EXTRA Edelmetalle: Gold braucht keine Krise, um zu glänzen 

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
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Gold bleibt weiterhin wichtiger Wertspeicher.

Gold hat Rekorde erreicht, korrigiert und dennoch nichts von seiner strategischen Bedeutung verloren. Edelmetall-Experten erklären, warum Anleger das Edelmetall nicht am nächsten Kursziel messen sollten – und weshalb neben Gold auch Silber, Platin und digitale Zugänge wichtiger werden.

Gold gilt als Krisenwährung. Doch gerade dieser Ruf führt zu falschen Erwartungen. Steigt der Preis in einer Stressphase nicht sofort oder gibt er nach einer Rally nach, wird rasch am „sicheren Hafen“ gezweifelt. Der Denkfehler liegt in der Zeitebene: Gold ist kein Versprechen auf Gewinne in jeder Krise, sondern eine Versicherung gegen den langfristigen Verlust von Vertrauen – in Währungen, Staatshaushalte und politische Institutionen.

Der jüngste Rückgang ändert daran wenig. Ein stärkerer Dollar, die Aussicht auf länger hohe Zinsen und eine zuvor üppige Krisenprämie begünstigten Gewinnmitnahmen. Zudem wird Gold gerade deshalb verkauft, weil es liquide ist. Neumann bringt die strategische Perspektive auf den Punkt: „Entscheidend ist nicht, dass Gold in jeder einzelnen Marktphase steigt. Seine Funktion zeigt sich vielmehr im Zusammenspiel mit anderen Anlageklassen.“

Gold sollte deshalb weder aus Euphorie gekauft noch aus Enttäuschung verkauft werden. Dros bezeichnet es als „langfristigen Vermögensschutz und kein Trading-Instrument“. Seit 2005 ist der Preis von rund 450 Dollar auf ein Vielfaches gestiegen. Nicht der nächste Monat, sondern die Kaufkraft über Marktzyklen hinweg ist der passende Maßstab.

Das spricht für einen festen Platz im Portfolio, nicht aber für eine starre Quote. Vermögen, Alter, Liquiditätsbedarf und Anlageziel entscheiden darüber, ob zehn, 15 oder auch 25 Prozent sinnvoll sein können. Wer aus Angst alles in Barren und Münzen umschichtet, ersetzt ein Risiko durch ein anderes. Kittendorf warnt: „Wer sein gesamtes Vermögen in eine einzige Anlageklasse verlagert, verzichtet auf Diversifikation.“ Gold ist Schutzbaustein, nicht Glaubensfrage. Direkt gehalten besitzt es zudem kein Emittentenrisiko. Allerdings müssen Eigentum und Kosten der Verwahrung transparent sein.

Doch der alleinige Blick auf Gold greift zu kurz. Silber wird für Photovoltaik, Elektronik und neue Technologien benötigt, befindet sich laut Dros aber bereits im sechsten Defizitjahr. „Vor allem Silber und Platin“ seien deshalb seine bevorzugten Weißmetalle. Bei Platin treffen die Abhängigkeit von südafrikanischen Minen und der Bedarf der Wasserstoffwirtschaft auf ein schwer ausweitbares Angebot. Das eröffnet Chancen, bedeutet aber höhere Volatilität.

Die unterschiedlichen Preistreiber sprechen für Streuung. Neumann empfiehlt, neben Gold zumindest Silber und Platin zu berücksichtigen: „Die Metalle erfüllen unterschiedliche Funktionen.“ Gold reagiert vor allem auf Realzinsen, Währungen und Zentralbankkäufe; Weißmetalle stärker auf Konjunktur, Technik und Engpässe. Sie können sich daher zeitweise gegenläufig entwickeln.

Für Gold bleibt der strukturelle Rückenwind intakt. Hohe Staatsschulden, geopolitische Brüche und die Abkehr vieler Schwellenländer vom Dollar bewegen Notenbanken zum Kauf. Das schafft einen Nachfrageboden, aber keinen geradlinigen Anstieg. Kittendorf formuliert die vernünftige Erwartung: „Kurzfristige Ziele bleiben Spekulation; langfristig wird Gold aus meiner Sicht weiter steigen.“ Korrekturen sind kein Gegenbeweis, sondern Teil jedes langfristigen Aufwärtstrends.

Die nächste Frage lautet weniger, ob Edelmetalle relevant bleiben, sondern wie sie neue Anleger erreichen. Diese erwarten digitale Prozesse und Transparenz über Herkunft, Bestand und Verwahrung. Tokenisierung kann physisches Eigentum nachvollziehbarer machen, darf es aber nicht durch ein digitales Versprechen ersetzen. Dros betont: „Die Technik darf allerdings kein Selbstzweck sein.“ Entscheidend bleibt, dass hinter jeder digitalen Einheit überprüfbarer Bestand steht.

Edelmetalle müssen dafür nicht zum nächsten Hype werden. Ihre Stärke liegt im Gegenteil: Sie verbinden jahrtausendealten Sachwert mit den Rohstoffbedürfnissen einer technologischen Welt. Gold schützt nicht vor jeder Kursdelle. Es schützt davor, das gesamte Vermögen auf die Stabilität eines einzigen Finanzsystems zu verwetten.

Dieser Artikel ist Teil des EXTRA Edelmetalle. Alle Artikel des EXTRA finden Sie hier.

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