EZB tagt erneut: Frankreichs Schuldenkrise erhöht den Druck

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Fotomontage mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dem Eurotower in Frankfurt und einer ansteigenden Kurslinie.
Bild: KI-generiert
70 von 73 befragten Ökonomen erwarten am 29. Oktober keine Zinsänderung - für Dezember aber den nächsten Schritt.

Der EZB-Rat entscheidet am 29. Oktober über die Leitzinsen - nur sieben Wochen nach der Erhöhung auf 2,50 Prozent. Beim EZB-Zinsentscheid erwarten fast alle befragten Ökonomen eine Pause, für Dezember aber bereits den nächsten Schritt. Was das für Bauzinsen, Tagesgeld und die Beratung bedeutet.

Der EZB-Rat tagt am 29. Oktober 2026 erneut zur Geldpolitik. Beim EZB-Zinsentscheid rechnen fast alle befragten Ökonomen mit einer Pause: In einer Reuters-Umfrage unter 73 Ökonomen von Anfang Oktober gingen 70 Befragte davon aus, dass die Sätze unverändert bleiben. Erst sieben Wochen zuvor, am 10. September, hatte die Notenbank den Einlagesatz auf 2,50 Prozent angehoben.

Die Europäische Zentralbank gibt ihre Entscheidung um 14:15 Uhr MEZ bekannt. Eine halbe Stunde später folgt die Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde. Im September hatte der Rat gleich alle drei Leitzinsen um je 25 Basispunkte erhöht. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seither bei 2,65 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent.

Welche Zinsschritte die EZB 2026 bereits beschlossen hat

Der restriktivere Kurs kam nicht aus dem Nichts. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 beließ die EZB den Einlagesatz unverändert bei 2,00 Prozent, ehe sie ihn im Juni 2026 erstmals auf 2,25 Prozent anhob. Die zweite Erhöhung im September auf 2,50 Prozent folgte, weil die Inflation in der Eurozone spürbar anzog.

Laut einer Vorabschätzung von Eurostat stieg die Jahresteuerung im September auf 3,8 Prozent, verglichen mit 3,2 Prozent einen Monat zuvor. Das ist der höchste Stand seit September 2023. Allein die Energiepreise legten um 18,8 Prozent zu. Die Notenbank führt diese Entwicklung auf den eskalierten Nahost-Konflikt zurück. Die Teuerung dürfte sich nach ihrer Einschätzung deshalb noch längere Zeit deutlich über dem Ziel bewegen.

Für die kommenden Jahre rechnet die EZB laut ihren Stabsprojektionen vom September mit einer Gesamtinflation von 3,0 Prozent in diesem Jahr. Für 2027 sagt sie 2,5 Prozent voraus, für 2028 dann 2,1 Prozent.

EZB-Zinsentscheid: Das erwarten Ökonomen für Oktober und Dezember

Offiziell hält sich der Rat beim EZB-Zinsentscheid alle Optionen offen. „Der Rat wird sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festlegen“, heißt es in der Mitteilung zur Septembersitzung. Für die Praxis bedeutet das: Die Entscheidung über den Leitzins hängt von der jeweils aktuellen Datenlage ab, nicht von einem festen Plan.

Für die folgende Sitzung am 16. und 17. Dezember zeichnet sich in der Reuters-Umfrage bereits ein klareres Bild ab. Von den 73 Ökonomen gehen 64 von einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent aus. Beim möglichen Zinsgipfel liegen die Einschätzungen allerdings auseinander: 40 von 70 Befragten nennen 2,75 Prozent als Endpunkt, 24 erwarten 3,00 Prozent. Die japanische Investmentbank Nomura geht sogar von zwei zusätzlichen Zinsschritten aus - einem im Dezember 2026, einem weiteren im März 2027 - und erwartet den Einlagesatz anschließend bei 3,00 Prozent.

Unter den Analysten gibt es dazu unterschiedliche Lesarten. Morgan-Stanley-Chefvolkswirt Jens Eisenschmidt geht davon aus, dass die EZB an ihrem vierteljährlichen Anpassungsrhythmus festhält. Anatoli Annenkov von der Société Générale verweist dagegen auf die bereits gestiegenen Marktzinsen: Sie könnten im Oktober gegen eine weitere Anhebung sprechen.


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LeitzinsSatz seit 16.09.2026
Einlagefazilität2,50 Prozent
Hauptrefinanzierungssatz2,65 Prozent
Spitzenrefinanzierungssatz2,90 Prozent
Quelle: Europäische Zentralbank

Frankreichs Schuldenkrise erhöht den Druck auf die EZB

Neben der Teuerung treibt auch die französische Haushaltslage die Notenbank um. Für zehnjährige französische Staatspapiere kletterte der Renditeabstand zu vergleichbaren deutschen Bundesanleihen Mitte Oktober auf rund 171 bis 175 Basispunkte. So hoch lag er zuletzt vor etwa 15 Jahren. Die Rendite französischer Anleihen stieg auf 5,14 Prozent und lag damit sogar über jener zehnjähriger US-Staatspapiere, die bei 5,03 Prozent notierten.

Yannik Mosbach, Analyst beim Bankhaus Metzler, bringt dies mit der politischen Situation in Verbindung. Die Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr und der Wahl der Nationalversammlung im Juni dürfte seiner Einschätzung nach mit einer erhöhten Risikoprämie einhergehen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde dämpfte am 14. Oktober in Bangkok dennoch Spekulationen über ein Eingreifen der Notenbank. „Es gibt besondere Umstände, die dazu führen, dass einige Länder stärker betroffen sind - Frankreich ist hierfür ein Beispiel“, sagte sie in einem Interview. Die Lösung sieht sie in Paris: „Die erste und wichtigste Lösung liegt im eigenen Land, in Frankreich.“

Was die EZB mit dem Transmission Protection Instrument tun könnte

Für den Ernstfall verfügt die EZB mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) über ein Werkzeug, mit dem sie unbegrenzt Staatsanleihen eines einzelnen Euro-Landes kaufen könnte. Voraussetzung wäre jedoch, dass sich die Finanzierungsbedingungen ungerechtfertigt verschärfen und die Märkte ungeordnet reagieren. Eine Intervention stellte Lagarde zuletzt nicht in Aussicht.

Was der EZB-Zinsentscheid für Berater und Anleger bedeutet

Für Vermittler und ihre Kunden ist der Kurswechsel längst in den Konditionen angekommen. Laut Vergleichsportalen lagen die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen im Oktober, abhängig vom Anbieter, bei etwa 4,4 bis 5,0 Prozent. Vor den beiden Erhöhungen im Sommer lagen die Bauzinsen spürbar niedriger. Auch bei Tagesgeld und Anleihen haben sich die Konditionen seit der Zinswende verändert.

Offen bleibt, wie es nach dem EZB-Zinsentscheid weitergeht. Die Prognosen zum Zinsgipfel reichen von 2,75 bis 3,00 Prozent, einen festgelegten Zinspfad gibt es nicht.

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