Die Uelzener gilt seit Jahren als Marktführer in der Tierversicherung. Wie hat sich der Markt für Hunde- und Katzenversicherungen in den vergangenen Jahren verändert? Und wie dynamisch wächst das Segment aktuell?
Garlipp: Der Markt für Hunde- und Katzenversicherungen wächst und wir verzeichnen einen deutlich höheren Nachfragebedarf. Haustiere sind für viele Menschen längst echte Familienmitglieder und mit dieser veränderten Beziehung beobachten wir auch das steigende Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter. Hinzu kommt der wirtschaftliche Aspekt, da die Tierarztkosten in den letzten Jahren spürbar gestiegen sind – nicht zuletzt durch die Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) Ende 2022 sowie die allgemeine Inflation. Das schärft das Bewusstsein für Absicherung und den Wunsch nach planbaren Kosten erheblich. Die Erwartungshaltung der Kunden hat sich klar verändert: Der Bedarf geht heute eher vom reinen OP-Schutz zu einem allumfassenden Schutz – von der Vorsorge bis zur Behandlung schwerer Erkrankungen. Zudem werden die Kundenbedürfnisse auch individueller, was sich wiederum auf die Produktentwicklung auswirkt. Gleichzeitig rückt der Vermittler weiter in den Fokus, weil das Produkt erklärungsbedürftiger geworden ist und individuelle Beratung an Bedeutung gewinnt. Aktuell sind erst rund 20 Prozent aller Hunde und Katzen in Deutschland versichert. Das Marktpotenzial ist also groß.
Hunde und Katzen werden heute vielfach als vollwertige Familienmitglieder betrachtet. Wie stark verändert dieser gesellschaftliche Wandel die Kundenerwartungen an Tierkranken- und Tier-OP-Versicherungen?
Garlipp: Diese Entwicklung zeigt sich über Jahrzehnte und ist messbar. Das zeigt auch unsere aktuelle Uelzener Haustierstudie, für die wir rund 1.070 Hunde- und Katzenhalter befragt haben: 98 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Haustier sie glücklicher macht, 94 Prozent erleben es als gesundheitsfördernd. Für 34 Prozent ist das Haustier schlicht unverzichtbar. Und 90 Prozent würden notfalls auf eine Reise verzichten, sollte ihr Tier eine teure Behandlung benötigen. Diese Zahlen verdeutlichen die hohe emotionale Bindung, wodurch auch die Erwartungen steigen: Kunden erwarten zunehmend individuelle Lösungen, die sowohl auf das Tier als auch auf ihr persönliches Budget zugeschnitten sind. Die Tendenz zur Vollabsicherung ist wie gesagt klar erkennbar, auch weil die Tierarztkosten eben stark gestiegen sind. Für uns als Versicherer bedeutet dies, dass wir Tierversicherung ganzheitlich denken müssen – als Begleitung über das gesamte Tierleben hinweg, nicht als einmalige Produktentscheidung.
Mit der Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) Ende 2022 sind die Behandlungskosten massiv gestiegen. Wie tiefgreifend war dieser Einschnitt für Tierhalter und für die Versicherer selbst?
Garlipp: Der Einschnitt war sowohl für uns als Versicherer als auch letztlich für die Tierhalter erheblich. Als Spezialversicherer bildet die GOT für rund 90 Prozent unserer Verträge (Tierkranken- und OP-Versicherung) die Abrechnungsgrundlage. Entsprechend direkt und stark hat uns die Novelle aufgrund der massiven Kostensteigerungen getroffen. Allein zwischen dem ersten Halbjahr 2022 und dem ersten Halbjahr 2024 sind unsere durchschnittlichen Schadenkosten je nach Versicherungsart und Tierart um 36 bis 77 Prozent angestiegen. Diese Preissteigerungen mussten wir an die Versichertengemeinschaft in Form von deutlich spürbaren Beitragsanpassungen weitergeben. Das war unvermeidbar, da wir unsere Tarife kostendeckend gestalten müssen, um in möglichst vielen Schadenfällen helfen zu können. Die GOT-Novelle hat auf jeden Fall bewirkt, dass sich das Bewusstsein der Tierhalter für die tatsächlichen Kosten moderner Tiermedizin geschärft hat. Laut einer Appinio-Studie von 2025 sorgen sich heute rund 80 Prozent der Tierhalter um steigende Tierarztkosten. Das trägt natürlich auch zu einer wachsenden Nachfrage nach Absicherung bei.
Viele Tierbesitzer unterschätzen die tatsächlichen Kosten moderner Tiermedizin. Welche Summen kommen heute bei Operationen oder komplexeren Behandlungen schnell zusammen? Und wie wichtig wird dadurch die Absicherung?
