Covered Calls: Wie auch Privatanleger zusätzliche Prämien mit ihren Aktien erzielen

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Anne Schwedt
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Anne Schwedt: “Viele Anleger denken beim Vermögensaufbau ausschließlich an Kursgewinne und Dividenden. Dabei kann ein bestehendes Depot auch genutzt werden, um zusätzliche Prämieneinnahmen zu erzielen. Entscheidend ist, die Strategie und ihre Risiken zu verstehen."

Aktien langfristig halten und zugleich zusätzliche Einnahmen erzielen: Covered Calls sollen genau das ermöglichen. Anleger verkaufen dabei Kaufoptionen auf bereits vorhandene Aktien. Doch die zusätzlichen Prämien haben ihren Preis – und die Strategie birgt Risiken.

Viele Anleger kaufen Aktien und lassen sie anschließend über Jahre unangetastet im Depot liegen. Doch ähnlich wie bei einer Immobilie stellt sich die Frage: Muss ein Vermögenswert einfach nur auf Wertsteigerung warten – oder lässt sich damit regelmäßig zusätzliches Einkommen erzielen?

“Viele Anleger denken beim Vermögensaufbau ausschließlich an Kursgewinne und Dividenden. Dabei kann ein bestehendes Depot auch genutzt werden, um zusätzliche Prämieneinnahmen zu erzielen. Entscheidend ist, die Strategie und ihre Risiken zu verstehen”, erklärt Anne Schwedt. Nachfolgend erklärt sie, wie Anleger mit bestehenden Aktien zusätzliche Einnahmen erzielen können, für welche Depots solche Strategien infrage kommen und welche Fehler Anleger dabei unbedingt vermeiden sollten.

Wenn Aktien plötzlich “Miete” zahlen

Zahlreiche Menschen streben eine gute Absicherung an – und setzen hierzu auf Aktien. Ist das Depot erst einmal aufgebaut, folgt meist ein passiver Ansatz: Der Anleger hält seine Wertpapiere über Jahre und hofft darauf, dass sie langfristig an Wert gewinnen. Doch damit schöpft er die Möglichkeiten seines bestehenden Vermögens nicht vollständig aus. Vergleichbar ist dieser Umstand mit einer anderen Anlageklasse: der Immobilie.


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“Ein Immobilienbesitzer käme niemals auf die Idee, seine Wohnung leer stehen zu lassen und darauf zu warten, dass der Wert mit der Zeit steigt. Er würde sie vermieten und so laufende Einnahmen erzielen”, erklärt Anne Schwedt. Dieser Gedanke lässt sich auch auf ein Aktiendepot übertragen.

Covered Calls als Anleger nutzen

Hinter dem Vergleich steckt eine Strategie, die sich “Covered Calls” nennt und die seit Jahrzehnten Standard an der Wall Street ist. Dabei verkauft der Anleger eine Kaufoption auf Aktien, die er bereits besitzt. Vereinfacht gesagt räumt er einem anderen Marktteilnehmer für einen begrenzten Zeitraum das Recht ein, ihm seine Aktien zu einem vorher festgelegten Preis abzukaufen. Dafür erhält er sofort eine Prämie. Die Aktie bleibt im Depot, die Prämie ist verdient.

Der Anleger legt selbst fest, zu welchem Preis er bereit wäre, seine Aktien zu verkaufen. Bleibt der Kurs unter diesem sogenannten Ausübungspreis, behält er die Aktien und die vereinnahmte Prämie. Im Folgemonat kann er erneut vermieten. Steigt die Aktie hingegen über den vereinbarten Preis und wird die Option ausgeübt, verkauft er seine Aktien zum festgelegten Preis – er realisiert also den geplanten Kursgewinn und behält zusätzlich die Prämie.

Der große Unterschied zu Buy and Hold ist dabei, dass die Prämie unabhängig davon fließt, ob der Kurs steigt, fällt oder seitwärts läuft. Die “Miete” ist deshalb keineswegs risikofreies Zusatzeinkommen. Fällt die Aktie deutlich, bleibt das Kursrisiko bestehen. Fällt die Aktie deutlich, bleibt das Kursrisiko bestehen. Die erhaltene Prämie reduziert den Buchverlust, verhindert ihn aber nicht.

Für welche Depots kommt die Strategie infrage?

