Der gesellschaftliche Zusammenhalt gilt in der aktuellen Debatte über Zivilschutz und Krisenvorsorge oft als nachrangiges Thema. Eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Zurich Gruppe Deutschland zeichnet jedoch ein ernüchterndes Bild: Vier von zehn Befragten erwarten, dass eine größere Krise zu Chaos und Überforderung führen würde.
30 Prozent gehen von egoistischem Verhalten aus, acht Prozent rechnen sogar mit Aggressionen. Nur 15 Prozent äußern die Erwartung, dass Menschen einander solidarisch unterstützen würden – sieben Prozent wollten sich nicht festlegen.
Diese pessimistische Grundhaltung speist sich offenbar aus alltäglichen Erfahrungen: Sechs von zehn Deutschen erleben nach eigenen Angaben im Alltag häufig fehlende Zivilcourage. 83 Prozent nehmen zudem wahr, dass empathisches Verhalten in den vergangenen fünf Jahren spürbar nachgelassen hat.
Empathie als Grundlage gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit
Gleichzeitig erkennt eine deutliche Mehrheit der Befragten den Wert von Empathie: 77 Prozent sehen in der Fähigkeit zur Einfühlung den Schlüssel zu solidarischem Handeln – sowohl im Alltag als auch in Krisensituationen. Damit überwiegt trotz der verbreiteten Skepsis das Bewusstsein dafür, dass menschliche Zugewandtheit gesellschaftlich relevant ist.
„Die aktuelle Diskussion über Zivilschutz und Krisenvorsorge konzentriert sich häufig auf Infrastruktur, Warnsysteme oder Notfallpläne. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass eine resiliente Gesellschaft auch von etwas anderem lebt: dem Vertrauen, dass Menschen einander im Ernstfall unterstützen. Empathie und Solidarität sind keine weichen Faktoren, sondern können in Krisensituationen zu einem entscheidenden Bestandteil gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit werden“, sagt Bernd O. Engelien, Leiter Politik & Unternehmenskommunikation der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand der Zurich Kinder- und Jugendstiftung.
Ahrtal als Gegenbeispiel zum gesellschaftlichen Pessimismus
Engelien verweist zugleich darauf, dass die negative Erwartungshaltung der Bevölkerung nicht zwingend der Realität entspreche. „Dass die negative Wahrnehmung der Realität jedoch nicht immer gerecht wird, zeigen reale Krisenerfahrungen, wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Die unzähligen Menschen, die sich ins Auto gesetzt und selbstlos bei Flutopfern mit angepackt haben, zeigen, was in uns steckt.“
Die Ergebnisse des Empathie-Reports erscheinen vor dem Hintergrund politischer Debatten über den Ausbau des Bevölkerungsschutzes und die Stärkung kritischer Infrastrukturen besonders relevant. Technische Vorkehrungen und institutionelle Notfallpläne bilden zwar die Grundlage jeder Krisenvorsorge – ob sie im Ernstfall greifen, hängt jedoch auch davon ab, wie Menschen in akuten Ausnahmesituationen miteinander umgehen.















