Die wöchentliche Chartanalyse zeigt ein bemerkenswertes Phänomen: Das Verhältnis zwischen Margin-Schulden und verfügbarem Bargeld in US-Brokerage-Konten verschärft sich kontinuierlich. Seit 2012 haben diese Konten systematisch mehr Hebelwirkung aufgebaut. Doch die aktuelle Entwicklung verdient eine genaue Betrachtung.
Zwischen 2012 und 2021 lagen die Zinssätze nahe null – der Preis für Fremdkapital war vernachlässigbar. Das hat sich grundlegend geändert. Umso auffälliger: Die Kurve steigt weiter steil an, obwohl sich die Kreditkosten deutlich erhöht haben. Investoren borgen sich mehr Geld denn je.

Zwei Kräfte treiben die Euphorie
Zwei Faktoren sind am Werk. Da ist zunächst der „Fed Put“: Wenn Zentralbanken Märkte immer wieder stützen, gelten Aktien zunehmend als risikolos. Hinzu kommt die Erwartung von Wachstum durch die KI-Revolution. Die erforderlichen Investitionen sind dabei atemberaubend – gigantische Summen fließen in den Bau immer leistungsfähigerer Modelle, in der Hoffnung, irgendwann eine technologische Dividende zu realisieren. Zugleich zeigt sich: Open-Source-Alternativen aus China bleiben den Frontier-Modellen nur um wenige Monate hinterher und sind erheblich günstiger.
Jeder externe Schock könnte reichen – und dann kommt die Fed
In einem derart gespannten Markt kann schon jeder externe Schock zu einem rapiden Rückbau führen. Die gegenwärtige Instabilität auf dem Ölmarkt könnte sich als dieser Trigger erweisen. Deshalb dürften restriktive Aussagen der Notenbank bald schon an Gewicht verlieren. Ein dovischer Pivot der Fed – möglicherweise sogar eine Rückkehr von Liquiditätsspritzen – könnte näher bevorstehen als derzeit gedacht. Ein solcher Schritt wäre ein mächtiger Rückenwind für Gold und vor allem für Bitcoin.
Autor Marc de Ligneris ist Senior Portfoliomanager bei CoinShares.














