Kaum eine Technologie ist derzeit so eng mit dem globalen Wettbewerb um Künstliche Intelligenz verknüpft wie die EUV-Lithografiesysteme (Extreme Ultraviolet) des niederländischen Unternehmens Asml. Die Anlagen gelten als unverzichtbar für die Produktion modernster Hochleistungschips, wie sie unter anderem Nvidia und Apple benötigen. Weltweit ist Asml der einzige Hersteller dieser Technologie.
Neue Brisanz erhält das Thema durch Vorwürfe aus Washington. US-Handelsminister Howard Lutnick soll gegenüber Asml die Sorge geäußert haben, dass trotz jahrelanger Exportbeschränkungen eine EUV-Maschine nach China gelangt sein könnte. Konkrete Belege wurden bislang weder öffentlich noch gegenüber dem Unternehmen vorgelegt.
Asml weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Nach Angaben des Unternehmens wurde weder eine EUV-Anlage noch ein speziell für diese Systeme entwickeltes Bauteil nach China geliefert. Die Vorwürfe seien unbegründet und schadeten dem Unternehmen.
Warum ein unbemerkter Export als unwahrscheinlich gilt
Branchenexperten halten einen heimlichen Export einer vollständigen EUV-Anlage für äußerst unwahrscheinlich. Die Maschinen wiegen rund 180 Tonnen, haben die Größe eines Schulbusses und bestehen aus mehr als 100.000 Einzelteilen. Zudem sind sie auf regelmäßige Wartung durch Asml angewiesen, sodass ihre Standorte dem Hersteller bekannt sind.
Sollten US-Behörden tatsächlich über entsprechende Hinweise verfügen, könnten sich diese nach Einschätzung von Experten eher auf einzelne Komponenten oder alternative Lieferketten beziehen als auf eine komplette EUV-Anlage.
Zusätzliche Spekulationen lösen Berichte aus, wonach China bei der Entwicklung eigener EUV-Technologie Fortschritte erzielt haben soll. Belastbare Hinweise auf eine serienreife Alternative zu den Systemen von Asml gibt es bislang jedoch nicht. Fachleute gehen davon aus, dass zwischen ersten Prototypen und einer industriellen Fertigung noch erhebliche technologische Hürden liegen.
Exportkontrollen werden zum Wettbewerbsfaktor
China hat bereits gezeigt, dass sich mit älteren DUV-Lithografiemaschinen und aufwendigen Mehrfachbelichtungsverfahren leistungsfähige Chips herstellen lassen. Diese Entwicklung erhöht den politischen Druck in den USA, bestehende Exportkontrollen weiter zu verschärfen und zusätzliche Beschränkungen zu prüfen.
Der Konflikt reicht damit weit über Asml hinaus. Washington drängt seine Verbündeten, auch ältere Lithografieanlagen sowie Wartungsleistungen stärker einzuschränken, um Chinas Fortschritte bei Hochleistungs- und KI-Chips zu bremsen. Die Niederlande geraten dadurch zunehmend zwischen die wirtschaftlichen Interessen ihres wichtigsten Technologieunternehmens und die sicherheitspolitischen Forderungen der USA.
Für Anleger unterstreicht der Fall die wachsende Bedeutung geopolitischer Risiken für die Halbleiterbranche. Exportkontrollen, Industriepolitik und internationale Spannungen beeinflussen die Bewertung von Chipunternehmen inzwischen ebenso stark wie technologische Innovationen oder Geschäftszahlen. Damit entwickelt sich der geopolitische Wettbewerb zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für den globalen KI- und Halbleitermarkt.
















