Am Donnerstag blicken die Märkte nach Frankfurt. Eine Zinspause der EZB gilt als ausgemachte Sache. Die eigentliche Spannung beginnt erst mit der Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Denn der jüngste Anstieg des Ölpreises bringt die Notenbank in eine schwierige Lage. Hält sich der Ölpreis dauerhaft über 90 US-Dollar je Barrel, könnte das Inflationsgespenst schneller zurückkehren, als vielen lieb ist.
Einerseits dürfte Lagarde auf die Inflationsrisiken durch den Ölpreisanstieg hinweisen. Andererseits wird sie vermeiden wollen, eine weitere Zinserhöhung im Herbst anzudeuten. Entscheidend wird deshalb sein, wie sie den Ölpreisanstieg einordnet. In der Vergangenheit betonte Lagarde immer wieder, dass die EZB nicht auf jeden kurzfristigen Angebotsschock reagieren müsse. Die Frage ist nun, ob sie den jüngsten Anstieg weiterhin als vorübergehendes Ereignis bewertet oder Anzeichen für dauerhaften Inflationsdruck sieht.
Es geht dabei vor allem um mögliche Zweitrundeneffekte. Anleger sollten darauf achten, ob Christine Lagarde befürchtet, dass höhere Energiepreise über steigende Löhne und Preise tiefer in die Wirtschaft einsickern. Genau davon dürfte die Marktreaktion abhängen. Schlägt Lagarde einen überraschend restriktiven Ton an, dürften sich die Märkte in ihrer Erwartung einer Zinserhöhung im September bestätigt sehen. Andererseits wird Lagarde versuchen, sich nicht in die Karten schauen zu lassen und sich alle Optionen für den Herbst offenzuhalten.
Jede Formulierung hat das Potenzial, den Euro und die Anleiherenditen sofort zu bewegen. Denn diesmal geht es weniger um den Zinsentscheid selbst, sondern um die Frage, welchen Kurs die EZB für die kommenden Monate andeutet.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.












