Die Notenbanken haben ihre Goldkäufe nach einer kurzen Pause im März wieder aufgenommen. Diese Unterbrechung war unter anderem eine Folge der starken Rallye zum Ende des vergangenen Jahres, die Käufer vorsichtiger werden ließ. Hinzu kam, dass mehrere Länder – darunter die Golfmonarchien, die Türkei und Russland – Berichten zufolge Teile ihrer Goldreserven veräußerten, um Ausgaben im Zusammenhang mit den Konflikten im Iran und in der Ukraine zu finanzieren.
Trotz dieser vorübergehenden Verlangsamung bleibt die Nachfrage der Notenbanken nach sicheren Anlageformen robust. Angesichts der hohen Verschuldung in den entwickelten Volkswirtschaften ist das kaum überraschend. Bitcoin hingegen hat an der Rohstoffrallye des vergangenen Jahres nicht teilgenommen und wirkt gegenüber Gold inzwischen unterbewertet.

Bitcoin als Profiteur einer neuen Rotation?
Zugleich ist die Korrelation zwischen beiden Anlageklassen zuletzt gestiegen. Das deutet darauf hin, dass Gold und Bitcoin zunehmend auf dieselben makroökonomischen Faktoren reagieren. Diese Annäherung dürfte einerseits eine breite Umschichtung aus Gold und Bitcoin in KI-getriebene Wachstumsaktien widerspiegeln. Andererseits spricht sie dafür, dass beide Anlagen wieder sensibler auf Zinserwartungen reagieren, nachdem spekulative Übertreibungen nachgelassen haben.
Da die Aktienmärkte rund um Künstliche Intelligenz zunehmend Anzeichen einer Überhitzung zeigen und die Inflation hartnäckig bleibt, könnten Anleger wieder stärker in Wertaufbewahrer umschichten. Bitcoin wird zwar weiterhin durch Sorgen über Risiken im Zusammenhang mit Quantencomputing belastet. Sollte jedoch ein glaubwürdiger Fortschritt bei der Umstellung auf quantenresistente Sicherheitsstandards gelingen, könnte Bitcoin zu einem der wichtigsten Profiteure einer solchen Rotation werden.
Autor Marc des Ligneris ist Senior Portfolio Manager bei Coinshares.














