Die durchschnittlichen Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung steigen weiter an. Das zieigt der aktuelle Ratingjahrgang von Morgen & Morgen „PKV-Beitragsastabilität 2026“. Danach liegt der Mittelwert der Beitragsanpassen nun bei 4,88 Prozent und damit deutlich über dem Vorjahreswert von 3,54 Prozent. Der Anstieg fällt fast doppelt so stark aus wie in den beiden Vorjahren und erreicht ein Niveau, das zuletzt vor Einführung der Unisex-Tarife im Jahr 2012 zu beobachten war, so Morgen und Morgen. Damals rund 4,7 Prozent. Der Median liegt bei 5,05 Prozent, das Maximum bei 10,99 Prozent.
Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen steigende Behandlungskosten infolge des medizinischen Fortschritts, allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen sowie die Inflation. Hinzu kommt die Bestandsalterung durch die steigende Lebenserwartung der Versicherten. Beitragsanpassungen infolge weiterer Rechnungszinsabsenkungen spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Für den Ratingjahrgang 2026 hat Morgen & Morgen insgesamt 1.130 PKV-Tarifkombinationen bewertet, zwölf mehr als im Vorjahr. Um die Aussagekraft des Ratings langfristig zu erhalten, wurden die Bewertungsbenchmarks um 1,25 Prozentpunkte angehoben, deutlich stärker als in den beiden Vorjahren mit jeweils 0,5 Prozentpunkten.
PKV-Rating 2026: Sterneverteilung verschiebt sich nach unten
Im aktuellen Ratingergebnis erreichen 154 Tarifkombinationen fünf Sterne, 168 vier Sterne. Weitere 314 Tarifkombinationen werden mit drei Sternen bewertet. 321 Kombinationen erhalten zwei Sterne, 173 einen Stern. Damit liegt knapp ein Drittel der bewerteten Tarife im sehr guten bis ausgezeichneten Bereich, ebenfalls knapp ein Drittel im Mittelfeld. Rund 43 Prozent sind dem unteren Bewertungssegment zuzuordnen.
Die Entwicklung über die Jahre zeigt eine deutliche Verschiebung: Die Zahl der Höchstbewertungen sinkt kontinuierlich, während die Ein- und Zwei-Sterne-Tarife am stärksten zulegen. Der Effekt, dass nach der Unisex-Einführung zunächst ausschließlich junge, neu kalkulierte Tarife mit erwartungsgemäß geringen Beitragsanpassungen auf den Markt kamen, ist inzwischen verpufft.

„Die Entwicklung überrascht nicht. Mit steigenden Leistungsausgaben und dem zunehmenden Alter der Tarife war eine weitere Verschiebung der Sterneverteilung zu erwarten. Entscheidend ist jedoch: Auch unter diesen anspruchsvolleren Rahmenbedingungen erreichen weiterhin zahlreiche Tarife eine gute oder sehr gute Bewertung. Das zeigt, dass Beitragsstabilität weiterhin möglich ist“, sagt Iris Portugall, Aktuarin bei Morgen & Morgen.
GOÄ-Novellierung als weiterer Kostentreiber
Portugall ist überzeugt, dass die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Beitragsentwicklung sich in den kommenden Jahren nicht grundlegend verändern werden. „Medizinischer Fortschritt, steigende Behandlungskosten und die demografische Entwicklung werden die Leistungsausgaben weiterhin erhöhen. Hinzu kommt mit der geplanten Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte ein weiterer Faktor, der die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen beeinflussen könnte. Umso wichtiger wird es, diese Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und auf Basis objektiver Daten transparent zu machen. Genau darin sehen wir unsere Aufgabe als unabhängiges Analysehaus“, sagt Portugall.
Bewertungsmethodik: Fünf Jahre Beitragsentwicklung im Blick
Das M&M Rating PKV-Beitragsstabilität bewertet nicht die Leistungen eines Tarifs und auch nicht dessen Beitragshöhe, sondern ausschließlich die Entwicklung der Beiträge. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stabil sich die Beiträge über mehrere Jahre hinweg entwickelt haben. Bewertet werden Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen im Fünf-Jahres-Zeitraum, Tarifkombinationen verschiedener Berufsgruppen sowie Eintrittsalter von 21 bis einschließlich 50 Jahren. Grundlage sind sogenannte Effektivbeiträge, also auf das Jahr hochgerechnete Monatsbeiträge zuzüglich eines möglichen Selbstbehalts.
Für jede Tarifkombination werden die durchschnittlichen Beitragssteigerungen statistisch ausgewertet. Dabei berechnet Morgen & Morgen sowohl den Mittelwert der relativen Beitragssteigerung als auch die Standardabweichung. Eine gute Beitragsstabilität liegt dann vor, wenn die durchschnittliche Beitragssteigerung niedrig ist und zugleich die Schwankungen gering ausfallen. Die aktuelle Auswertung berücksichtigt die Steigerungen von 2021 auf 2022 bis 2025 auf 2026.
Für eine Höchstbewertung müssen Tarife eine im Marktvergleich überdurchschnittliche Beitragsstabilität über den gesamten Betrachtungszeitraum aufweisen. Leistungsqualität, Beitragshöhe und Unternehmenskennzahlen sind nicht Bestandteil dieses Ratings. In der Vergleichs- und Analysesoftware M&M Office lassen sich die Beitragsverläufe von über 4.000 PKV-Tarifkombinationen individuell analysieren.















