Die Geschäftslage auf dem Immobilienmarkt verschlechtert sich spürbar. Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex ist kräftig gesunken und dokumentiert eine wachsende Unsicherheit unter den Marktteilnehmern. Konkret ging die aktuelle Geschäftslage um 6,7 Punkte auf 7,9 Punkte zurück. Noch deutlicher brachen die Erwartungen ein, die um 27,8 Punkte auf minus 11,4 Punkte absackten. Insgesamt fiel das Immobilienklima damit um 17,5 Punkte und liegt nun bei minus 2,0 Punkten. Der Index zum Immobilienklima wird seit 2020 vom Institut der deutschen Wirtschaft IW in Kooperation mit dem ZIA erstellt.
„Dieser Stimmungseinbruch ist kein Betriebsunfall des Marktes, sondern ein lautes Alarmsignal an die Politik”, kommentiert Iris Schöberl, Präsidentin des Spitzenverbandes der Immobilienwirtschaft ZIA, die Ergebnisse. „Gerade im Wohnungsmarkt beschleunigt sich der Abwärtstrend. Der ZIA hat zusammen mit anderen Verbänden wiederholt konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt: schnellere Genehmigungen, stabile Finanzierung, einfaches Bauen und weniger regulatorische Bremsen. Daraus muss jetzt endlich Baupraxis werden.“ Die negative Entwicklung bei den Erwartungen zieht sich durch fast alle Nutzungsarten. Als wesentliche Treiber gelten anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Risiken sowie Unsicherheiten bei der zukünftigen Zinsentwicklung.
Im Bürosegment zeigt sich die aktuelle Lage mit 15,5 Punkten noch vergleichsweise stabil, was vor allem an bestehenden Mietverhältnissen liegt. Allerdings brachen auch hier die Erwartungen um 6,9 Punkte ein. Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf hochwertige Flächen, während die Ungewissheit über den künftigen Flächenbedarf die Perspektiven belastet. Ein zweigeteiltes Bild bietet der Einzelhandel. Während die aktuelle Geschäftslage im Vergleich zu anderen Nutzungsarten noch vorne liegt, sinken die Erwartungen auf minus 17,2 Punkte. Gefragt bleiben Nahversorgungsformate und Fachmarktzentren, während klassische Shopping-Center und Mixed-Use-Ansätze unter Druck stehen.
Wachsende Regulierung bremst den Wohnungsbau
Auch im Wohnsegment beschleunigt sich der Abwärtstrend, wo die Erwartungen auf minus 22,9 Punkte fallen. Neben steigenden Kosten belasten Diskussionen über eine mögliche Verschärfung der Mietenregulierung die Stimmung im Markt. Gleichzeitig gewinnen Bestandssanierungen, Seniorenwohnen und Umnutzungen gegenüber klassischen Neubauprojekten an Attraktivität für Investoren. „Immer neue Debatten über Mietendeckel, mehr Regulierung und neue Eingriffe verschärfen die Verunsicherung im Markt. Unternehmerisches Handeln und Investitionen brauchen hingegen Vertrauen und verlässliche Rahmenbedingungen”, betont Schöberl.
Die Projektentwicklung verbleibt ebenfalls in einer sehr angespannten Situation. Mit minus 25 Punkten bei der Geschäftslage und einem anhaltend negativen Immobilienklima steht die Branche unter erheblichem Druck. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie eine schwache Nachfrage hemmen die Entwicklungen nachhaltig. Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einem ungünstigeren Finanzierungsumfeld in den kommenden zwölf Monaten aus. Leicht positive Erwartungen von 7,5 Punkten basieren lediglich auf der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen.
Die Kapitalströme verlagern sich infolgedessen spürbar. Eine Sonderauswertung mit Blick auf kommende Projektaktivitäten zeigt, dass Wohnimmobilien mit dem Fokus auf die Sanierung im Bestand sowie Rechenzentren und Logistikimmobilien derzeit besonders attraktiv sind. Büro- und Einzelhandelsimmobilien stehen hingegen vor großen strukturellen Veränderungen. Investitionen hängen in diesen Segmenten immer stärker von der Qualität des Objekts, der Lage und der Anpassungsfähigkeit an neue Nutzerbedürfnisse ab.















