Wer nach dem Urlaub nach Hause kommt und feststellt, dass eine defekte Zuleitung unter der Küchenspüle tagelang unbemerkt Wasser verloren hat, erlebt die kostspieligste Variante eines weit verbreiteten Problems. Schäden von mehr als 5.000 Euro sind in solchen Fällen keine Seltenheit. Leitungswasserschäden führen die Schadenstatistik bei privaten Gebäudeversicherungen mit großem Abstand an – und das nicht nur während der Urlaubssaison.
Mehr als eine Million solcher Schäden registriert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) pro Jahr in Deutschland. Die Gesamtkosten liegen im Milliardenbereich. Damit sind Leitungswasserschäden deutlich häufiger als Feuer-, Sturm- oder Hagelschäden – und der mit Abstand größte Kostentreiber in der Wohngebäudeversicherung.
Eine wesentliche Ursache liegt in der Bausubstanz selbst: Über 70 Prozent der Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1990 errichtet, knapp die Hälfte davon allein zwischen 1950 und 1989. Mit zunehmendem Alter der Leitungssysteme steigt das Schadenpotenzial erheblich.
Korrosion und Materialermüdung als Hauptursachen
Christoph Kemmner, Schadenleiter der HDI Versicherung, kennt das Problem aus der täglichen Praxis: „Rohrbrüche durch Alterung, Materialermüdung oder Korrosion sind bei vor 1990 errichteten Gebäuden besonders häufig.“ Allein 2025 wendete der Versicherer rund 130 Millionen Euro für solche Schäden auf – im Durchschnitt mehr als 5.000 Euro pro Schadenfall.
Die Ursachen sind vielfältig: Neben Korrosion und Materialermüdung spielen Installationsfehler, defekte Schläuche an Waschmaschinen oder Geschirrspülern sowie poröse Dichtungen, undichte Silikonfugen und feine Risse in Leitungen eine Rolle. Besonders tückisch ist dabei, dass sich nicht jede Leckage sofort bemerkbar macht. Da Wasserleitungen heute in der Regel verdeckt verlegt werden, können kleine Undichtigkeiten über längere Zeit unentdeckt bleiben.
„Oft sind es deshalb kleine Undichtigkeiten oder Leckagen, die längere Zeit unbemerkt bleiben und Schäden besonders teuer machen“, erklärt Kemmner. Was zunächst wie ein geringfügiges Problem erscheint, kann die Bausubstanz dauerhaft schädigen und aufwendige Sanierungsarbeiten nach sich ziehen.
Was die Versicherung leistet – und was nicht
Schutz vor den finanziellen Folgen eines Leitungswasserschadens bieten Wohngebäude- und Hausratversicherung. Sie übernehmen die Kosten für die Beseitigung entstandener Schäden am Gebäude und an der Einrichtung sowie in der Regel die Reparatur des betroffenen Leitungsstücks.
Nicht abgedeckt sind hingegen Kosten für eine grundlegende Sanierung der Leitungsanlage. Eigentümer sind hier in der Pflicht: Wer Instandhaltungsmaßnahmen unterlässt, riskiert nicht nur Folgeschäden, sondern unter Umständen auch den Versicherungsschutz – denn bei einem erneuten Schadenfall kann der Versicherer die Leistung verweigern, wenn eine Verletzung der Instandhaltungspflicht vorliegt.
Ab etwa 30 Jahre nach Errichtung eines Gebäudes sollten Eigentümer die Wasserleitungen gezielt in den Blick nehmen. In der Praxis unterbleibt dies jedoch häufig.
Prävention: Haupthahn schließen reicht nicht
Wer Schäden vermeiden will, kommt an regelmäßiger Kontrolle nicht vorbei. Zugängliche Leitungen und Anschlüsse sollten periodisch auf Feuchtigkeit oder Undichtigkeiten geprüft werden. Hauptwasserhahn und Wohnungsabsperrventile müssen jederzeit zugänglich und funktionsfähig sein.
Bei längerer Abwesenheit empfiehlt sich das Absperren des Haupthahns, um unbemerkte Rohrbrüche zu verhindern. Wasch- und Spülmaschinen sollten grundsätzlich nicht unbeaufsichtigt betrieben werden. Wer darüber hinaus in ein Leckage-Warnsystem mit automatischem Wasserstopp investiert, kann das Risiko erheblich reduzieren.
Langfristig führt an der Erneuerung in die Jahre gekommener Leitungssysteme – ob in einem Zuge oder abschnittweise – kein Weg vorbei.













