Finanzkompetenz: Deutschland hinter Österreich – Schule hinterlässt erhebliche Lücken

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Finanzbildung
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Deutschland erreicht bei Finanzkompetenz Platz sechs. Zugleich fordern viele Befragte mehr Finanzbildung an Schulen.

Deutschland erreicht in einer internationalen Studie zur Finanzkompetenz gemeinsam mit Belgien Platz sechs. Gleichzeitig sehen viele Deutsche deutliche Defizite bei der schulischen Finanzbildung. Auffällig ist zudem, welche Rolle KI inzwischen beim Thema Geld spielt.

Deutschland gehört bei der Finanzkompetenz zu den weltweit am besten abschneidenden Ländern. In einer Studie des digitalen Finanzdienstleisters Remitly erreicht Deutschland gemeinsam mit Belgien Platz sechs. Die Befragten beantworteten im Durchschnitt 81,8 Prozent der Fragen richtig.

Für die Untersuchung befragte Remitly mehr als 5.000 Menschen in 27 Ländern. Geprüft wurden Kenntnisse in sechs Bereichen: Zinssätze, Zinseszinsen, Inflation, Währungsumrechnung, Geldanlage und Kryptowährungen. Das zugrunde liegende Rahmenwerk orientiert sich nach Angaben des Unternehmens an einer Studie der Weltbank zur Finanzkompetenz und berücksichtigt Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen.

An der Spitze des Rankings steht Tschechien mit 90,9 Prozent richtigen Antworten. Dahinter folgen die Niederlande mit 86,1 Prozent und Norwegen mit 84,3 Prozent. Finnland erreicht mit 82,6 Prozent Platz vier, Österreich mit 82,0 Prozent Platz fünf. Schweden, Ungarn und das Vereinigte Königreich komplettieren hinter Deutschland und Belgien die ersten zehn Plätze.


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Finanzkompetenz in Deutschland: KI gewinnt an Bedeutung

Österreich liegt damit knapp vor Deutschland. Die österreichischen Teilnehmer erzielten in allen sechs untersuchten Themenbereichen Werte über dem weltweiten Durchschnitt. Gleichzeitig greifen sie vergleichsweise häufig auf das persönliche Umfeld zurück: 34,1 Prozent wenden sich bei finanziellen Fragen bevorzugt an Freunde oder Familie.

Deutschland fällt dagegen durch die vergleichsweise intensive Nutzung künstlicher Intelligenz auf. 55 Prozent der Befragten haben laut Studie bereits ein KI-Tool für Finanzberatung genutzt. 27 Prozent nennen KI-Anwendungen als Quelle für ihr Finanzwissen. 19,5 Prozent würden KI stärker vertrauen als anderen Informationsquellen. Nur in Japan liegt dieser Vertrauenswert höher.

Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist in Deutschland vergleichsweise ausgeprägt. 19 Prozent der Befragten schätzen sich als äußerst sicher im täglichen Umgang mit Geld ein. In Österreich sind es 18,7 Prozent.

Mehrheit fordert mehr Finanzbildung an Schulen

Trotz des guten Abschneidens sehen viele Deutsche Defizite bei der schulischen Vermittlung von Finanzwissen. 74 Prozent geben an, dass ihnen die Schule nicht genügend Kenntnisse für den Umgang mit Geld vermittelt habe. 90,5 Prozent sprechen sich dafür aus, Finanzbildung für Kinder im schulpflichtigen Alter verpflichtend zu machen.

Das Problem zeigt sich laut Studie weltweit. Im Durchschnitt erklären 70,5 Prozent der Befragten, in der Schule nicht ausreichend auf finanzielle Entscheidungen im Erwachsenenleben vorbereitet worden zu sein. Besonders hoch ist dieser Anteil in Japan, Portugal und Italien mit jeweils mehr als 80 Prozent. Weltweit befürworten 93,6 Prozent eine verpflichtende Finanzbildung für Schulkinder.

Als größte Lücke im Unterricht nennen 75,1 Prozent Sparen und Budgetplanung. Danach folgen Steuern mit 55,2 Prozent, Geldanlagen mit 53,9 Prozent, Kredite und Kreditkarten mit 48,4 Prozent sowie Hypotheken mit 29,7 Prozent.

Länder mit dem größten Finanzwissen

RangLandAnteil der richtigen Antworten (in Prozent)
1.Tschechische Republik90,9
2.Niederlande86,1
3.Norwegen84,3
4.Finnland82,6
5.Österreich82,0
6.Belgien81,8
6.Deutschland81,8
8.Schweden81,6
9.Ungarn81,3
10.Vereinigtes Königreich79,9
11.Australien79,5
12.Polen79,4
13.Japan78,8
13.Neuseeland78,8
15.Spanien78,6
16.Portugal78,1
17.Frankreich77,5
18.Griechenland76,6
19.Brasilien76,4
20.Chile75,8
21.Irland75,6
22.Kanada75,5
23.Italien75,0
24.Mexiko74,0
25.USA72,0
26.VAE70,8
27.Südafrika69,4

Online-Angebote schließen die Wissenslücke

Viele Befragte versuchen, fehlendes Wissen eigenständig aufzubauen. Weltweit geben 82,9 Prozent an, sich online über Finanzthemen informiert zu haben. KI spielt dabei bereits eine wichtige Rolle: 51,7 Prozent haben im vergangenen Jahr ein KI-Tool wie ChatGPT für Finanzberatung genutzt. 21,5 Prozent erklären, über KI-Anwendungen am meisten über Geld gelernt zu haben.

Martyn Saville, Global Consumer Protection Manager bei Remitly, sieht darin Chancen, verweist aber zugleich auf Risiken: „Was bei dieser Studie am meisten auffällt, ist, wie groß die Bildungslücke zu Finanzthemen ist. Rund 70 % der Befragten geben an, dass ihnen in der Schule nicht genügend über den Umgang mit Geld beigebracht wurde, sei es die tägliche Budgetplanung oder größere Entscheidungen wie Hypotheken und Geldanlagen. Das sind alles wichtige Fähigkeiten fürs Leben.“

Bei Informationen von sogenannten Finfluencern sei insbesondere die Quelle zu prüfen. Saville rät dazu, darauf zu achten, wer die Anbieter bezahlt und welche Qualifikation sie für Finanzthemen besitzen. Als Alternativen nennt er gemeinnützige Beratungsstellen, staatliche Angebote und andere seriöse Informationsquellen.

Die vollständigen Ergebnisse finden Sie bitte hier: https://www.remitly.com/de/de/money-transfer/global-financial-literacy-rates 


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