Mehr als neun von zehn Trading-Videos auf TikTok sind nach einer Analyse des Vergleichsportals BrokerChooser potenziell irreführend oder schädlich. Für die Untersuchung wurden 100 der beliebtesten Trading-Videos von Finfluencern auf der Plattform ausgewertet. Demnach traf dies auf 93 Prozent der untersuchten Inhalte zu.
Nur zwei Prozent der Videos enthielten einen angemessenen Risiko- oder Haftungshinweis. Hinweise auf mögliche Kapitalverluste, die Risiken gehebelter Geschäfte oder die begrenzte Aussagekraft vergangener Wertentwicklungen fehlten damit fast vollständig.
„Ohne solche Warnhinweise lässt sich selbst gehebeltes Trading als risikoarmer und unkomplizierter Weg zum Gewinn darstellen, ohne dass Volatilität oder die Möglichkeit von Verlusten überhaupt zur Sprache kommen. Das wirft ernsthafte Fragen dazu auf, wie gut Social-Media-Nutzer eigentlich geschützt sind, gerade angesichts der Geschwindigkeit und der Masse, in der Finanzinhalte online konsumiert werden“, erklärt Adam Nasli, Chefanalyst bei BrokerChooser.
Trading-Videos werben häufig für Finanzprodukte
Nach Angaben des Portals bewerben 58 Prozent der untersuchten Videos ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung oder versuchen, diese zu verkaufen. Dazu zählen unter anderem Trading-Kurse und vermeintliche Handelssysteme. Für Nutzer ist dabei nicht immer erkennbar, welche wirtschaftlichen Interessen hinter den Empfehlungen stehen.
Eine Erhebung der Finanzaufsicht Bafin zeigt, dass mehr als die Hälfte der 18- bis 45-jährigen Anleger bereits Finanzinformationen von Finfluencern erhalten hat. Rund die Hälfte davon kaufte anschließend das empfohlene Produkt. 60 Prozent der Befragten betrachten soziale Medien als gute Alternative zu einer professionellen Beratung.
Zugleich wissen laut Bafin 37 Prozent der jungen Anleger nicht, dass Finfluencer für Empfehlungen regelmäßig bezahlt werden. Die Behörde zählt den Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten daher zu den zentralen Verbraucherrisiken des Jahres 2026. Im Jahr 2025 veröffentlichte sie rund 100 Warnungen vor unseriösen oder betrügerischen Chat-Gruppen, vor allem auf WhatsApp. Finfluencer selbst beaufsichtigt die Bafin allerdings nicht unmittelbar.
Gewinne und Luxus statt nachvollziehbarer Informationen
In 40 Prozent der untersuchten TikTok-Videos präsentieren Finfluencer laut BrokerChooser Gewinne oder einen luxuriösen Lebensstil, ohne nachvollziehbar zu erläutern, wie sie diese Ergebnisse erzielt haben. Lediglich zehn Prozent der Videos lieferten dazu nähere Erklärungen.
Fundierte Trading-Informationen fanden sich der Auswertung zufolge nur in 15 Prozent der Beiträge. Die übrigen 85 Prozent setzten vor allem auf Lifestyle-Bilder, Motivationssprüche oder Versprechen schnellen Reichtums. Häufig fehlten sowohl Risikohinweise als auch Angaben zu den Qualifikationen der Urheber.
„So entsteht ein verzerrtes Bild: Trading wird als schneller und einfacher Weg zur finanziellen Freiheit dargestellt statt als das komplexe, hochriskante Geschäft, das es in Wirklichkeit ist“, warnt Nasli. Unter dem Schlagwort „FinTok“ finden sich seinen Angaben zufolge rund 155.000 Beiträge auf TikTok, während Inhalte unter „MoneyTok“ mehr als 3,2 Millionen Aufrufe verzeichnen.
















