Gold-Comeback? Analysten sehen das Edelmetall bis Jahresende wieder über 5.000 US-Dollar

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Kommt Gold fulminant zurück und knackt 5.000 US-Dollar?

Gold hat zuletzt nachgegeben, doch State Street Investment Management sieht den Aufwärtstrend noch nicht gebrochen. Trotz höherer Ölpreise, wachsender Inflationssorgen und fester Zinserwartungen hält das Haus Kurse von mehr als 5.000 US-Dollar je Unze bis Jahresende weiter für erreichbar. Entscheidend ist nun, welche Kräfte sich durchsetzen.

Der Goldpreis steht derzeit in einem Spannungsfeld, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Einerseits belasten hohe Ölpreise, steigende Inflationserwartungen und ein schwierigeres Zinsumfeld das Edelmetall. Andererseits halten große Marktteilnehmer weiterhin an einem positiven Langfristbild fest. Genau diese Mischung macht die aktuelle Lage so interessant. Denn obwohl Gold zuletzt korrigierte und unterhalb der Marke von 4.800 US-Dollar je Unze konsolidiert, sieht State Street Investment Management nach wie vor einen realistischen Weg zu Notierungen über 5.000 US-Dollar bis zum Jahresende.

Im Mittelpunkt der aktuellen Einschätzung steht die Frage, ob die jüngste Schwäche des Goldpreises lediglich eine Zwischenphase in einem intakten Aufwärtstrend ist oder auf eine grundlegend veränderte Marktstruktur hindeutet. Die Rohstoffanalysten von State Street Investment Management tendieren klar zur ersten Lesart. Sie bleiben für Gold positiv gestimmt und sehen für den Rest des Jahres eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass sich der Preis in einer Spanne zwischen 4.750 und 5.500 US-Dollar je Unze bewegt.


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Gleichzeitig hat das Haus seine besonders optimistische Einschätzung etwas zurückgenommen. Die Wahrscheinlichkeit für ein bullisches Szenario mit einer Handelsspanne von 5.500 bis 6.250 US-Dollar je Unze wurde von 35% auf 30% reduziert. Dennoch gehen die Analysten davon aus, dass der Markt im Bereich von 4.000 bis 4.100 US-Dollar eine tragfähige Untergrenze besitzt. Darüber hinaus halten sie es für möglich, dass die bisherigen Allzeithochs bis 2027 erneut getestet werden. Dem bärischeren Szenario einer Spanne von 4.000 bis 4.750 US-Dollar, in der der Handel Ende März schloss, weisen sie aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 20% zu.

Goldpreis unter Druck durch Öl, Inflation und Zinserwartungen

Für die jüngste Korrektur des Goldpreises liefert State Street eine klare Erklärung. Die Analysten sehen den Rückgang im März und die laufende Konsolidierung nicht als überraschend an, weil sich die Stimmung an den globalen Finanzmärkten mit dem gemeinsamen Krieg der USA und Israels gegen Iran deutlich verändert hat. Besonders stark wirkte sich das auf die Zinserwartungen in den USA aus.

Zu Jahresbeginn habe der Markt noch mit Zinssenkungen der US-Notenbank im Umfang von 58 Basispunkten für dieses Jahr gerechnet. Die Verwerfungen im Nahen Osten und die dadurch ausgelösten Lieferkettenprobleme im Energiesektor hätten diese Erwartungen jedoch massiv verschoben, hieß es. Zwischen Mitte und Ende März lag die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed in diesem Jahr sogar die Zinsen anheben könnte, zeitweise bei mehr als 60%.

Inzwischen zeigt das CME FedWatch Tool eine Wahrscheinlichkeit von 71%, dass die Zinsen bis zum Jahresende auf dem aktuellen Niveau bleiben. Für den Goldpreis ist das ein relevanter Belastungsfaktor, denn höhere reale Renditen und eine restriktivere Geldpolitik erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten eines unverzinslichen Vermögenswerts wie Gold. Dennoch bewertet State Street die aktuelle Marktreaktion als vergleichsweise robust.

State Street sieht strukturelle Treiber für Gold weiter intakt

Trotz des schwierigen kurzfristigen Umfelds mahnt State Street Investment Management dazu, den Blick nicht zu stark auf die kurzfristigen Zinsbewegungen zu verengen. Nach Einschätzung der Analysten war die Korrektur im März in erster Linie Folge einer Neubewertung der Fed-Politik und höherer Realrenditen, die wiederum den US-Dollar stützten. Sie sehen darin jedoch keinen Bruch der übergeordneten Nachfragethese für Gold.

Diese langfristige These beruht aus Sicht des Hauses vor allem auf Sorgen vor Währungsentwertung und einer stärkeren Allokation in alternative Wertspeicher. Anleger sollten deshalb vorsichtig sein, zyklische Belastungen wie die vorübergehend gestiegenen Opportunitätskosten des Goldhaltens gegen strukturelle Faktoren auszuspielen, die nach Meinung der Analysten weiterhin überwiegend für Gold sprechen.

Ein zentrales Risiko bleibt allerdings der Ölpreis. State Street bezeichnet die Lage als zweischneidig. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verlängern und der Brent-Preis über 150 US-Dollar pro Barrel steigen, könnte das den Goldpreis über den Kanal von US-Dollar und Fed zunächst belasten. Zugleich würde ein solcher Energieschock aber auch die Gefahr einer Rezession oder Stagflation deutlich erhöhen. Umgekehrt könnte eine Normalisierung des Ölpreises in Richtung 80 bis 85 US-Dollar pro Barrel nach Einschätzung der Analysten Gold relativ schnell wieder über die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze heben.

Schulden und Fiskalrisiken bleiben ein starkes Argument für Gold

Neben der US-Geldpolitik nennt State Street einen weiteren langfristigen Treiber für den Goldpreis: den anhaltenden Anstieg der Staatsverschuldung. Unter Verweis auf Schätzungen des Congressional Budget Office rechnen die Analysten damit, dass die Nettozinszahlungen auf die US-Bundesschulden in diesem Jahr erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten werden. Doch die USA stehen mit diesem Problem nicht allein da.

Weltweit ist die Verschuldung nach Angaben von State Street auf den Rekordwert von rund 348 Billionen US-Dollar gestiegen. Das entspricht etwa dem Drei- bis Vierfachen des globalen Bruttoinlandsprodukts. Besonders stark wuchs die Verschuldung im staatlichen und nicht im privaten Sektor. Für die Analysten deutet das auf tief verankerte fiskalische Belastungen hin, die das Risiko langfristiger Währungsentwertung erhöhen.

Genau in diesem Umfeld sieht State Street den strategischen Platz von Gold. Steigende Defizite, höhere Kriegsausgaben, wachsende Zinslasten und sinkende Staatseinnahmen verstärken nach dieser Sichtweise einen makroökonomischen Hintergrund, der historisch häufig zu einer stärkeren Goldnachfrage geführt hat. Unter dem Strich ergibt sich damit ein Marktbild, in dem kurzfristige Gegenwinde zwar real sind, die strukturellen Kräfte zugunsten des Edelmetalls aber weiterhin Bestand haben.

Autor Björn Junker ist Chefredakteur von Goldinvest.de und seit über 15 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig.

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