Der kräftige Rückgang des Goldpreises im Juni hat das Kaufinteresse deutscher Privatanleger deutlich belebt. Nach Angaben des Edelmetall-Handelsplatzes BullionVault stieg die Zahl der Käufer in Deutschland gegenüber dem Vormonat um 17,9 Prozent. Gleichzeitig nahm jedoch auch die Zahl der Verkäufer um 59,8 Prozent gegenüber dem Zehnmonatstief im Mai zu.
Der durchschnittliche Goldpreis sank im Juni gegenüber Mai um 6,3 Prozent auf 3.680 Euro je Feinunze. Das war der stärkste monatliche Rückgang in Euro seit Juni 2013. Gegenüber dem Rekordhoch vom Februar lag der Preis zuletzt 13,3 Prozent niedriger. Damit fiel Gold innerhalb von vier Monaten so stark wie zuletzt während des Preissturzes im Frühjahr 2013.
Vor allem neue Anleger nutzten die niedrigeren Kurse für einen Einstieg. Weltweit stieg die Zahl der Erstkäufer von Edelmetallen auf BullionVault um 10,9 Prozent gegenüber Mai und erreichte den zweithöchsten Juni-Wert in der 22-jährigen Unternehmensgeschichte.
Goldpreis-Rückgang verändert Anlegerverhalten
Der Gold-Investor-Index Deutschland, der das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern misst, erhöhte sich leicht um 0,3 Punkte auf 58,6. Ein Wert von 50 signalisiert ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Käufern und Verkäufern. Der aktuelle Wert liegt damit über dem langfristigen Durchschnitt und markiert den höchsten Stand seit dem Corona-Höchstwert im März.
Nach Einschätzung von Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault, reagieren Anleger unterschiedlich auf die Korrektur. „Bei einigen Goldanlegern hat sich die Angst, etwas zu verpassen, von der Jagd nach höheren Kursen hin zum Ausstieg gewandelt, für den Fall, dass die Preise weiter fallen.“
Gleichzeitig beobachtet Ash eine anhaltend hohe Kaufbereitschaft. „Diesen Verkäufen stehen jedoch Schnäppchenjagden sowohl von langfristigen als auch von neuen Goldanlegern gegenüber. Die Stimmung ist insgesamt sehr positiv und liegt über dem historischen Durchschnitt.“
Auffällig ist, dass insbesondere Anleger verkauften, die ihre ersten Goldkäufe erst in den Jahren 2025 oder 2026 getätigt hatten. Sie stellten 30,7 Prozent aller Verkäufer, obwohl ihr Anteil an den Goldbesitzern lediglich 24,1 Prozent betrug. Damit war ihre Verkaufswahrscheinlichkeit rund ein Drittel höher als bei Anlegern, die bereits seit vielen Jahren Gold halten.
Langfristige Investoren bleiben gelassen
Ash sieht darin eine typische Reaktion neuer Marktteilnehmer auf eine stärkere Korrektur. „Nach dem Einstieg in einen derart dramatischen Bullenmarkt ist es nur natürlich, dass neu hinzugekommene Anleger bei nachgebenden Preisen nervös werden. Doch die anhaltende Stärke bei neuen Goldinvestments deutet darauf hin, dass der Anstieg zum Jahreswechsel nicht einfach nur eine durch die Dynamik getriebene Manie war. Die Preise fielen zwischen März und Juni stark, dennoch gehörte das zweite Quartal 2026 bei den Kontoeröffnungen neuer deutscher Anleger bei BullionVault zum obersten Dezil.“
Trotz der gestiegenen Verkaufsaktivität reduzierten die Nutzer von BullionVault ihre Goldbestände weltweit nur geringfügig. Insgesamt sanken die Bestände gegenüber Mai um 16 Kilogramm beziehungsweise 0,04 Prozent auf 43,6 Tonnen. Der Wert dieses vollständig versicherten und gesicherten Goldes beläuft sich auf rund 4,9 Milliarden Euro.














