Die Digitale Rentenübersicht ist bislang an den meisten Bundesbürgern vorbeigegangen. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hat die Hälfte der Bevölkerung das Angebot noch nie gehört. Weitere 28 Prozent kennen es zwar, nutzen es aber nicht. Nur rund jeder Achte – zwölf Prozent – greift tatsächlich darauf zurück.
Das Portal soll eigentlich Transparenz schaffen: Wer sich einloggt, soll seine Rentenansprüche aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge gebündelt einsehen können. Der praktische Nutzen liegt auf der Hand – die Reichweite nicht. „Die Digitale Rentenübersicht kann ein wichtiger Baustein für mehr Transparenz bei der Altersvorsorge sein. Wer frühzeitig seine voraussichtlichen Ansprüche kennt, kann leichter erkennen, ob zusätzlicher Vorsorgebedarf besteht“, sagt Peter Schwark, Sprecher des DIA. „Die Umfrage macht allerdings deutlich, dass das Angebot noch viel bekannter gemacht werden muss.“
Die Befragung liefert zugleich Hinweise auf die Gründe der Nichtnutzung. Jeder vierte Nichtnutzer hat sich schlicht noch nie mit dem Thema befasst. Fast ebenso viele sehen für sich aktuell keinen konkreten Nutzen. 23 Prozent empfinden den Registrierungs- und Anmeldeprozess als zu aufwendig, 22 Prozent äußern Datenschutz- oder Datensicherheitsbedenken.
Ältere Nutzer besonders selten erreicht
Zwischen den Altersgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Jüngere Befragte nennen vor allem fehlenden Nutzen, Datenschutzbedenken und den Registrierungsaufwand als Hindernisse. Bei den 50- bis 59-Jährigen steht dagegen ein anderer Aspekt im Vordergrund: Fast jeder Zweite aus dieser Gruppe erklärt, das Angebot bislang noch nicht zur Kenntnis genommen zu haben.
Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen Alter und Bekanntheit: Während etwa ein Drittel der unter 40-Jährigen die Digitale Rentenübersicht nicht kennt, gilt das bei den 60- bis 69-Jährigen bereits für sechs von zehn Befragten – und bei den über 70-Jährigen sogar für zwei Drittel. Ausgerechnet jene Altersgruppen, die zeitlich näher an der Rentenphase sind, werden am wenigsten erreicht.
Schwark fordert einfacheren Zugang
DIA-Sprecher Schwark sieht politischen Handlungsbedarf. „Die Politik sollte die Digitale Rentenübersicht stärker in den Mittelpunkt ihrer Informationsarbeit stellen, gerade im Kontext der Umsetzung der Empfehlungen der Rentenkommission. Gleichzeitig müssen die Zugangshürden so niedrig wie möglich sein“, sagt er. Der aktuelle Registrierungsprozess – mit elektronischem Personalausweis, PIN und Steuernummer – sei für viele Nutzer zu aufwendig, um das Angebot im Alltag weiterzuempfehlen.
Den Vergleich mit anderen digitalen Anwendungen hält Schwark für ernüchternd: „Auf Online-Banking-Konten oder Wertpapierdepots kann mit Face-ID zugegriffen werden, ELSTER-Anwendungen funktionieren einfach per Elster-Zertifikat. Selbst auf Krankenkassen-Apps kann nach einer einmaligen starken Registrierung unkompliziert per biometrischer Anmeldung zugegriffen werden. Nur bei der Digitalen Rentenübersicht ist der Zugang wiederholt derart kompliziert.“
Schwark zieht daraus eine klare Forderung: „Die Digitale Rentenübersicht sollte nicht nur sicher, sondern auch alltagstauglich sein. Hier braucht es einen Befreiungsschlag bei der Nutzerfreundlichkeit, ohne das tatsächlich nötige Mindestniveau an Sicherheit aufzugeben.“