Garlipp: Die Tiermedizin hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Moderne Diagnostik, minimal-invasive Eingriffe, Spezialisten wie Orthopäden, Zahntierärzte oder Physiotherapeuten für Tiere – all das ist heute Standard. Und das hat seinen Preis. Unsere Schadendaten aus 2024 geben einen konkreten Eindruck: Eine Operation am Bewegungsapparat beim Hund, etwa bei einem Kreuzbandriss, kostet im Durchschnitt rund 2.831 Euro. Bei Tumoreingriffen sind es rund 1.120 Euro, bei Bauchhohleingriffen sogar über 2.750 Euro. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Deutsche gibt laut BAT-Stiftung für Zukunftsfragen pro Person rund 1.544 Euro für seinen Jahresurlaub aus (Stand 2024). Wichtig für Tierhalter ist, sich zu vergegenwärtigen, dass diese Kosten nicht einmalig entstehen. Im Leben eines Hundes fallen über alle Lebensphasen hinweg typischerweise Behandlungskosten von mindestens 3.000 bis über 8.600 Euro an – von frühen Unfallrisiken bis hin zu Tumor- oder Organerkrankungen im Alter. Das macht deutlich, warum eine gute Absicherung keine Luxusentscheidung ist, sondern ein Akt der Verantwortung gegenüber dem Tier. Sehr hilfreich in der Beratung sind konkrete Alltagsbeispiele, die die Relationen greifbar machen. Eine größere OP kostet heute schnell so viel wie ein Familienurlaub. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern Realität.
Die Tierkrankenversicherung weist viele Parallelen zur privaten Krankenversicherung auf: medizinischer Fortschritt, steigende Leistungsausgaben und zunehmender Kostendruck. Steht die Branche vor ähnlichen Kalkulationsherausforderungen wie die PKV?
Garlipp: Ein Vergleich ist durchaus naheliegend, wobei ich weniger die PKV als Referenz sehe, sondern eher die strukturellen Herausforderungen, die alle Krankenversicherungssysteme kennen: medizinischer Fortschritt, steigende Inanspruchnahme, wachsende Leistungserwartungen. All das trifft auch uns. Tierhalter erwarten heute medizinische Standards, die mit der Humanmedizin durchaus vergleichbar sind – von der Spezialdiagnostik bis zur Nachsorge. Das hält die Leistungsausgaben strukturell hoch und stellt die Kalkulation vor echte Herausforderungen. Uns unterscheidet jedoch von der PKV, dass wir in einem freieren Marktumfeld mit mehr Spielraum bei Tarifgestaltung und Risikobewertung agieren. Das ist kein Komfortmerkmal, sondern eine Notwendigkeit, um das Geschäft langfristig nachhaltig zu führen.
Steigende Tierarztkosten und höhere Leistungsinanspruchnahmen setzen die Anbieter unter Druck. Wird die Tierkrankenversicherung langfristig zwangsläufig teurer – oder lässt sich das Geschäft weiterhin nachhaltig kalkulieren?
Garlipp: Es wird anspruchsvoller, aber es bleibt darstellbar. Entscheidend ist, wie Versicherer mit dem Kostendruck umgehen. Wir setzen auf konsequente Differenzierung: unterschiedliche Erstattungshöhen, Selbstbehalte und modulare Leistungsbausteine – kombiniert mit einer individuelleren Risikobewertung. So lassen sich für unterschiedliche Bedarfsgruppen passende und dennoch nachhaltig kalkulierbare Lösungen anbieten. Der Markt entwickelt sich klar in Richtung individueller, bedarfsgerechter Lösungen.
Der Wettbewerb im Markt nimmt deutlich zu. Neben spezialisierten Anbietern drängen inzwischen auch große Versicherer stärker in das Segment. Wodurch differenziert sich die Uelzener vom Wettbewerb?
Garlipp: Die Uelzener blickt auf über 150 Jahre Erfahrung als Tierversicherungsspezialist zurück. Das allein ist schon ein Unterschied. Aber entscheidender als Historizität ist die Tiefe unserer Spezialisierung. Unser zentrales Differenzierungsmerkmal besteht darin, dass wir kein Tier generell ausschließen. Unabhängig von Alter und Rasse bieten wir Versicherungslösungen an, das gilt auch für ältere und vorerkrankte Tiere. Etwa 90 Prozent unserer Wettbewerber tun das nicht. Für uns ist das eine Frage der Haltung: Ein Tier ist kein Sachgegenstand. Dazu kommt unser Servicelevel: Wer bei uns anruft, spricht mit echten Menschen – mit Menschen, die tiermedizinische Expertise haben und die das Thema emotional verstehen. Rund 75 Prozent unserer Mitarbeitenden haben selbst mindestens ein Haustier. Das prägt unsere Unternehmenskultur und die Qualität unserer Beratung. Unser Claim „Mensch.Tier.Wir.“ ist für uns kein Marketing-Slogan, sondern eine gelebte Haltung.
