Die Märkte hatten eine Entspannung im US-iranischen Konflikt bereits eingepreist – doch neue Spannungen rund um die Straße von Hormus zeigen, wie fragil diese Normalisierung bleibt. Steigende geopolitische Risiken nähren neue Inflationssorgen und stellen die Fed vor ein Dilemma zwischen Energiepreisschock, überhitzender KI-Wirtschaft und wachsendem Rezessionsrisiko. Für Bitcoin und Gold könnte genau diese Unsicherheit zum entscheidenden Faktor werden.
Fragile Normalisierung am Persischen Golf
Der jüngste Schlagabtausch im US-iranischen Konflikt zeigt, dass die Märkte Entspannung zu früh eingepreist haben. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erholte sich zwar, blieb aber deutlich unter dem Vorkrisenniveau – neue Spannungen drohen diese Erholung nun zu bremsen. Eine nachhaltige Normalisierung ist unter diesen Bedingungen fraglich.
Geopolitik als Inflationstreiber
Historisch gingen erhöhte geopolitische Risiken mit höherer Inflation einher – in einem auffallend linearen Zusammenhang.

Bislang haben strategische Rohstoffreserven den Preisschock abgefedert, doch sie gehen zur Neige. Zwar dürfte der nächste CPI-Wert durch den Ölpreisrückgang im Juni vorerst Entlastung bringen – dieser Effekt könnte sich aber als kurzfristig erweisen.
Das Dilemma der Fed
Das prägende Merkmal dieses Öl-Schocks ist nicht das Preisniveau, sondern seine Dauer. Die Fed steht vor einem echten Dilemma: Eine KI-Wirtschaft mit Überhitzungstendenzen trifft auf ölgetriebene Inflation. Das würde kurzfristig für höhere Zinsen sprechen – doch ölgetriebene Inflation wirkt eher wie eine Steuer auf den Konsum als wie ein Wachstumsimpuls. In einer zunehmend K-förmigen Wirtschaft erhöht sie damit das Rezessionsrisiko, worauf die richtige geldpolitische Antwort eher eine Zinssenkung wäre.
Am Ende spricht diese Unsicherheit typischerweise für Wertspeicher wie Bitcoin und Gold. Die Frage ist nur, ob der Markt diese Unsicherheit überhaupt richtig einpreist.
Marc des Ligneris ist Senior Portfoliomanager bei Coinshares.














