Spider-Man-Rekord: So verdienen Sony, Disney und Co. am Kinohit

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Spider-Man
Foto:stock.adobe.com/Claudio Caridi
Der Spider-Man-Erfolg zeigt, wie Sony, Disney, Imax und Lizenzpartner an einem globalen Blockbuster verdienen.

„Spider-Man: Brand New Day“ bricht an den Kinokassen Rekorde. Doch an dem Erfolg verdienen neben Sony auch Disney, Kinobetreiber und Spielzeughersteller. Für Anleger lohnt deshalb der Blick hinter die Kulissen der Blockbuster-Ökonomie.

Der Blockbuster Spider-Man demonstriert einmal mehr, welche wirtschaftliche Kraft ein erfolgreiches Filmfranchise entfalten kann. Der neueste Teil, Spider-Man: Brand New Day, hat mit 360 Millionen US-Dollar den Rekord für das höchste Einspielergebnis am Eröffnungswochenende erzielt. Nach nicht mal drei Wochen hat der Kino-Hit weltweit bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar eingenommen und ist damit erst der achte Film in der Geschichte, der diese Marke knacken konnte. In Deutschland spülte der Film bislang über 50 Millionen US-Dollar in die Kassen. Doch der Blockbuster ist nicht nur für Fans interessant. Er zeigt auch, wie eng die Filmwelt mit den Finanzmärkten verknüpft ist, von Sony und der Filmindustrie bis hin zu Disney und Spielzeugherstellern. Bei einem großen Hollywood-Film verdient nicht nur das Filmstudio selbst Geld. Um eine erfolgreiche Marke herum entsteht ein ganzes wirtschaftliches Ökosystem, das neben Filmen auch Videospiele, Kinos, Lizenzen, Spielzeug und weiteres Merchandise umfasst. Spider-Man ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Popkultur und Geschäftswelt miteinander verwoben sind.

Sony ist längst kein reiner Elektronikhersteller mehr

Sony, der Produzent des Films, stellt die direkteste Verbindung zwischen Spider-Man und den Finanzmärkten dar. Viele Menschen assoziieren das Unternehmen noch immer in erster Linie mit Unterhaltungselektronik, dabei hat sich das Geschäftsmodell im vergangenen Jahrzehnt grundlegend gewandelt. Etwa 36 Prozent der Sony-Umsätze stammen heute aus dem Gaming-Bereich, 17 Prozent aus Musik und 12 Prozent aus dem Filmsegment. Inhaltsbezogene Bereiche machen damit einen erheblichen Teil des Gesamtgeschäfts aus. Sony zählt zudem zu den größten Playern der globalen Spieleindustrie.

Sony ist ein bemerkenswertes Beispiel für ein Unternehmen, das den Rückgang eines Teils seines traditionellen Geschäfts erfolgreich kompensiert hat. Früher war Sony ein Synonym für Consumer Electronics; heute stützen sich die Ergebnisse maßgeblich auf Spiele, Musik, Filme und geistiges Eigentum. Genau diese starken Marken und Inhalte sind zu einigen der wichtigsten Vermögenswerte des Konzerns geworden. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren seine Gewinne schrittweise gesteigert, wenngleich der Umsatz langfristig eher stagniert. Die Aktie wird mit etwa dem 17-fachen Gewinn gehandelt, was ungefähr der Höhe des langjährigen Durchschnitts entspricht.

Bei der Produktion dieses Films darf allerdings The Walt Disney Company nicht außer Acht gelassen werden. Disney finanziert etwa ein Viertel der Produktionskosten und soll entsprechend etwa ein Viertel der Gewinne erhalten. Der Erfolg des Films kommt also nicht nur Sony zugute, sondern auch Disney. Der Erfolg von Brand New Day hat für Sony zudem symbolische Bedeutung: Mit dem Überschreiten der Zwei-Milliarden-Marke ist der Film nach weltweiten Kinoeinnahmen zum erfolgreichsten Film der Sony-Geschichte geworden.

Wir gehen seltener ins Kino – und wenn, wollen wir ein besonderes Erlebnis

Spider-Man kommt zu einem Zeitpunkt in die Kinos, an dem die Kinoökonomie einen grundlegenden Wandel durchläuft. Nach der Pandemie müssen Kinos nicht nur untereinander konkurrieren, sondern vor allem mit Streamingdiensten und einem nahezu unbegrenzten Heimunterhaltungsangebot. Die Kinobesuche sind insgesamt zurückgegangen. Ging ein Amerikaner im Jahr 2000 im Schnitt noch rund fünfmal pro Jahr ins Kino, lag diese Zahl 2023 bei weniger als dreimal. Laut der Filmförderungsanstalt haben 31 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung 2025 mindestens einmal ein Kino besucht. Ein Teil der Branche reagiert darauf mit einer Hinwendung zum Premium-Erlebnis.

