. So überstieg das Handelsvolumen in den USA 800 Milliarden US-Dollar (2024: 665 Mrd.). Diese Entwicklung ist für die künftige Marktentwicklung besonders wichtig, weil sie auf ein gesteigertes Interesse und eine verstärkte Beteiligung an Wandelanleihen hindeutet und auf eine verbesserte Fähigkeit zur effizienten Abwicklung großer Transaktionen schließen lässt.
Welche Rolle spielen Hedgefonds für die Preisdisziplin bei Wandelanleihen, und wie sind die Mittelflüsse derzeit einzuschätzen?
Gasser: Von Dezember 2021 bis Ende 2025 beliefen sich die Abflüsse auf insgesamt 43 Milliarden US-Dollar oder über 42 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens, das zu Beginn des Zeitraums von Long-only-Anlegern kontrolliert wurde. Hedgefonds füllten die Lücke, dominieren derzeit den Markt und es gibt keine Anzeichen einer Verlangsamung oder Umkehr ihrer Zuflüsse. Mit Hedgefonds gibt es eine bessere Disziplin bei der Preisgestaltung von Neuemissionen und Wandelanleihen auf dem Sekundärmarkt. Zudem führt ein mehrheitlich professioneller Marktteilnehmerkreis weiterhin zu attraktiven Konditionen bei Neuemissionen. Die Long-only-Ströme haben sich erst vor einigen Monaten umgekehrt, und angesichts der Dauer und des Ausmaßes des vorangegangenen Bärenmarktes könnte die neue Strömungswelle noch Jahre anhalten.
Wie wirkt sich das aktuelle Volatilitätsniveau auf den Wandelanleihenmarkt aus?
Gasser: Die niedrigen absoluten Volatilitätsniveaus sind ebenfalls ein positiver Faktor. So schloss der Leitindex VIX das Jahr 2025 mit 15 Punkten ab, ist mit dem Ausbruch des Irankrieges kurzfristig über 30 gestiegen und nun wieder in Richtung 15 Punkte unterwegs. Eine natürliche Folge der geringen realisierten Volatilität ist, dass die implizite Volatilität von Wandelanleihen im Spektrum ›teuer/billig‹ nach oben driftet. In absoluten Zahlen kommt man jedoch zu dem Schluss, dass in allen Regionen außer den USA die Niveaus nur leicht gestiegen sind.
Letzte Frage. Inwiefern erinnert die aktuelle Situation an das „Goldene Zeitalter“ zwischen 2003 und 2007, und was lässt Sie auf eine weiterhin starke Performance hoffen?
Gasser: In Bezug auf Größe, Liquidität und Effizienz erinnert die aktuelle Situation am Wandelanleihenmarkt stark an den Zeitraum 2003 bis 2007. Das war das jüngste ›Goldene Zeitalter‹, in dem es einfach war, große Transaktionen durchzuführen, in dem Anleger auf der Suche nach Konvexität eine Fülle von Anlagemöglichkeiten fanden und in dem Hedgefonds sowie Cross-Asset-Anleger die Bewertungen in einem angemessenen Bereich hielten. Für eine weiterhin starke Performance spricht, dass nach dem Ende eines Zinserhöhungszyklus Wandelanleihen in den vergangenen 30 Jahren stets eine überdurchschnittliche Performance gezeigt haben.
Interview: Frank O. Milewski, Cash.















