Der erste große US-Goldminen-ETF, der VanEck Gold Miners ETF (GDX), feierte im Mai sein 20-jähriges Bestehen. Während Gold bei der Auflage des ETFs im Jahr 2006 noch bei rund 650 US-Dollar je Feinunze handelte, notiert der Goldpreis heute bei über 4.500 US-Dollar. Trotz dieser enormen Rally sind Goldminenaktien im historischen Vergleich noch immer günstig bewertet. Tatsächlich befindet sich der Minensektor derzeit in seiner stärksten Gewinnphase seit dem letzten großen Goldbullenmarkt.
Die großen Produzenten profitieren massiv vom hohen Goldpreis. Die Bewertungen vieler Minenunternehmen bleiben trotz der starken Kursanstiege bisher vergleichsweise niedrig. Laut VanEck liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der größten GDX-Positionen aktuell nur bei rund 20 und damit auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens zehn Jahren. Viele Produzenten handeln trotz Rekordgewinnen lediglich zu niedrigen einstelligen oder mittleren KGVs.
Der Hintergrund hierfür liegt in der starken operativen Hebelwirkung des Sektors. Goldminen weisen hohe Fixkosten auf. Steigt der Goldpreis, fließt der Großteil des zusätzlichen Umsatzes direkt in den Gewinn. Während vor wenigen Jahren bei Goldpreisen um 1.800 US-Dollar nur Margen von wenigen Hundert Dollar je Unze erzielt wurden, liegen die Cash-Margen heute teilweise bei über 2.500 US-Dollar je Unze. Entsprechend stark reagierten zuletzt die Gewinne der Produzenten auf den Goldpreisanstieg.
Historisch tendieren Goldminenaktien dazu, dem Goldpreis in späten Phasen eines Bullenmarktes zunächst deutlich hinterherzulaufen, bevor es zu einer spekulativen Aufholbewegung und Outperformance kommt. Genau dies sehen wir aktuell auch an den klassischen Goldminenindizes HUI und XAU. Beide Indizes konnten sich zwar stark erholen, notieren inflationsbereinigt bzw. im Vergleich zum Goldpreis noch immer deutlich unter ihren Hochs aus den Jahren 2006 bis 2011. Folgender Chart zeigt, dass die Goldminenaktien noch einmal um das Dreifache ansteigen könnten, um zum Goldpreis ein ähnliches Bewertungsniveau zu erreichen wie in 2011.
Goldminenaktien bleiben jedoch zyklische Aktien und sollten sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben, die Realzinsen hoch bleiben oder der Goldpreis stärker korrigieren, dürften auch die Minenaktien erheblich unter Druck geraten. Ein Einbruch am Standardaktienmarkt würde auch die Goldminenaktien kurzfristig mit nach unten reißen. Dies böte dann erneute Kaufchancen bei den Minenaktien, die kurzzeitig überproportional unter die Räder kommen könnten.
Aktuell sehen wir beim HUI-Goldminenindex eine hochspannende charttechnische Situation. Nachdem der Index im Hoch nahezu die Marke von 1.000 Punkten erreicht hatte, kam es zu einer scharfen Korrektur bis auf rund 680 Punkte. In den vergangenen Wochen hat sich der HUI nun zunehmend eingekeilt, sodass sich die Frage stellt, ob sich hier eine übergeordnete Bull-Flag ausbildet, die sich letztlich nach oben auflösen könnte. Nur wenn der Goldpreis aus seiner eingekeilten Situation bullisch ausbrechen kann, werden die Minenaktien auch bullisch folgen.
Bricht der Goldpreis hingegen nach unten aus seiner eingekeilten Formation aus und unterschreitet dabei seinen Aufwärtstrend, würde sich beim HUI eher das Bild einer Bärenflagge ergeben. In diesem Fall wäre eine weitere Korrektur bis in den Bereich um 550 Punkte möglich. Einen solchen Rücksetzer würde ich jedoch als attraktive antizyklische Kaufchance bei den Goldminenaktien sehen und entsprechend nutzen.
Die nächsten Wochen bleiben daher entscheidend. Es wird sich zeigen, ob Gold und Silber ihre mittelfristigen Aufwärtstrends verteidigen können oder ob es zu einem finalen Abverkauf kommt. Im letztgenannten Fall dürfte sich bei den Goldminenaktien nochmals eine sehr interessante antizyklische Einstiegschance ergeben.
Autor Markus Blaschzok ist Chefanalyst der SOLIT Group AG.











