Aber: Ein Wechsel in die PKV ist an gesetzliche Hürden geknüpft. Für Angestellte gilt die Versicherungspflichtgrenze, im Amtsdeutsch Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt. Bis zu dieser Einkommensgrenze ist für Angestellte eine Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung verpflichtend. Nur wer mehr als 77.400 Euro brutto pro Jahr verdient, darf bis Ende 2026 in die PKV wechseln. Dann soll diese Schwelle für 2027 nach den Regierungsplänen weiter steigen: Die Gesundheitsreform sieht vor, die JAEG auf 81.000 Euro im Jahr zu erhöhen. „Der Kreis der gesetzlich-versicherten Angestellten, die in die PKV wechseln dürfen, dürfte somit kleiner werden“, erwartet Krankenversicherungsexperte Telaar. Selbstständige, Freiberufler und Beamte dürfen hingegen wohl weiterhin unabhängig von dieser Verdienstgrenze einer PKV beitreten.
Neben dem Einkommen ist der Gesundheitszustand die zweite große Hürde. Die PKV kalkuliert ihre Beiträge nach dem individuellen Risiko. Vor dem Vertragsabschluss findet daher eine Gesundheitsprüfung statt. Bestehende chronische Erkrankungen oder schwerwiegende Vorerkrankungen führen häufig zu Risikozuschlägen oder können im Extremfall sogar zur Ablehnung führen.
Finanzielle Aspekte und die Kostenentwicklung im Alter
„Für Personen, die keinen Aufschlag zahlen müssen, ist die PKV aber häufig günstiger als die GKV. Da die Beiträge in der GKV prozentual vom Einkommen berechnet werden, zahlen Gutverdiener 2026 inklusive Pflegeversicherung oftmals mehr als 1.000 Euro Beitrag monatlich“, so Telaar. Die Beiträge für eine private Krankenversicherung können bei identischem oder sogar höherem Leistungsniveau einige hundert Euro im Monat darunter liegen.
Ob sich diese Ersparnis langfristig auszahlt, hängt auch von den individuellen Lebensumständen ab. Beispielsweise gibt es in der PKV keine beitragsfreie Familienversicherung. Ehepartner ohne Einkommen und Kinder müssen jeweils separat versichert werden, was die Gesamtkosten für eine Familie deutlich erhöhen kann. Auch altersbedingt zunehmende Gesundheitsrisiken innerhalb der jeweiligen Tarifgruppe des PKV-Anbieters können die Beiträge im Alter steigen lassen. Um diesen Anstieg zu bremsen, werden zehn Prozent zur Beitragsstabilisierung im Alter zurückgelegt. Dennoch sind Beitragserhöhungen nahezu unumgänglich. „Um den Lebensstandard im Alter zu halten, sollten idealerweise möglichst frühzeitig zusätzliche Rücklagen für steigende PKV-Beiträge im Alter geschaffen werden“, rät Experte Telaar.
Schwierige Rückkehr in die gesetzliche Kasse
Wichtig für wechselwillige gesetzlich Versicherte: Ein Systemwechsel in die PKV sollte als dauerhafte Entscheidung begriffen werden. Der Gesetzgeber hat den Rückweg in die GKV bewusst erschwert. Angestellte können nur zurückkehren, wenn ihr Einkommen dauerhaft unter die Versicherungspflichtgrenze fällt, etwa durch einen Wechsel in Teilzeit. Selbstständige müssen ihre Tätigkeit meist komplett aufgeben und eine versicherungspflichtige Anstellung annehmen. Besonders strikt ist die Regelung für Personen über 55 Jahre. Ab diesem Alter ist eine Rückkehr in die GKV besonders schwierig.
Zusammenfassende Bewertung für die Entscheidungsfindung
Die PKV ist kein Instrument zur kurzfristigen Kostenoptimierung, sondern eine Entscheidung für ein langfristig anderes System der Gesundheitsversorgung. Angesichts der demografischen Herausforderungen und der steigenden Belastungen in der GKV bietet sie Schutz vor Leistungskürzungen, erfordert aber auch Eigenverantwortung und eine solide finanzielle Vorsorge. Dann kann sich ein Wechsel in die PKV aber auf Dauer auszahlen.
Autor Carsten Telaar ist Krankenversicherungsexperte (DMA) der Laureus AG Privat Finanz.