Voraussetzung für die Covered Calls ist zunächst ein bestehendes Aktienvermögen. “Es geht nicht darum, aus zehn Euro eine Million zu machen. Ziel ist es, Geld, das man bereits gespart hat, produktiver einzusetzen”, erklärt Schwedt. Entscheidend ist außerdem, welche Aktien sich im Depot befinden. Im Fokus sollten nach Schwedts Ansatz etablierte Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und verlässlichen Zahlen stehen. Eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sich mit ihr eine attraktive Optionsprämie erzielen lässt, hält sie für einen Fehler: “Die Prämie ist der Bonus, nicht der Grund. Ich kaufe nur Unternehmen, die ich auch behalten will, wenn sie fünf Jahre seitwärts laufen.”

Hinzu kommen praktische Voraussetzungen. Eine Option bezieht sich in der Regel auf 100 Aktien. Wer beispielsweise nur zehn Aktien eines Unternehmens besitzt, kann auf diese Position keinen entsprechenden Covered Call verkaufen. Außerdem braucht es einen ausreichend liquiden Optionsmarkt mit genügend Marktteilnehmern auf der Gegenseite. Schwedt orientiert sich deshalb insbesondere am US-Markt. Als Richtwert nennt sie ein Kapital von etwa 15.000 bis 25.000 Euro, damit mehrere Positionen aufgebaut und die Risiken über verschiedene Branchen verteilt werden können. Nicht geeignet ist die Strategie allerdings für Anleger ohne Kapitalpuffer, für Menschen, die schnelles Geld erwarten und für all jene, die keine Zeit in das Verständnis investieren wollen.

Diese Fehler sollte der Anleger vermeiden

Problematisch wird die Strategie auch dann, wenn die Prämie wichtiger wird als die Qualität der zugrunde liegenden Aktie. Hohe Prämien können verlockend wirken, sind laut Schwedt jedoch häufig Ausdruck höherer Unsicherheit. “Das meiste Geld verlieren Menschen nicht wegen falscher Analysen, sondern aus Angst oder Gier.”

Ebenso beim gewählten Verkaufspreis ist Augenmaß gefragt. Liegt dieser sehr nah am aktuellen Aktienkurs, fällt die Prämie zwar höher aus. Gleichzeitig steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger seine Aktien abgeben muss und an einer weiteren positiven Kursentwicklung nicht mehr teilnimmt. “Zu berücksichtigen ist außerdem die Streuung über mehrere Sektoren. Denn sonst trifft ein Branchenabschwung das ganze Depot gleichzeitig”, erklärt Anne Schwedt.

Besonders wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen gedeckten und ungedeckten Optionen. Bei einem Covered Call besitzt der Anleger die entsprechenden Aktien bereits. Schwedt warnt hingegen davor, Kaufoptionen zu verkaufen, ohne die zugrunde liegenden Aktien im Depot zu halten.

Nicht zuletzt sollte der Anleger fremde Trades nicht einfach kopieren. Sobald sich die Marktlage verändert, muss er selbst beurteilen können, welche Entscheidung sinnvoll ist. Schwedt plädiert deshalb dafür, zunächst die Mechanik und die damit verbundenen Verpflichtungen zu verstehen, bevor echtes Geld eingesetzt wird. Auch eine Dokumentation der eigenen Transaktionen kann helfen, vergangene Entscheidungen später nachvollziehen und aus ihnen lernen zu können.

Fazit:

Für Anleger bedeutet das: Ein Depot muss nicht ausschließlich darauf warten, dass die Kurse steigen. Die Prämie fließt unabhängig von der Kursrichtung – und wenn eine Aktie fällt, mindert sie den Buchverlust. Genau diesen Puffer hat ein Anleger, der seine Aktien ausschließlich hält, in derselben Situation nicht. Kostenlos ist dieser Zusatzertrag allerdings nicht: Im Gegenzug begrenzt der Anleger einen Teil seines möglichen Kursgewinns und geht eine Verpflichtung ein. Wer diesen Zusammenhang versteht, kann für sich beurteilen, ob er seine Aktien ausschließlich langfristig halten oder sein bestehendes Depot zusätzlich für Prämieneinnahmen nutzen möchte.

Autorin Anne Schwedt ist Investorin und Wall-Street-Expertin. Nach ihrem Master in Business & Finance in London ging sie nach New York, wo sie seit über zehn Jahren lebt und arbeitet. Als Reporterin direkt an der Wall Street lernte sie ihr Börsenwissen von einigen der besten Trader der Welt. Heute zeigt sie privaten Anlegern, wie sie aus ihrem bestehenden Aktienportfolio regelmäßige Erträge erzielen können. Weitere Informationen unter: https://www.anneschwedt.com/

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