Snow-Analytics-Studie: Klassik schlägt fondsgebunden

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Richtige oder falsche Entscheidung. Welchen Weg soll ich nehmen
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Ein Anleger ist in einer Zwickmühle. Richtig oder falsch.

Snow Analytics hat 1.000 real ausbezahlte Lebens- und Rentenversicherungsverträge aus 52 Gesellschaften ausgenwertet. Nun hat das Analysehaus die Studie um den Vergleich Fondspolicen vs. Klassik ergänzt. Die Ergebnisse überraschen - aber nur auf den ersten Blick.

Als Snow Analytics Mitte September die erste Fassung ihrer Studie zu 1.000 real ausbezahlten Lebens- und Rentenversicherungsverträgen vorlegte (Cash. berichtete), blieb eine Frage unbeantwortet: Bringt eine fondsgebundene Police wegen ihrer Nähe zum Kapitalmarkt am Ende tatsächlich mehr als die klassische Variante? Die Gutachtergesellschaft hat dazu jetzt ein eigenes Kapitel nachgereicht, das die Stichprobe erstmals nach Vertragsart trennt. Wer auf die Fondspolice gesetzt hätte, dürfte von den Zahlen überrascht sein.


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Von den 1.000 untersuchten Verträgen entfallen 711 auf klassische Lebensversicherungen, 278 auf fondsgebundene und 11 auf Riester-Renten. Die Riester-Verträge klammert SnowAnalytics aus, elf Fälle seien schlicht zu wenig für eine belastbare Aussage, betont Snow Analytics. Es bleibt also der Vergleich zwischen klassisch und fondsgebunden.

Klassische Verträge liegen bei der Rendite vorn

Bei der nominalen Rendite, dem einfachen Verhältnis von Auszahlung zu Einzahlung über die gesamte Laufzeit, gewinnt die klassische Lebensversicherung deutlich: 12,28 Prozent im Mittel, 10,53 Prozent im Median. Die fondsgebundene Police kommt nur auf 5,13 beziehungsweise 2,23 Prozent, weniger als halb so viel.

Bei der zeitbezogenen IRR rücken beide Vertragsarten näher zusammen, bleiben aber beide im Minus, klassisch mit minus 0,07 Prozent etwas glimpflicher als fondsgebunden mit minus 0,11 Prozent. Ähnlich beim Kaufkraftverlust: minus 8,37 Prozent bei klassischen Verträgen stehen minus 11,93 Prozent bei fondsgebundenen gegenüber.

Warum der Vergleich hinkt

Ganz so einfach, wie es die Zahlen suggerieren, ist die Sache allerdings nicht. Das Analysehaus Analytics warnt selbst davor, daraus eine grundsätzliche Überlegenheit der klassischen Police abzuleiten, und ein Blick in die Datenstruktur zeigt, warum Vorsicht angebracht ist: Die fondsgebundenen Verträge in der Stichprobe sind im Schnitt deutlich kürzer gelaufen.

Bei den klassischen Policen überschritten 103 von 711 Verträgen die 30-Jahres-Marke, bei den fondsgebundenen nur 12 von 278. Anteilig macht die kürzeste Laufzeitgruppe bei den Fondspolicen entsprechend gut sechsmal so viel aus wie bei den klassischen. Da Bruttoertrag und Rendite über die Laufzeitgruppen hinweg ohnehin stark schwanken, dürfte ein Teil des beobachteten Unterschieds schlicht an dieser anderen Laufzeitstruktur liegen und nicht allein an der Anlageform.

Börsenzyklen und Zillmerung als weitere Erklärungsansätze

Zwei weitere Faktoren dürften mitspielen, auch wenn Snow Analytics sie nicht anspricht. Zum einen die Börsenphasen, in denen die Fondspolicen überhaupt liefen: Über drei Viertel der 278 Verträge haben eine Laufzeit zwischen zehn und 25 Jahren, bei einem Studienende im August 2026 wären das grob Abschlüsse zwischen 2000 und 2016. In diesen Zeitraum fallen Dotcom-Crash, Finanzkrise 2008/2009 und Euro-Schuldenkrise, bei später abgeschlossenen Verträgen zusätzlich Corona-Crash und Zinsschock 2022. Wie stark einzelne Verträge davon betroffen waren, lässt die Studie offen, ein struktureller Gegenwind für die Fondspolice in dieser Stichprobe liegt aber nahe.

Zum anderen die Zillmerung: Abschluss- und Vertriebskosten werden traditionell in den ersten Vertragsjahren verrechnet, was die Rendite zu Beginn drückt. Das würde erklären, warum ausgerechnet die kürzeste Laufzeitgruppe bei beiden Vertragsarten am schwächsten abschneidet, klassisch mit minus 6,49, fondsgebunden mit minus 4,02 Prozent Bruttoertrag pro Jahr. Auch dazu bleibt die Analyse bei der Feststellung, dass Kosten und Deckungsrückstellungen Teil des Geschäftsmodells sind.

Mantel und Geschäftsmodell sind zwei verschiedene Dinge

Für die Einordnung entscheidend ist noch eine zweite Unterscheidung, auf die Snow Analytics eigens hinweist: die zwischen Versicherungsmantel und Geschäftsmodell. Der Mantel legt fest, welcher Beitragsteil in die Kapitalanlage fließt und welcher etwa in eine Berufsunfähigkeitsabsicherung.

Ob am Ende auch das tatsächlich ankommt, was für die Kapitalanlage vorgesehen war, hängt zusätzlich vom Geschäftsmodell ab, konkret von Kosten und Deckungsrückstellungen, und das gilt für klassische wie fondsgebundene Verträge gleichermaßen. Diese Zahlungsströme im Einzelnen nachzuvollziehen sei Aufgabe individueller Gutachten, so das Analysehaus, nicht der vorliegenden Stichprobenstudie.

Eine Kennzahl mit Fragezeichen

Unübersichtlich wird es bei der realen, inflationsbereinigten Rendite. Im Mittel weist die Studie hier minus 31,96 Prozent für klassische und minus 24,67 Prozent für fondsgebundene Verträge aus, über die gesamte Laufzeit gerechnet, nicht pro Jahr. Bemerkenswert daran: Die fondsgebundene Police schneidet bei dieser Kennzahl real besser ab, obwohl sie beim eng verwandten Kaufkraftverlust schlechter liegt als die klassische. Hinzu kommt, dass die im Studientext genannten Medianwerte zu dieser Kennzahl der zugehörigen Grafik in der Reihenfolge der Vertragsarten widersprechen.

Bis Snow Analytics das aufklärt, sollte diese Zahl nur mit Vorsicht zitiert werden. Am Grundton der Studie ändert das jedoch nichts: Eine einzelne Kennzahl reicht nicht, um eine Vertragsart pauschal für besser oder schlechter zu erklären. Wer klassische und fondsgebundene Lebensversicherungen seriös vergleichen will, kommt kaum an der Frage vorbei, welcher Anteil des Beitrags am Ende wirklich für den Kunden arbeitet, und die beantwortet eine Stichprobenstudie allein nicht.


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