Finanzwissen auf TikTok: Viele Tipps, wenig Transparenz

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Foto: ChatGPT
Eine Analyse von 150 FinTok-Videos zeigt Risiken, Werbung und Kriterien für verlässliche Finanzinformationen.

TikTok wird für viele junge Erwachsene zur ersten Anlaufstelle bei Finanzfragen. Doch zwischen verständlichen Erklärungen, Werbung und riskanten Versprechen verschwimmen die Grenzen. Eine Analyse von 150 FinTok-Videos zeigt, woran Nutzer zweifelhafte Ratschläge erkennen können.

Immer mehr Menschen eignen sich Finanzwissen über soziale Medien an. Kurze Videos erklären den Zinseszinseffekt, zeigen Möglichkeiten zum Schuldenabbau oder geben Tipps für den Einstieg in die Geldanlage. Damit erreichen sie auch Nutzer, die in Schule oder Elternhaus kaum mit Finanzthemen in Berührung gekommen sind.

Das Format hat jedoch Grenzen. Komplexe Zusammenhänge lassen sich selten in wenigen Sekunden angemessen erklären. Zugleich belohnen die Plattformen Beiträge, die Aufmerksamkeit, Kommentare und Reichweite erzeugen. Selbstbewusste Prognosen, einfache Erfolgsrezepte und Bilder vermeintlicher Gewinne verbreiten sich deshalb häufig schneller als ausgewogene Analysen.


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Für eine Untersuchung von BrokerListings.com wurden 150 TikTok-Videos mit Finanzbezug ausgewertet. Sie waren innerhalb eines Jahres erschienen und hatten jeweils mindestens 100.000 Aufrufe. Geprüft wurden die fachliche Richtigkeit, Angaben zur Qualifikation der Creator sowie die Offenlegung geschäftlicher Interessen.

FinTok-Analyse zeigt fehlende Transparenz

Bei 74 Prozent der Videos machten die Creator keine klaren Angaben zu einer Ausbildung oder beruflichen Qualifikation im Finanzbereich. Viele präsentierten sich lediglich als autodidaktische Anleger oder Unternehmer. Das bedeutet nicht automatisch, dass ihre Aussagen falsch sind. Für Zuschauer wird es dadurch aber schwieriger, die fachliche Grundlage einzuordnen.

In 68 Prozent der untersuchten Videos standen mögliche Gewinne im Vordergrund, während Verlustrisiken, Kursschwankungen oder Misserfolgsquoten kaum vorkamen. Zudem enthielten 61 Prozent Hinweise auf Broker, Produkte, Affiliate-Links, Kurse oder kostenpflichtige Angebote.

Bei 53 Prozent dieser werblichen Inhalte fehlte eine klare und gut sichtbare Kennzeichnung kommerzieller Interessen. Bildung und Vermarktung gehen damit häufig ineinander über. Gerade unerfahrene Nutzer können nur schwer erkennen, ob eine Empfehlung aus Überzeugung erfolgt oder vor allem Provisionen einbringen soll.

Passive Einkommen und schnelle Gewinne

Zu den verbreiteten FinTok-Erzählungen gehört das passive Einkommen ohne großen Aufwand. Dividenden, digitale Produkte oder automatisierte Onlineshops können zwar Einnahmen erzeugen. Ihr Aufbau verlangt jedoch meist erhebliches Kapital, viel Vorarbeit oder beides. Ausschüttungen sind zudem weder sicher noch unabhängig von Unternehmensgewinnen und Marktentwicklungen.

Ähnlich problematisch sind vermeintlich sichere Aktientipps und Prognosen zur nächsten Kursrakete. Kurzvideos lassen Risikomanagement, Diversifikation und langfristige Finanzplanung häufig außen vor. Spekulative Ideen können dadurch wie belastbare Anlageempfehlungen wirken. Bei Kryptowährungen kommt die hohe Volatilität hinzu.

Auch Berichte über lukrative Nebentätigkeiten zeigen meist nur die erfolgreichen Fälle. Marketingkosten, Zeitaufwand und gescheiterte Projekte bleiben unsichtbar. Viral werden vor allem außergewöhnliche Einnahmen – nicht die zahlreichen Versuche, die keinen Gewinn abwerfen.

Das Geschäft hinter den Finanzvideos

Finanzinhalte können für reichweitenstarke Creator ein einträgliches Geschäftsmodell sein. Einnahmen entstehen über Affiliate-Partnerschaften, bezahlte Werbung, Kurse, Coaching, Newsletter und kostenpflichtige Communitys. Der wirtschaftliche Erfolg hängt damit teilweise stärker von Reichweite und Produktverkäufen ab als von der Qualität der vorgestellten Anlagestrategien.

Auch die Aufsichtsbehörden reagieren. Die US-Börsenaufsicht leitete bereits Verfahren wegen nicht offengelegter Werbung in sozialen Medien ein. Die britische Finanzaufsicht warnt vor unerlaubter Finanzwerbung, während die australische Wertpapieraufsicht rechtliche Konsequenzen für nicht lizenzierte Anlageberatung in Aussicht stellt.

Nutzer sollten deshalb Qualifikation, Quellen und finanzielle Interessen eines Creators prüfen. Seriöse Finanzbildung stellt Chancen und Risiken gegenüber und vermeidet Garantien. Vor größeren Anlageentscheidungen sollten Aussagen mit Informationen von Aufsichtsbehörden, unabhängigen Forschungseinrichtungen oder qualifizierten Finanzexperten abgeglichen werden.

Die Autoren: Christian Harris, Tobias Robinson und James Barra


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