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Kolumne Lisa Osada: Abgeschrieben oder unterschätzt? Investieren in die Emerging Markets 

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Lisa Osada
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Während die US-Tech-Giganten von einem Rekord zum nächsten eilen, gelten die  Schwellenländer an den globalen Börsen weiterhin eher als Beiwerk. Von Lisa Osada

Wer die Depots von Privatanlegern analysiert, sieht meist ähnliche Muster: US-Tech dominiert. In Weltindizes wie dem MSCI ACWI macht der gesamte Schwellenländer-Bereich nur rund zwölf Prozent aus. An der Kursentwicklung dürfte das nicht liegen: Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein ETF auf den MSCI Emerging Markets-Index bei rund 34 Prozent Plus, MSCI World und ein MSCI ACWI kommen beide auf gut 19 Prozent (in Euro, Stand: 1. August 2026).


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An der Börse gilt: Der heutige Preis bestimmt die Rendite von morgen. Der S&P 500 wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 bis 27 gehandelt, sein Forward-KGV liegt bei knapp 20 und damit über dem Zehn-Jahres-Schnitt von 19. Der MSCI Emerging Markets kommt auf knapp 19, auf Basis der erwarteten Gewinne auf 13 bis 14. Der Abschlag zu den Industrieländern beträgt damit rund 40 Prozent, im langjährigen Mittel waren es etwa 25 Prozent. Ist das nun ein Schnäppchen oder ein gerechtfertigter Abschlag? 

Vier asiatische Schlüsselmärkte im Überblick

1. China: Die „günstige“ Risikowette: China ist das Schwergewicht dieser Kategorie. Tencent und Alibaba generieren enorme Cashflows und werden mit einem Forward-KGV von gut 15 beziehungsweise knapp 20 bewertet, deutlich unter den US-Pendants. Dennoch wiegen die Risiken schwer: unkalkulierbare politische Eingriffe, Immobilienkrise, Geopolitik. Für ein reines Kern-Investment ist das vielen zu unberechenbar.

2. Hongkong & Singapur: Tore der Region: Hongkong lockte lange mit hohen Dividenden und deutlichen Abschlägen bei H-Aktien gegenüber chinesischen A-Aktien. Inzwischen ist der AH-Premium-Index unter 120 gefallen, bei einzelnen Tech-Werten notieren die H-Aktien teurer. Singapur bildet mit britischem Rechtssystem, stabiler Währung, starken Banken und REITs das Gegenmodell und kann als Stabilitätsanker wirken. Für deutsche Anleger relevant: In beiden Märkten fällt keine Quellensteuer bei Dividenden an.

3. Indien: Hohe Wachstumsraten zum kleinen Preis?: Indien glänzt mit Aussichten: Durchschnittsalter unter 30 Jahren, gut sechs Prozent Wirtschaftswachstum, dazu die „China-plus-One“-Strategie westlicher Konzerne. Aber der Nifty 50 ist mit einem KGV von rund 20,5 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) um drei der teuerste große Schwellenmarkt, gegenüber der eigenen Historie allerdings nicht überteuert. Angetrieben von Millionen Kleinanlegern, die monatlich Milliarden über Sparpläne investieren, fehlt dem Markt die Sicherheitsmarge.

4. Indonesien: Der geheime Favorit?: Indonesien, das viertbevölkerungsreichste Land der Erde, wird oft vernachlässigt. Dabei besitzt es die weltweit größten Nickelreserven, entscheidend für die E-Mobilität. Exportverbote für Roh-Erze haben massive Investitionen im Inland erzwungen. Bei niedriger Staatsverschuldung und bodenständiger Bewertung bietet Indonesien Rohstoffstärke ohne Chinas Politikrisiko. Der Haken 2026: Nickel ist im Überangebot, Jakarta kürzt die Förderquoten.

Index / RegionAktuelles KGVErwartetes KGVBewertung & Fundamentale Einordnung
S&P 500 (USA)25 – 27~20Über dem 10-J-Schnitt (19); stark KI-getrieben
MSCI Emerging Markets~1913-14Bewertungsabschlag; Aufholpotenzial
China (Hang Seng)11 – 14~11Günstig; hohe Risiko-Prämie
Indien (Nifty 50)~20,5~19Teuerster großer EM (KBV ~3); starkes Wachstum

Drei Gedanken für das eigene Depot

Der Standardweg: Ein klassischer MSCI-Emerging-Markets-ETF bietet breite Diversifikation, erfordert bei negativen China-Nachrichten aber starke Nerven.

Die Ex-China-Strategie: ETFs auf den MSCI EM ex China heben das Peking-Risiko auf und verlagern das Gewicht nach Taiwan (rund 34 Prozent), Südkorea (25 Prozent) und Indien (14 Prozent). Statt Politikrisiko hat man dann ein Halbleiter-Klumpenrisiko.

Der Core-Satellite-Ansatz: Ein EM-ex-China-ETF als Basis, ergänzt um günstige Dividendenwerte, REITs oder indonesische Einzeltitel. Indonesien bleibt in beiden Index-Varianten unter ein Prozent und muss separat gekauft werden.

Fazit und Ausblick

Schwellenländer sind volatil, bieten auf dem aktuellen Niveau aber hohe Bewertungschancen. Wer langfristig denkt, findet in Asien eine attraktive Ergänzung zum teuren US-Musterdepot.

Autorin Lisa Osada ist Finanzbuchautorin und Gründerin des Finanzblogs Aktiengram. Ihr gleichnamiger Instagram-Kanal zählt über 118.000 Abonnenten.


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