Iran-Deal in Sicht – doch Bundesanleihen dürften unter Druck bleiben

Bundesanleihen
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Iran-Konflikt treibt Inflation und dämpft Wachstum: Warum Bundesanleihen auch nach einem Deal mittelfristig unter Druck bleiben.

Ein möglicher Iran-Deal weckt Hoffnungen – doch die wirtschaftlichen Folgen der Schließung der Straße von Hormus werden die Eurozone noch Monate belasten. Was das für Wachstum, Inflation und Bundesanleihen bedeutet.

Auch wenn sich die Lage am Persischen Golf zuletzt etwas entspannt hat, prägt der Iran-Krieg die europäische Makrolandschaft weiterhin spürbar. So ist die Inflation in Deutschland im April auf 2,9 % gestiegen – dem höchsten Niveau in mehr als 2 Jahren. Durch den Tankrabatt der Bundesregierung ging die Teuerungsrate zwar im Mai etwas zurück, liegt aber mit 2,6 % immer noch klar über der 2 %-Zielmarke. Doch auch die Konjunktur in der Eurozone verliert spürbar an Momentum, wie die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes aus dem Mai zeigen. Nach zwei Monaten der Abschwächung folgte im Mai der nächste Rücksetzer. Der Gesamtindex liegt nun klar in einem Bereich, der in der Vergangenheit mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung einherging. 


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Besonders auffällig: Die Schwäche ging zuletzt vor allem vom konsumentennahen Dienstleistungssektor aus. Womöglich auch, weil die hohen Energie- und Transportkosten schon jetzt auf der Kaufkraft der EU-Haushalte lasten. Der Fakt, dass EU-Firmen ihre Mitarbeiterzahl so drastisch reduziert haben wie seit der Pandemie nicht mehr, dürfte dies weiter verstärkt haben. Die Mai-Daten senden damit ein klares Signal: Die Schließung der Straße von Hormus treibt nicht nur die Inflation nach oben, sondern dämpft schon jetzt die wirtschaftliche Aktivität innerhalb der Eurozone – ein Déjà-vu zu 2022. 

Normalisierung der Rohstoffströme aus dem Golf dauert eher Monate als Wochen 

Doch die jüngsten diplomatischen Entwicklungen machen Hoffnung: Berichten zufolge haben Iran und die USA ein Memorandum of Understanding finalisiert, das den Konflikt beenden und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder ermöglichen soll. Für die Wirtschaft der Eurozone ist jedoch weniger die Unterzeichnung eines Rahmenvertrags entscheidend als die Geschwindigkeit, mit der sich die Rohstofflieferungen aus der Golfregion normalisieren.  
  
Die International Energy Agency (IEA) hat hierzu erste Zahlen veröffentlicht. Die Förderkapazitäten könnten vergleichsweise schnell wieder hochgefahren werden – rund 50 % innerhalb von zwei Wochen, etwa 80  % nach ca. einem Monat. Das eigentliche Nadelöhr ist jedoch die Normalisierung des Schiffverkehrs. Hierfür muss die Straße von Hormus zuallererst von iranischen Minen befreit werden. Dies ist ein langwieriger Prozess, der spezielle Minenräumschiffe benötigt und laut Schätzungen von mehreren Monaten bis hin zu einem halben Jahr dauern könnte. Hinzu kommt ein weiterer Engpass: Versicherer könnten ohne belastbare Sicherheitsgarantien die Deckung verweigern und damit den regulären Schiffsverkehr zusätzlich bremsen. Selbst bei schneller Entspannung dürfte es zudem zwei bis drei Monate dauern, bis sich der Rückstau in den Häfen aufgelöst hat. Kurzum: Eine vollständige Normalisierung innerhalb weniger Wochen erscheint unrealistisch. 

Stagflationsrisiken bleiben Belastungsfaktor für Eurozone und Bundesanleihen 

Selbst im Falle eines raschen Friedensabkommens dürfte es Monate dauern, bis die Rohstofflieferungen wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Der gegenwärtige Makromix aus schwachen Wachstumsdaten und starker Inflation dürfte der Eurozone daher bis in den Herbst hinein erhalten bleiben.  
 
Obwohl Bundesanleihen zuletzt ein gutes Stück gestiegen sind, dürften sie sich in diesem Umfeld mittelfristig schwertun. Denn trotz der weiterhin relativ falkenhaften EZB-Kurve preisen die Bundesanleihen den gegenwärtigen Energieschock nur teilweise ein. Die marktimpliziten Inflationserwartungen liegen deutlich unter den von der EZB skizzierten Risikoszenarien – obwohl diese mit der mittlerweile dreimonatigen Schließung der Straße von Hormus zunehmend plausibler erscheinen.  
 
Sollten sich die Rohstoffflüsse aus der Golfregion nicht zeitnah wieder normalisieren, haben sowohl Inflationserwartungen als auch Renditen weiteres Aufwärtspotenzial. Gleichzeitig dürfte die reale Renditekomponente angesichts steigender Staatsverschuldung nur begrenzt nachgeben – selbst bei schwächerer Konjunktur. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig wahrscheinlich, dass die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen in den kommenden Wochen die Marke von 2,7 % nachhaltig unterschreiten werden.

Autor Fabian Birli ist Multi-Asset Stratege bei Berenberg.

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