Vertrieblich gilt die Tierkrankenversicherung als emotionales, zugleich aber auch erklärungsbedürftiges Produkt. Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen im Makler- und Vermittlermarkt?
Garlipp: Das Spannungsfeld ist real, denn Tierversicherung ist emotional und gleichzeitig erklärungsbedürftig. Dies bedeutet für Makler und Vermittler, dass Beratungskompetenz gefragt ist, ohne dass die Produktkomplexität überhandnimmt. Unser Ansatz besteht darin, Tarife klar zu strukturieren und somit weniger Tarifdschungel, aber mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Dazu kommt der Preisdruck. Bei steigenden Schadenskosten muss das Angebot für den Kunden trotzdem attraktiv bleiben, was auf allen Seiten eine Herausforderung darstellt. Aber genau hier liegt auch die Chance: Tierversicherung ist ein Thema, das Kunden wirklich berührt. Solche Gesprächsanlässe sind selten – und sehr wertvoll für den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses.
Die Tierkrankenversicherung ist formal eine Sachversicherung, funktioniert in vielen Bereichen aber ähnlich wie eine Krankenversicherung. Kann ein Vermittler dieses Produkt überhaupt noch „nebenbei“ beraten? Oder braucht es inzwischen deutlich mehr fachliche Expertise?
Garlipp: Auch hier ist Thema Vertrauen wieder von großer Bedeutung – und genau das setzt voraus, dass Vermittler dieses Produkt wirklich durchdringen. Ein reines Nebenbei-Angebot wird der Materie heute nicht mehr gerecht, denn der Markt ist schlicht komplexer geworden mit Aspekten wie beispielsweise unterschiedlichen Tarifstufen, Erstattungsmodellen auf Basis der GOT, Wartezeiten, Ausschlussklauseln oder modularen Zusatzbausteinen. Das erfordert echte Fachkenntnis und gezielte Vorbereitung. Aber der Aufwand zahlt sich aus, denn wer hier kompetent berät, hat einen Ankerpunkt für die gesamte Kundenbeziehung.
Wie unterstützt die Uelzener Makler und Vermittler konkret bei Beratung, Produktauswahl und Kundenaufklärung – gerade in einem Markt, in dem viele Tierhalter erstmals mit dem Thema Versicherung in Berührung kommen?
Garlipp: Wir haben in den letzten Jahren einiges aufgebaut und entwickeln unsere Unterstützung kontinuierlich weiter. Konkret bieten wir Maklern und Vermittlern beispielsweise detaillierte Produkt- und Leistungsübersichten inklusive Wettbewerbsvergleiche, technische Unterstützung bei der Implementierung von Antragsstrecken sowie Werbemittel und gemeinsame Marketingformate bis hin zur Begleitung von Experten bei Vor-Ort-Besuchen. Auf Branchenplattformen wie Profino sind wir beispielsweise mit Webinaren und Expertenformaten präsent, um Vermittlerwissen gezielt aufzubauen. Uns ist dabei wichtig, Makler und Vermittler nicht als reinen Vertriebskanal zu betrachten, sondern mit ihnen als Partner zusammenzuarbeiten. Deshalb binden wir sie auch in unsere Produktentwicklung ein.
Abschließender Blick nach vorne: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Tierkranken- und Tier-OP-Versicherung in den kommenden Jahren: bei den Kosten, der Profitabilität, dem Vertrieb oder den steigenden Erwartungen der Kunden?
Garlipp: Die Herausforderung liegt in der Balance – und die betrifft alle vier Bereiche gleichzeitig. Preislich attraktiv, leistungsstark und dabei profitabel zu bleiben, ist auf Produktebene der eigentliche Balanceakt. Ohne nachhaltige Profitabilität lässt sich dieses Geschäft langfristig nicht verantwortungsvoll führen. Gleichzeitig steigen die Kundenerwartungen. Tierhalter wollen individuelle Lösungen, faire Preise und einen Versicherer, dem sie im Ernstfall vertrauen können. Wir verfolgen einen hohen Anspruch, der uns leitet, indem wir uns dafür einsetzen, auch künftig Versicherungsschutz für vorerkrankte Tiere zu ermöglichen sowie den wachsenden individuellen Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden und ihnen neue Lösungen anzubieten. Tierversicherung bedeutet für uns Verantwortung über das gesamte Tierleben hinweg.
Dieser Artikel ist Teil des EXKLUSIV Uelzener Versicherungen. Alle Artikel des EXKLUSIV finden Sie hier.














