Goldpreis zwischen Trend und Ausbruch: Wohin geht die Reise im Juni?

Das Silver Institute erwartet für 2026 weiterhin ein strukturelles Defizit am Silbermarkt von 46,3 Millionen Unzen. Grundlage dieser Prognose ist die Annahme, dass die industrielle Nachfrage lediglich moderat um 3 % auf 639,6 Millionen Unzen zurückgehen wird, während die physische Investmentnachfrage nach Münzen und Barren trotz Rezessionssorgen nochmals kräftig um 18 % auf 257,6 Millionen Unzen steigen soll. Damit soll der Markt bereits das sechste Jahr in Folge ein Defizit aufweisen, so das Silver Institute. Immerhin rechnet man bei den ETF-Produkten mit deutlich niedrigeren Zuflüssen von nur noch 30 Mio. Unzen nach 278,1 Mio. Unzen im Vorjahr.

Diese Defizitrechnung wird jedoch häufig kritisch betrachtet, da die Investmentnachfrage nach ETF-Produkten und Münzen und Barren keinen endgültigen Verbrauch darstellt. Dieses Silber verschwindet nicht aus dem Markt, sondern wird lediglich auf Halde gelegt und kann bei fallenden Preisen oder einem bärischen Sentiment jederzeit wieder als Angebot auf den Markt kommen. Für eine realistische Einschätzung des tatsächlichen physischen Verbrauchs sollte man daher die Investmentnachfrage zumindest separat betrachten und nicht mit dem industriellem Verbrauch gleichsetzen.

Insgesamt soll die weltweite Silbernachfrage laut World Silver Survey 2026 lediglich um 2 % auf 1,112 Milliarden Unzen sinken. Gleichzeitig soll die Minenproduktion mit 844,1 Millionen Unzen nahezu stabil bleiben, während das Recyclingangebot aufgrund der hohen Preise um 7 % auf 211,3 Millionen Unzen ansteigen soll. Trotz steigender Recyclingmengen erwartet das Silver Institute damit weiterhin eine strukturelle Unterversorgung des Marktes.

Diese Prognose erscheint jedoch optimistisch und blendet die Risiken einer möglichen Rezession weitgehend aus. Besonders die industrielle Nachfrage aus konjunktursensiblen Bereichen wie Elektronik, Photovoltaik, Automobilindustrie und Löttechnik dürfte in einer Rezession deutlich unter Druck geraten. Ein stärkerer Rückgang der industriellen Nachfrage würde das erwartete Defizit schnell eliminieren.

Auch die Annahmen zur privaten Investmentnachfrage wirken fragwürdig. Das Silver Institute begründet seinen Optimismus mit der außergewöhnlich starken Nachfrage zu Beginn des Jahres 2026, als Produktengpässe, steigende Aufgelder und massive Käufe privater Anleger zeitweise zu Liquiditätsengpässen am physischen Markt führten. Allerdings ist die Investmentnachfrage nach Münzen und Barren keineswegs dauerhaft stabil, sondern schwankt stark mit der Marktstimmung, Liquidität und der Preisentwicklung. Nach zwei bereits sehr starken Jahren dürfte der Retailmarkt in vielen Regionen zunehmend gesättigt sein, während hohe oder sogar weiter steigende Realzinsen die Edelmetalle zusätzlich belasten.

Sollte es tatsächlich zu einer Rezession kommen und gleichzeitig die Geldpolitik restriktiv bleiben, könnten sowohl die industrielle Nachfrage als auch die private Investmentnachfrage gleichzeitig unter Druck geraten. In diesem Fall würde sich das aktuell erwartete Defizit sehr schnell in ein Überangebot verwandeln. Genau dieses kombinierte Szenario aus konjunktureller Schwäche, sinkender Industrieproduktion und nachlassender Investmentnachfrage scheint die aktuelle Prognose des Silver Institute weitgehend auszublenden. Es bleibt daher wichtig, die Entwicklung der Zinsen, der Wirtschaft und des Aktienmarktes, sowie die Reaktion der Geldpolitik darauf genau zu verfolgen.

Goldminenaktien profitieren massiv vom Goldpreisanstieg

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