EZB-Zinsentscheid: Leitzins bleibt bei 2,5 Prozent trotz Inflation

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Gestapelte Euromünzen vor digitalen Börsencharts mit Kerzendiagrammen und Kurslinien symbolisieren Geldpolitik und Finanzmärkte.
Trotz der Zinspause bleibt die Inflation im Euroraum mit 3,8 Prozent deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent.

Beim heutigen EZB-Zinsentscheid bleibt der Leitzins bei 2,50 Prozent, obwohl die Inflation im Euroraum auf 3,8 Prozent gestiegen ist. Bundesbank-Chef Nagel hält eine weitere Anhebung im Dezember für möglich - und EZB-Chefin Lagarde kündigt am selben Tag ihren vorzeitigen Rücktritt an.

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat die Leitzinsen beim EZB-Zinsentscheid unverändert gelassen. Der Einlagensatz bleibt bei 2,50 Prozent. Ebenso unverändert bleiben der Hauptrefinanzierungssatz mit 2,65 Prozent und die Spitzenrefinanzierungsfazilität mit 2,90 Prozent. Alle drei Sätze gehen auf den Zinsschritt vom 10. September 2026 zurück, der ab dem 16. September 2026 in Kraft trat.

EZB-Zinsentscheid: Pause nach zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr

Die Entscheidung unterbricht einen für die Notenbank ungewöhnlichen Kurs. Erst 2025 hatte die EZB ihren Zinssenkungszyklus beendet, bevor sie 2026 gleich zweimal nachlegte - zunächst im Juni, dann im September. Die Zinserhöhung im September rechtfertigte die EZB mit fortbestehendem Preisauftrieb, für den sie unter anderem den Nahost-Konflikt und höhere Energiekosten verantwortlich machte. Der EZB-Zinsentscheid setzt diesen Straffungskurs vorerst aus. Die Notenbank entscheidet damit weiter von Sitzung zu Sitzung.

Inflation in der Eurozone bleibt deutlich über dem Zielwert

Von sinkenden Preisen kann trotz der Zinspause keine Rede sein. Die Eurostat-Zahlen zeigen für September 2026 einen Anstieg der Teuerung auf 3,8 Prozent im gesamten Währungsraum - deutlich mehr als die 3,2 Prozent des Vormonats. Ohne Energie lag die Kernrate bei 2,3 Prozent. Hauptgrund für den Anstieg war erneut Energie: Sie kostete 18,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und schlug damit mit 1,71 Prozentpunkten am stärksten zu Buche, während Dienstleistungen mit einer Preissteigerung von 3,2 Prozent den zweitgrößten Effekt hatten.

Auch in Deutschland zeigt sich das Bild einer hartnäckigen Teuerung. Das Statistische Bundesamt bezifferte die Inflationsrate für September 2026 auf 3,3 Prozent - den bisherigen Jahreshöchststand. Ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise ergab sich eine Kernteuerung von 2,4 Prozent. Nach Angaben der Behörde zogen vor allem Kraftstoffe mit einem Plus von 37,1 Prozent und leichtes Heizöl mit einem Plus von 74,9 Prozent im Jahresvergleich kräftig an.

EuroraumDeutschland
Gesamtinflation September 20263,8 Prozent3,3 Prozent
Kerninflation September 20262,3 Prozent2,4 Prozent
Quelle: Eurostat, Statistisches Bundesamt

Die hauseigenen Stabsprojektionen der Notenbank von September 2026 gehen von einer Teuerung von durchschnittlich 3,0 Prozent in diesem Jahr aus, gefolgt von 2,5 Prozent 2027 und 2,1 Prozent 2028. Erst zum Ende dieses Zeitraums nähert sich die Rate damit dem mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel der EZB an.


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Die aktuellen Leitzinsen der EZB im Überblick

LeitzinsSatzGültig seit
Einlagefazilität2,50 Prozent16. September 2026
Hauptrefinanzierungssatz2,65 Prozent16. September 2026
Spitzenrefinanzierungsfazilität2,90 Prozent16. September 2026
Quelle: Europäische Zentralbank

Nagel schließt zusätzliche Zinserhöhung nicht aus

Schon vor der Sitzung hatte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel deutlich gemacht, dass diese Entscheidung keine endgültige Weichenstellung ist. Am 16. Oktober 2026 äußerte er sich am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok entsprechend: „Wir haben ja zuletzt zweimal die Leitzinsen erhöht. Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, schließe ich nicht aus, dass wir möglicherweise noch mal nachlegen müssen“, sagt Nagel.

Lagardes vorzeitiger Rückzug sorgt für zusätzliche Unsicherheit

Am Tag des EZB-Zinsentscheids sorgte zudem eine andere Meldung für Aufsehen: EZB-Chefin Christine Lagarde kündigte an, ihr Amt bereits zum 7. Februar 2027 abzugeben. Ihre reguläre Amtszeit von acht Jahren wäre offiziell erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen.

Damit vollzieht sich der Führungswechsel an der EZB-Spitze innerhalb weniger Monate - ausgerechnet in einer Zeit, in der die Notenbank entscheiden muss, ob sie ihren restriktiven Kurs fortsetzt.

Was der EZB-Zinsentscheid für Berater und Anleger bedeutet

Für Vermittler und Berater ist die Entscheidung relevant, weil stabil hohe Leitzinsen auf Bauzinsen und die Verzinsung von Spareinlagen durchschlagen. Hinzu kommt die geldpolitische Unsicherheit der kommenden Monate. Einerseits schließt Nagel eine weitere Anhebung nicht aus, andererseits steht Anfang Februar 2027 der Wechsel an der EZB-Spitze an.

Nächster EZB-Zinsentscheid am 17. Dezember

Die kommende Sitzung des EZB-Rats ist für den 17. Dezember 2026 angesetzt. Dann legt die Notenbank zugleich aktualisierte Stabsprojektionen bis 2028 vor.

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