Bitcoin zwischen Zinsdruck und Milliarden-Zuflüssen

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Quo vadis, Bitcoin?
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Hohe Energiepreise und Anleiherenditen belasten Bitcoin, während starke ETF-Zuflüsse die institutionelle Nachfrage stützen.

Steigende Energiepreise und Anleiherenditen belasten Bitcoin. Gleichzeitig fließen Milliarden in US-Spot-ETFs. Stephen Coltman von 21shares erklärt, welcher Faktor für den weiteren Kursverlauf entscheidend werden könnte.

Bitcoin steht derzeit im Spannungsfeld zweier gegenläufiger Entwicklungen. Auf der einen Seite haben steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen den makroökonomischen Gegenwind für digitale Assets deutlich verstärkt. Das gilt auch für Bitcoin, dessen Kurs ist nach einem jüngsten Anstieg wieder auf rund 83.000 US-Dollar zurückgefallen. Auf der anderen Seite bleibt die institutionelle Nachfrage bemerkenswert stabil: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten allein in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von rund 2,4 Milliarden US-Dollar.[1] Damit stellt sich für den Kryptomarkt eine zentrale Frage: Kann die strukturelle Nachfrage den zunehmenden Druck durch höhere Zinsen und Inflationsrisiken ausgleichen?

Energiepreise weiterhin Faktor

Einer der Gründe für die steigenden Renditen liegt derzeit auf den Energiemärkten. Brent-Rohöl handelt aktuell wieder oberhalb von 100 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig startet Europa mit vergleichsweise niedrigen Gasreserven in den Herbst. Besonders deutlich ist die Situation in Deutschland: Die Speicher sind aktuell nur zu rund 57 Prozent gefüllt und damit erheblich schwächer als in den vergangenen Jahren. Die Bundesnetzagentur sieht darin derzeit zwar kein unmittelbares Versorgungsproblem, weist jedoch ausdrücklich auf die ungewöhnlich niedrigen Füllstände hin.[2]


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Für Krypto-Assets ist der Gasfüllstand selbst generell nicht entscheidend. Relevant ist die makroökonomische Wirkungskette dahinter: Bleiben Öl und Gas teuer oder steigen die Preise im Winter weiter, kann dies den Inflationsdruck in Europa und den USA aufrechterhalten. Höhere Inflation reduziert wiederum den Spielraum der Notenbanken für eine lockerere Geldpolitik. Genau dieser Zusammenhang macht die Entwicklung an den Energiemärkten auch für Krypto-Anleger relevant.

Auch Anleiherenditen lassen Bitcoin nicht unberührt

Diese veränderten Erwartungen an Inflation und Geldpolitik zeigen sich auch am Anleihemarkt.  Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf rund 5,3 Prozentgestiegen und bewegt sich damit auf dem höchsten Niveau seit 2007.[3] Seit Anfang September hat sie um rund 45 Basispunkte zugelegt. Die Kombination aus höheren Energiepreisen, weiterhin robusten US-Konjunkturdaten und erneuten Erwartungen weiterer Zinsschritte der Federal Reserve hat den Ausverkauf an den Anleihemärkten zuletzt beschleunigt. Für Bitcoin entsteht dadurch gleich mehrfach Gegenwind. Steigende Renditen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen und verschärfen die Finanzierungskonditionen an den Kapitalmärkten. Gleichzeitig stärkt eine restriktivere Zinsperspektive tendenziell den US-Dollar und reduziert die globale Liquidität. Bitcoin reagiert auf diese Faktoren inzwischen ähnlich sensibel wie andere wachstums- und liquiditätsabhängige Risikoanlagen. Das lässt sich auch an der jüngsten Kursentwicklung beobachten. Nachdem Bitcoin in der vergangenen Woche noch oberhalb von 87.000 US-Dollar gehandelt hatte, ist der Kurs wieder auf rund 83.000 US-Dollar zurückgefallen. Der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen war dabei einer der wesentlichen Belastungsfaktoren.


Die Grafik zeigt die Entwicklung der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Vergleich zur Entwicklung von Bitcoin (BTC/USD) seit dem 28. August 2026. Man beachte, wie der jüngste Anstieg der US-Renditen mit einer Schwächephase bei Bitcoin zusammenfällt. (Credit: TradingView)

ETF-Zuflüsse senden ein anderes Signal

Bemerkenswert ist allerdings, dass die institutionelle Nachfrage gleichzeitig deutlich angezogen hat. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zwischen dem 21. und 25. September an jedem Handelstag Nettozuflüsse. Insgesamt flossen in diesen fünf Sitzungen rund 2,39 Milliarden US-Dollar in die Produkte. Allein am 21. September betrugen die Zuflüsse 999 Millionen US-Dollar – der stärkste einzelne Handelstag des Jahres.[4] Genau dieser Gegensatz ist für die aktuelle Marktphase entscheidend. Der Bitcoin-Kurs gerät unter Druck, obwohl über die ETF-Struktur weiterhin erhebliche Kapitalzuflüsse stattfinden. Der jüngste Rückgang deutet damit weniger auf einen vollständigen Rückzug institutioneller Investoren hin als auf eine Neubewertung der kurzfristigen makroökonomischen Rahmenbedingungen.

Das unterscheidet die aktuelle Situation auch von früheren Phasen ausgeprägter Krypto-Schwäche. Die Nachfrage nach regulierten Bitcoin-Anlageprodukten bleibt vorhanden, während sich gleichzeitig die Finanzierungskonditionen verschärfen. Für die weitere Entwicklung dürfte entscheidend sein, welcher dieser beiden Faktoren das Marktgeschehen stärker prägt.

Fazit: Makro gegen strukturelle Nachfrage

In den kommenden Tagen wird dieser Konflikt unserer Erwartung nach besonders deutlich werden. Neue US-Inflations- und Arbeitsmarktdaten werden darüber entscheiden, ob die zuletzt stark gestiegenen Zinserwartungen bestätigt werden. Bleibt die US-Wirtschaft robust und der Inflationsdruck hoch, könnten Treasury-Renditen weiter auf erhöhtem Niveau bleiben. Dies würde den kurzfristigen Gegenwind für Bitcoin verstärken.

Sollten sich Inflations- oder Arbeitsmarktdaten hingegen abschwächen, könnte sich der Fokus der Märkte wieder stärker auf die strukturelle Nachfrage richten. Die zuletzt hohen ETF-Zuflüsse zeigen jedenfalls, dass institutionelles Kapital trotz des schwierigen Makroumfelds weiter in Bitcoin fließt. Damit dürfte sich der Kryptomarkt in den kommenden Wochen weniger an einzelnen branchenspezifischen Nachrichten orientieren als an der zentralen Frage, die derzeit auch andere Risikoanlagen bestimmt: Wie lange bleiben Zinsen und Renditen auf diesem hohen Niveau, und reicht die vorhandene Nachfrage aus, um diesen Gegenwind aufzufangen?

Autor Stephen Coltman ist VP und Head of Macro beim Krypto-ETP-Emittenten 21shares.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den aktuellen Research Insightsvon 21shares.

[1] https://de.tradingview.com/news/cointelegraph:9cb2339ce600c:0/

[2]https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/start.html?utm_source=chatgpt.com

[3] https://www.coindesk.com/markets/2026/09/29/bitcoin-holds-usd83-000-as-zec-drops-12-and-oil-climbs-again?

[4] https://farside.co.uk/btc/

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