Junge Käufer setzen auf alte Häuser – und investieren kräftig in Sanierungen

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Foto: Europace / Kathrin Spirk
„Gen Z und Millennials haben ihr Kaufverhalten an die schwierigen Rahmenbedingungen angepasst. Statt eigenkapitalintensiv zu bauen, kaufen sie Bestandsimmobilien und machen sie mittels Modernisierung zukunftsfähig“, so Stefan Münter, Vorstand und Co-CEO der Europace AG.

Junge Immobilienkäufer finanzieren überdurchschnittlich häufig ältere Gebäude mit schlechter Energiebilanz. Dafür planen viele bereits beim Kauf erhebliche Modernisierungskosten ein. Eine Europace-Auswertung zeigt, wie stark Budget, Baujahr und Energieklasse zusammenhängen.

Junge Menschen kaufen häufiger Immobilien mit einer schwachen Energieeffizienz. Bei den bis 25-Jährigen entfallen 35,2 Prozent der über Europace finanzierten Objekte auf die Energieklassen F, G oder H. Bei den 26- bis 30-Jährigen sind es 32,3 Prozent, bei den 31- bis 36-Jährigen 31,2 Prozent.

Umgekehrt steigt mit dem Alter der Anteil besonders energieeffizienter Gebäude. In den Klassen A+ und A liegen 10,9 Prozent der von unter 25-Jährigen finanzierten Immobilien. Bei den 26- bis 30-Jährigen beträgt der Anteil 16,1 Prozent, bei den 31- bis 36-Jährigen 18,7 Prozent.

Parallel wächst der finanzielle Spielraum. Unter 25-Jährige finanzieren Immobilien im Median für rund 251.000 Euro, Käuferinnen und Käufer zwischen 31 und 36 Jahren für rund 333.000 Euro. Die Daten belegen zwar keinen direkten ursächlichen Zusammenhang. Sie zeigen aber, dass mit dem verfügbaren Budget auch der Anteil energetisch attraktiverer Objekte zunimmt.

Junge Käufer finanzieren häufig ältere Gebäude

Die jüngste Käufergruppe erwirbt im Durchschnitt Immobilien aus dem Baujahr 1963. Der Zusammenhang zwischen Gebäudealter und Energieeffizienz ist deutlich: Von den Objekten mit Baujahr bis 1949 erreichen rund zwei Prozent die Klassen A+ oder A. Bei Immobilien ab Baujahr 2020 sind es knapp 69 Prozent.

Wer wegen eines geringeren Budgets auf Bestandsimmobilien ausweicht, trifft deshalb häufiger auf einen hohen energetischen Sanierungsbedarf. Viele junge Käufer berücksichtigen die dafür erforderlichen Ausgaben bereits bei der Finanzierung.

Bei den bis 36-Jährigen enthält ungefähr jeder dritte Finanzierungsvorgang ein Modernisierungsbudget. Der Anteil liegt bei 34,3 Prozent für unter 25-Jährige, bei 35,1 Prozent für 26- bis 30-Jährige und bei 34,8 Prozent für 31- bis 36-Jährige. Die vorgesehenen Beträge bewegen sich im Median zwischen rund 40.000 und 48.000 Euro.

Modernisierung macht fast ein Fünftel des Kaufpreises aus

Gemessen am Kaufpreis planen die Jüngsten mit 19,3 Prozent den höchsten Anteil für Modernisierungen ein. Bei den 31- bis 36-Jährigen sind es 17,6 Prozent. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Gebäuden der Energieklasse H: Dort sehen in allen drei Altersgruppen jeweils rund 63 bis 64 Prozent ein Modernisierungsbudget vor.

Erfasst wurde allerdings nur der im Finanzierungswunsch vorgesehene Betrag. Die Daten zeigen daher die geplante Finanzierung, nicht die spätere Umsetzung der Maßnahmen.

„Gen Z und Millennials haben ihr Kaufverhalten an die schwierigen Rahmenbedingungen angepasst. Statt eigenkapitalintensiv zu bauen, kaufen sie Bestandsimmobilien und machen sie mittels Modernisierung zukunftsfähig“, so Stefan Münter, Vorstand und Co-CEO der Europace AG.

Energieeffizienz prägt Preise, erklärt sie aber nicht allein

Auch innerhalb einzelner Objektarten bleibt der Altersunterschied erkennbar. Bei Eigentumswohnungen entfallen bei den unter 25-Jährigen 15,0 Prozent auf die Klassen F, G oder H, bei den 31- bis 36-Jährigen 13,2 Prozent. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern beträgt das Verhältnis 54,0 zu 42,1 Prozent. Wird zusätzlich das Baujahr berücksichtigt, verringert sich der Abstand deutlich, verschwindet aber nicht vollständig.

A+-Immobilien kosten im Median rund 465.000 Euro, Objekte der Klasse D rund 257.000 Euro. Der Quadratmeterpreis sinkt von rund 3.919 Euro in der Klasse A+ auf rund 1.877 Euro in der Klasse H. Die Differenz lässt sich jedoch nicht allein auf die Energieeffizienz zurückführen, da sich die Objekte auch bei Baujahr, Fläche, Art und Lage unterscheiden.

Eine ergänzende Analyse der Value AG zeigt zudem erste Auswirkungen von Hitze auf den Häusermarkt. In stärker hitzeexponierten Lagen lag das relative Preisniveau gegenüber 2021 je Standardabweichung der Hitzeexposition, entsprechend rund neun zusätzlichen Hitzetagen pro Jahr, um etwa 1,4 Prozent niedriger. Das Signal bezieht sich auf die Lage und nicht auf die Energieklasse.

Auswertung umfasst Finanzierungen seit Anfang 2025

Europace untersuchte Finanzierungsvorgänge, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Juli 2026 über die Transaktionsplattform des Unternehmens angelegt wurden. Die Energieklassen leitete das Unternehmen aus dem hinterlegten Endenergiekennwert ab. Die Ergebnisse beziehen sich auf die dokumentierte Teilmenge und bilden nicht den gesamten Immobilienmarkt ab.

Die Auswertung fasst Bedarfs- und Verbrauchsausweise zusammen, obwohl beide unterschiedliche Messmethoden verwenden. Europace prüfte den festgestellten Alterseffekt zusätzlich für beide Ausweistypen getrennt und bestätigte ihn. Für die Preisvergleiche wurden Kaufvorgänge sowie, soweit verfügbar, der genaue Kaufpreis und die Wohnfläche herangezogen.


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