Weltweit summieren sich die Abflüsse aus Kryptofonds inzwischen auf acht Milliarden US-Dollar über acht aufeinanderfolgende Wochen – die längste anhaltende Abflussphase seit Beginn der Aufzeichnungen. Der höchste Wochenwert lag bei 2,6 Milliarden US-Dollar in der Woche des 25. Februar. Zur Einordnung: Proportional entspricht dies der Schwere des Zyklus von 2018 – einer Phase, in der das gesamte verwaltete Vermögen über alle Emittenten hinweg lediglich zwei Milliarden US-Dollar betrug. Dass vergleichbare proportionale Abflüsse heute in einem deutlich größeren Markt zu beobachten sind, sagt viel über das Ausmaß dieser Bereinigung aus.
Das ermutigende Signal: Seit vergangenem Donnerstag gab es an drei aufeinanderfolgenden Tagen Zuflüsse von insgesamt 600 Millionen US-Dollar weltweit über alle Emittenten und Instrumente hinweg. Es ist noch früh, aber es scheint, als habe sich der Verkaufsdruck erschöpft.
Fed: restriktiver, als der Markt wahrhaben will
Kevin Walshs erste Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank brachte nahezu nichts hervor – rund 150 Wörter Kommunikation, deutlich weniger als unter Powell üblich. Umso wichtiger war die gestrige Veröffentlichung des vollständigen Sitzungsprotokolls. Die Schlussfolgerung ist moderat restriktiv: Der Ausschuss betonte die anhaltende Robustheit der Wirtschaft, und die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50 zu 50 für eine Zinserhöhung im September ein. Etwas kontraintuitiv sind die Zinserwartungen seit Veröffentlichung des Protokolls sogar leicht gesunken – eine Abweichung, die logisch nicht ganz trägt, aber solche Dinge kommen vor. Entscheidend ist: Die Fed bleibt restriktiv ausgerichtet, und das lastet weiterhin auf Bitcoin.
Makroökonomische Faktoren und Geopolitik haben das Narrativ rund um Verkäufe großer Bitcoin-Halter inzwischen als wichtigsten Kurstreiber abgelöst. Die Verkäufe großer Halter scheinen aufgehört zu haben – doch wie bereits erwähnt, treten diese typischerweise erst nach dem nächsten Halving im Jahr 2028 wieder als Käufer auf. Von dieser Gruppe ist daher in absehbarer Zeit keine Kursunterstützung zu erwarten.
MicroStrategy: Entscheidend ist die Stimmung, nicht der Verkauf
Auf Kundenseite gab es erhebliches Interesse an der Frage, ob die Bitcoin-Position von Strategy ein existenzielles Risiko für die Anlageklasse darstellt. Das tut sie nicht. Vier Prozent des Angebots reichen schlicht nicht aus, um einen strukturellen Kollaps auszulösen – rein rechnerisch trägt diese Sorge nicht.
Wirklich interessant ist die Stimmungsdynamik. Als Michael Saylor Anfang Juni 32 Bitcoin verkaufte – ein Mann, der bekanntermaßen sagte, er würde eher eine Niere verkaufen als Bitcoin –, löste das einen Kursrückgang von 17,6 Prozent aus. Nicht wegen des Volumens – 32 Bitcoin sind verschwindend gering –, sondern wegen des Signals. Seitdem hat Strategy innerhalb von zwei Wochen still und leise 3.500 Bitcoin verkauft, während der Bitcoin-Kurs im selben Zeitraum um 4,5 Prozent gestiegen ist. Der Markt passt sich an. Der Schockeffekt von MicroStrategy-Verkäufen lässt nach, und ich erwarte, dass dieses Narrativ zunehmend irrelevant wird – die empirischen Daten deuten bereits darauf hin.
Autor James Butterfill ist Head of Research bei Coinshares.