Eines der interessantesten Beispiele ist IMAX. Obwohl IMAX weniger als ein Prozent der weltweit verfügbaren Kinosäle ausmacht, generiert das Format laut XTB-Daten rund 3,6 Prozent der gesamten Kasseneinnahmen. Menschen gehen seltener ins Kino, aber wenn sie es tun, sind manche von ihnen bereit, für ein hochwertigeres Erlebnis mehr zu bezahlen. Genau hier setzen Premium-Formate an. Kinos versuchen zunehmend, nicht über den Preis mit Streaming zu konkurrieren, sondern über etwas, das wir zu Hause schlicht nicht bekommen können.

Kinos investieren daher in bessere Bild- und Tonqualität, komfortablere oder verstellbare Sitze, Gastronomie und weitere Serviceleistungen. Statt die Besucherzahlen zu maximieren, zielt ein Teil des Marktes darauf ab, den Wert eines einzelnen Besuchs zu steigern. IMAX gehört zu den hochwertigsten Formaten, es entspricht einer analogen Bildqualität von 16K-Digitalauflösung und bietet überlegenen Klang. Weltweit gibt es nur zwölf Kameras, die in diesem Format aufnehmen können. Nur sechs vollwertige 70mm-IMAX-Kinos existieren in Europa, eines davon in Essen. Die Nachfrage nach diesen handgefertigten Kameras ist hoch – IMAX verleiht sie lediglich an Produzenten. Wenige Wochen zuvor hatte Christopher Nolans Die Odyssee diese Säle exklusiv bespielt; nach einiger Zeit begann auch Spider-Man dort zu laufen. Der Erfolg beider Filme hat die IMAX-Aktie auf ein Allzeithoch getrieben.

Eine interessante Rolle spielt auch die Generation Z. Für junge Menschen kann ein Kinobesuch ein soziales Ereignis sein, soziale Medien, die ursprünglich als Konkurrenz für die Filmbranche galten, können im Gegenteil Communitys, Trends und FOMO rund um neue Releases erzeugen.

Spider-Man verdient auch nach dem Kinobesuch weiter Geld

Der wirtschaftliche Wert einer starken Filmmarke endet nicht mit dem Ticketverkauf. Merchandising, Spiele und Lizenzen sind ein bedeutender Teil des Geschäfts. Im Fall von Spider-Man sind die Rechte auf mehrere Unternehmen verteilt. Sony besitzt die Filmrechte, während die Rechte an Konsumgütern und Merchandise bei Marvel liegen, das wiederum Disney gehört. Zum Ökosystem zählen auch Unternehmen wie Hasbro, die Actionfiguren, Spielzeug und andere lizenzierte Produkte produzieren.

Spider-Man ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie komplex die wirtschaftliche Landschaft einer einzelnen globalen Marke sein kann. Filme, Spiele, Spielzeug und weitere Produkte generieren ihre Umsätze nicht zwingend beim selben Unternehmen. Für Anleger ist es daher wichtig zu wissen, nicht nur welche Marke erfolgreich ist, sondern auch wer die einzelnen Rechte hält und welchen Anteil diese am gesamten Geschäft des jeweiligen Unternehmens ausmachen.

Zwei Milliarden an der Kinokasse sind noch kein Kaufargument für Aktien

Auch wenn Spider-Man Milliardenumsätze generieren kann, ist beim Investieren Augenmaß gefragt. Sony erzielt jährliche Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich – selbst ein einzelner außergewöhnlich erfolgreicher Film bestimmt daher nicht den langfristigen Wert des gesamten Unternehmens. Hinzu kommt: Die Finanzmärkte reagieren auf Erwartungen. Ist der Erfolg eines Films erst einmal offensichtlich, sind die positiven Nachrichten häufig bereits im Kurs eingepreist.

Ein erfolgreicher Film ist noch keine Investitionsthese. Wer Aktien kauft, sollte seine Entscheidung nicht darauf stützen, dass ein einzelner Titel zwei Milliarden Dollar eingespielt hat. Weit wichtiger ist, ob ein Unternehmen seine Marken wiederholt monetarisieren kann, wie Umsatz und Gewinn wachsen, wie die Margen aussehen, welche Perspektiven das Unternehmen hat und zu welchem Preis die Aktie gehandelt wird. Spider-Man ist aus Anlegerperspektive vor allem eine anschauliche Illustration dafür, wie sich hinter einem einzigen Blockbuster eine ganze Kette börsennotierter Unternehmen und verschiedener Geschäftsmodelle verbirgt. Und er erinnert daran, dass ein erfolgreiches Produkt und eine gute Investition nicht zwingend dasselbe sind.

Autor Jens Klatt ist Marktanalyst beim Online-Broker XTB.


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