KI-Boom: Glanz an der Oberfläche, Risse im Fundament

AI Blase
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KI-Aktien dominieren den S&P 500, Cashflows brechen ein: Warum ein Finanzexperte Parallelen zu früheren Börsencrashs zieht.

US-Aktienmärkte auf Rekordjagd, KI-Titel dominieren fast die Hälfte des S&P 500 – doch hinter der Euphorie mehren sich die Warnsignale. Buchgewinne übertünchen einbrechende Cashflows, und historische Parallelen zu 1929, 1973 und 2000 lassen einen erfahrenen Finanzprofi aufhorchen.

Die Aktienbörsen in den USA eilen von Rekord zu Rekord. 18 neue Bestmarken allein in diesem Jahr. Der Nasdaq 100 ist seit Ende März fast 30 Prozent gestiegen. Die Stimmung ist euphorisch. Doch hinter der glänzenden Fassade bröckelt das Fundament.

Absurde Bewertungen

SpaceX, OpenAI und Anthropic planen in den nächsten Monaten ihre Börsengänge. Zusammen bringen sie eine Bewertung von rund 3.000 Milliarden Dollar an die Börse. SpaceX allein peilt bis zu 2 Billionen Dollar an. Das ist das 107-fache seines Jahresumsatzes. KI-Aktien machen inzwischen fast 45 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 aus. Vor der Finanzkrise 2008 galt der Finanzsektor mit einem Anteil von 25 Prozent am Index bereits als gefährlich groß.


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Die Gewinne sind eine Illusion

Die börsenkotierten Unternehmen in den USA feiern im 1. Quartal 2026 ein Gewinnwachstum von 26 Prozent. Das klingt beeindruckend. Der Blick auf die freien Cashflows zeigt aber ein anderes Bild. Amazon, Google, Meta und Microsoft investieren 2026 zusammen über 650 Milliarden Dollar in KI. In der Buchhaltung werden diese Ausgaben über viele Jahre verteilt. Das Geld ist aber sofort weg. Der freie Cashflow der großen Tech-Konzerne ist deshalb um über 70 Prozent eingebrochen. Bei Amazon und Oracle ist er bereits negativ.

Ein konkretes Beispiel: Amazon wies im letzten Quartal einen Gewinn von 30 Milliarden Dollar aus. Davon waren 16 Milliarden ein reiner Buchgewinn – eine Aufwertung der Beteiligung an Anthropic. Der freie Cashflow betrug gleichzeitig minus 18 Milliarden Dollar. Amazon musste neue Schulden aufnehmen. Mit Buchgewinnen kann man keine Rechnungen bezahlen. Nur echte Cashflows zählen.

Die ETF-Gefahr 

Das System ist zudem in sich zirkulär. Amazon investiert in Anthropic. Anthropic kauft damit Rechenleistung bei Amazon. Die Beteiligung steigt im Wert. Amazon bucht einen Gewinn. Die Börse jubelt. Dazu kommt die stark unterschätzte Seite des passiven Investierens. Wer in einem ETF oder Indexfonds investiert ist, kauft automatisch alle Aktien im Index – ob er will oder nicht. Werden SpaceX, OpenAI und Anthropic im Schnellverfahren in große Indizes aufgenommen, kaufen passive Indexfonds genau dann, wenn die Insider verkaufen. Die meisten Anleger werden es nicht einmal merken.

Was die Realwirtschaft sagt

Die Ölpreise bleiben hoch. Die Inflation droht erneut anzuziehen. Die Staatsverschuldung wächst ungebremst. Der US-Konsument ist so pessimistisch wie seit Jahren nicht mehr. Die Aktienmärkte schauen weg.

Aus meiner Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass wir aktuell vor allem im KI-Sektor einen klassischen Gartner-Hype-Zyklus sehen. Diesen Zyklus gab es in der Vergangenheit bei fast jeder neuen Technologie: Internet, Smartphones, Autos, Radios, Fernseher usw.

Eine ähnlich hohe Aktienbewertung in den USA gab es zuletzt kurz vor dem Crash von 1929, vor der Ölkrise 1973 und vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Jedes Mal folgte danach ein schwerer Einbruch. Diesmal ist es anders? Das glaube ich mit meinen über 35 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche nicht mehr.

Wir stehen an der Seitenlinie – bewusst

Wir spekulieren nicht mit dem Vermögen unserer Aktionäre. Wir betreiben keine Gewinnmaximierung und laufen keinem Trend hinterher. Unsere Zielsetzung ist und bleibt der langfristige Werterhalt und Vermögensschutz.

Unser Liquiditätsanteil ist aktuell erhöht. Wir warten geduldig. Wenn die unseres Erachtens überfällige Korrektur kommt, sind wir bereit. Dann kaufen wir gezielt Anteile an soliden Unternehmen zu günstigen Preisen. Firmen, die Grundbedürfnisse der Menschen decken und auch in einer Rezession gebraucht werden. Mit stabilen Cashflows und soliden Bilanzen. Für Gold und Silber bleiben wir mittelfristig positiv eingestellt. Wir halten weiterhin an unseren physischen Edelmetallbeständen fest, sicher in verschiedenen Hochsicherheitslagern in der Schweiz verwahrt.

Autor Dani Stüssi ist CEO der RealUnit Schweiz AG.

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