Drei Börsengänge auf einmal: SpaceX soll unter dem Ticker SPCX an der Nasdaq gelistet werden, mit einer erwarteten Platzierung von 40 bis 80 Milliarden US-Dollar und einer Unternehmensbewertung von 1,75 bis zwei Billionen US-Dollar. Als frühestmöglicher Starttermin gilt der 12. Juni – ein Datum, das als Beginn des größten Börsengangs der Geschichte in Erinnerung bleiben könnte. OpenAI peilt ein IPO im vierten Quartal 2026 an, Anthropic könnte kurz vor Jahresende folgen. In der Summe geht es um rund drei bis 3,4 Billionen US-Dollar – ein Volumen, das die Zusammensetzung der großen Aktienindizes nachhaltig verändern dürfte.
„Aus den Magnificent Seven werden bald die Magnificent Ten“, sagt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei Ethenea Independent Investors S.A. „Das wird eine Indexkonzentration, wie wir sie zuletzt in den 1930er-Jahren gesehen haben.“
Die Magnificent Seven machen heute rund 34 Prozent des S&P 500 aus. Mit SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten daraus Magnificent Ten mit einem Indexgewicht von rund 40 Prozent werden – ein Ausmaß an Konzentration, das die Diversifikationswirkung passiver Investments grundlegend in Frage stellt.
Indexanbieter ändern die Aufnahmeregeln
Die klassischen Aufnahmebedingungen der großen Indizes wurden für Unternehmen dieser Größenordnung nicht konzipiert. Zwölf Monate Wartezeit nach dem Börsengang, Profitabilitätsnachweis, Mindestquoten für den Streubesitz – diese Anforderungen gelten für reguläre Neuemissionen. Für Konzerne, die bereits am ersten Handelstag unter den zehn größten US-Unternehmen rangieren könnten, passen sie nicht mehr.
Die Indexanbieter haben reagiert. Der Nasdaq 100 hat seit dem 1. Mai 2026 eine neue Fast-Entry-Regel eingeführt: Wer nach sieben Handelstagen unter den Top 40 nach Marktkapitalisierung liegt, kann bereits nach 15 Handelstagen aufgenommen werden. Die frühere Wartefrist entfällt, ebenso wie die Mindestanforderung von zehn Prozent für frei verfügbare Aktien – Titel mit geringem Streubesitz werden beim Indexgewicht gedeckelt. „Die Indexanbieter rollen den roten Teppich aus“, sagt Held. „Die Regeln werden auf Unternehmen zugeschnitten, die für normale IPO-Standards schlicht zu groß sind.“
Beim S&P 500 wird aktuell an ähnlichen Anpassungen gearbeitet: Die Wartefrist nach dem Börsengang soll von zwölf auf sechs Monate halbiert werden, für Mega-Caps sollen die Streubesitzregeln und sogar die Profitabilitätsanforderung entfallen. Auch FTSE Russell prüft eine beschleunigte Indexaufnahme.
Milliardenschwere Zwangskäufe für ETF-Anleger
In der ETF-dominierten Anlagewelt sind die Konsequenzen direkt spürbar. Indextracker machen 25 bis 30 Prozent des täglichen Handelsvolumens im S&P 500 aus. Sobald die Aufnahme eines Titels bestätigt ist, müssen sie die neuen Komponenten kaufen – unabhängig vom Kurs. Bei drei Neuaufnahmen dieser Größenordnung geht es um Zwangskäufe im zweistelligen Milliardenbereich.
„Wer eine Allokation in diesen Namen bekommt, sitzt auf einem raren Gut“, sagt Held. „Alle anderen werden den passiven Aufschlag zahlen müssen – und damit die Buchbewertungen der Altaktionäre nach oben treiben.“
Für Anleger, die breit gestreut und passiv investieren, bedeutet das eine strukturelle Verschiebung: „Wer passiv investiert, kauft nicht nur den Markt. Er kauft zunehmend die Indexkonzentration weniger Mega-Caps mit“, ordnet Held ein.
Was aktive Manager jetzt prüfen sollten
Für aktive Investoren ergeben sich aus dieser Gemengelage konkrete Fragen: Wo entstehen durch Indexflüsse, Neubewertungen und Gewichtsverschiebungen Chancen – und wo neue Risiken? „Es geht nicht darum, der größten Story blind hinterherzulaufen. Für uns geht es darum, frühzeitig zu prüfen, wo Indexflüsse, Neubewertungen und relative Gewichtsverschiebungen Chancen oder Risiken schaffen, die wir proaktiv und flexibel nutzen, um Mehrwert für unsere Anleger zu schaffen. Das ist unser Anspruch und das, was aktives Management für Anleger – im Gegensatz zum Index-Tracking – leisten sollte“, sagt Held.
Bei Ethenea setzt man auf eine gezielte Positionierung vor dem IPO. „Wir halten aktuell an selektiven Fang+-Namen fest und werden die Positionierungen deutlich vor dem SpaceX-IPO erneut prüfen“, ergänzt Held. „In den für den Börsengang von SpaceX beauftragten Konsortialbanken sind wir auch mit Blick auf die zu erwartenden zusätzlichen Markttransaktionen bereits stark positioniert. Darüber hinaus profitierten unsere Investoren indirekt durch die stark hochlaufenden Bewertungen der Space-Namen, in denen wir schon exponiert sind.“














