Die Straße von Hormus war in den letzten Jahren ein Risikogebiet, ohne Frage. Doch was sich derzeit im Persischen Golf abspielt, ist mehr als eine klassische Krisensituation. Es ist ein Realitätscheck für die Schifffahrt und vor allem für die Versicherungswirtschaft. Denn das, was dort aktuell passiert, sprengt gewohnte Muster: Der Iran greift aktiv in den Schiffsverkehr ein, setzt Schiffe fest oder bedroht sie militärisch. Gleichzeitig kontrollieren die USA mit eigener Präsenz Teile der Route und versuchen ihrerseits, iranische Exporte zu unterbinden. Für Reeder und Versicherer entsteht da ein Szenario, das sich kaum noch sauber einordnen lässt.
Die Folge ist eine doppelte Unsicherheit. Wer durch die Straße von Hormus fährt, muss nicht nur mit klassischen Kriegsrisiken rechnen, sondern mit Eingriffen unterschiedlicher Akteure. Und das mit jeweils eigener Logik. Das ist kein „gewöhnliches“ Hochrisikogebiet mehr. Es ist ein Raum, in dem sich Regeln jederzeit verschieben können.
Das Geschäftsmodell wankt
Für Versicherer ist das ein Problem. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Risiken zu kalkulieren. Eigentlich. Doch genau das wird dort zunehmend schwierig. Es fehlen belastbare Erfahrungen, Daten, die Dynamik ist hoch, und politische Entscheidungen in Washington oder Teheran können Risiken über Nacht verändern.
Prämien lassen sich erhöhen, Bedingungen verschärfen – aber Unsicherheit lässt sich nicht vollständig bepreisen. Dass der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betont, die Branche ziehe sich nicht zurück, ist dennoch richtig. Ein Rückzug wäre keine Lösung, sondern würde den internationalen Handel beziehungsweise die Reedereien zusätzlich destabilisieren. Gleichzeitig zeigt diese Haltung aber auch den Druck, unter dem die Branche steht: Sie muss funktionieren, selbst wenn die Risiken kaum noch greifbar sind.
Planbarkeit wird zur Ausnahme
Für Reeder ist die Lage kaum weniger herausfordernd. Sie müssen entscheiden, ob sie noch Routen befahren, die wirtschaftlich eigentlich notwendig, aber sicherheitstechnisch extrem fragil sind. Alternativen sind teuer und binden Kapazitäten. Planbarkeit wird zur Ausnahme.
Die Hormus-Krise macht damit ein Grundproblem sichtbar: Die globale Wirtschaft ist auf stabile Handelsrouten angewiesen. Doch diese Stabilität ist politisch in ein Minenfeld geraten. Wenn geopolitische Konflikte eskalieren, geraten letztlich auch die Mechanismen ins Wanken, die Risiken eigentlich absichern sollen.
Die Versicherungswirtschaft kann viel leisten. Sie kann Risiken streuen, bewerten und absichern. Dafür hat sie Daten und Erfahrungen. Aber sie kann keine geopolitische Stabilität ersetzen. Genau hier liegt die Grenze der Versicherbarkeit. Und genau diese Grenze wird in der Straße von Hormus gerade sichtbar.













