Mehr als die Hälfte der Azubis traut KI mehr zu als ihren Ausbildern

Ausbildung: Mensch oder KI
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Wer bildet besser aus? Mensch oder KI

Die größte doppelperspektivische Studie zur dualen Ausbildung in Deutschland liefert alarmierende Befunde: 53 Prozent der Azubis halten KI für kompetenter als ihre Ausbilder, der Kandidatenmarkt bricht ein, und psychische Belastung wird systematisch unterschätzt. Was hinter den Zahlen steckt.

Die jährliche Studie Azubi-Recruiting Trends von u-form Testsysteme gehört zu den aufschlussreichsten Bestandsaufnahmen des deutschen Ausbildungsmarkts. In diesem Jahr haben 9.542 Azubis, dual Studierende und Schülerinnen und Schüler sowie 2.071 Ausbildungsverantwortliche an der Online-Umfrage teilgenommen. Wissenschaftlich begleitet wird sie von Prof. Dr. Christoph Beck; Studienpartner ist AUBI-plus.

53 Prozent der Azubis sind der Ansicht, dass Künstliche Intelligenz Ausbildungsthemen „öfter“ oder „manchmal“ besser erklären kann als ihre eigenen Ausbilder. Mit Blick auf Berufsschullehrkräfte fällt das Urteil noch deutlicher aus: 74 Prozent trauen der KI mehr Erklärungskompetenz zu als den eigenen Lehrenden.


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85 Prozent der befragten Azubis schätzen ihre eigenen KI-Kompetenzen als „sehr fit“ oder „eher fit“ ein – doch tatsächlich absolviert haben nur 15 Prozent eine entsprechende Weiterbildung. Auf Unternehmensseite fehlen vielerorts die Angebote: 49 Prozent der Betriebe stellen keine Lernangebote zum Thema KI für Azubis bereit.

Kandidatenmarkt auf historischem Tiefstand

Der Ausbildungsmarkt sendet deutliche Warnsignale. Nur noch 29 Prozent der Azubi-Bewerbenden erhalten zwei oder mehr Ausbildungsangebote – der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe im Jahr 2014.

Der Rückgang ist erheblich: 2025 lag der Anteil noch bei 42 Prozent, 2019 hatte er mit 73 Prozent seinen bisherigen Höchststand erreicht. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Markt grundlegend gedreht – weg vom Bewerber-, hin zum Arbeitgebermarkt.

Gleichzeitig meldeten 34 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe, ihre Ausbildungsplätze im Jahr 2025 nicht vollständig besetzen zu können. Bewerber- und Betriebsperspektive laufen damit zunehmend auseinander.

Fehlzeiten und psychische Belastung

75 Prozent der Ausbilder berichten, dass die Krankheitsfehltage ihrer Auszubildenden in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. 54 Prozent glauben, die eigenen Azubis meldeten sich „oft“ oder „manchmal“ krank, ohne tatsächlich erkrankt zu sein. Die Azubis selbst sehen das mehrheitlich anders: 82 Prozent geben an, sich noch nie unbegründet krankgemeldet zu haben.

Als häufigste Ursachen für steigende Fehlzeiten nennen Ausbildungsverantwortliche geringe Belastbarkeit (34 Prozent) und psychische Belastung beziehungsweise Überforderung (29 Prozent). Zum psychischen Gesundheitszustand der Azubis insgesamt stellen 85 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen fest, die eigenen Auszubildenden seien stärker belastet als vor der Coronapandemie. 25 Prozent der Azubis und dual Studierenden haben sich eigenen Angaben zufolge schon einmal wegen psychischer Belastung krankgemeldet, weitere 15 Prozent wegen familiärer oder privater Probleme.

Wie gut Betriebe mit diesem Thema umgehen, bewerten die Beteiligten unterschiedlich: 74 Prozent der Ausbilder meinen, in ihrem Unternehmen werde „sehr gut“ oder „eher gut“ auf die psychische Gesundheit geachtet. Bei den Auszubildenden selbst stimmen nur 53 Prozent zu. „Psychische Gesundheit ist in der Ausbildung ein strukturell unterberichtetes Thema. Hier besteht dringender Diskussionsbedarf“, sagt Studieninitiatorin Felicia Ullrich von u-form Testsysteme.

Anforderungsprofile, Selbstselektion und Gehaltstransparenz

Aufschlussreich sind auch die Befunde zur Eignungsdiagnostik: 37 Prozent der Azubi-Bewerbenden bewerben sich erst dann, wenn sie vier oder fünf der in der Stellenanzeige genannten Kriterien erfüllen. Die Betriebe hingegen nehmen ihre eigenen Anforderungskataloge oft nicht allzu ernst: 65 Prozent priorisieren den Gesamteindruck der Bewerbenden gegenüber dem formalen Kriterienabgleich.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 42 Prozent der Bewerberinnen nehmen sich aus dem Rennen, wenn sie nicht (fast) alle Anforderungen erfüllen – bei den Bewerbern sind es 32 Prozent. Ausführliche Anforderungskataloge wirken damit de facto als Selektionsfilter, der Frauen stärker trifft als Männer.

Mit dem Entgelttransparenzgesetz, das ab dem 7. Juni 2026 mit erweiterten Transparenzpflichten verbunden ist, gerät auch die Vergütungskommunikation in den Fokus. Aktuell geben nur 46 Prozent der Betriebe die Ausbildungsvergütung in Stellenanzeigen als konkreten Betrag an. 22 Prozent verweisen auf Tarifangaben, 12 Prozent nutzen werbliche Begriffe wie „gut“ oder „fair“ – und 20 Prozent machen überhaupt keine Angaben zur Vergütung.

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