6. März 2017, 07:03
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Regulierung der Honorarberatung: Desaster oder wichtiger Schritt?

“Die wettbewerbliche Koexistenz von Honorar und Provision ist marktwirtschaftlich ein starkes Argument und mit Sicherheit auch aus Sicht des Verbraucherschutzes sinnvoll, denn Wettbewerb ist in einer Marktwirtschaft stets der beste Verbraucherschutz”, erklärt Ulf Niklas, Sprecher der Bundesinitiative der Honorarberater.

Es sollte jedoch sichergestellt werden, dass der Kunde in einem Honorar-Provision-Mischmodell nicht übervorteilt werden kann, mahnt Niklas. Rückenwind erhoffen sich die meisten deutschen Honorarberater von den anstehenden Umsetzungen der europäischen Richtlinien “Marktes in Financial Instruments Directive” (Mifid II) und “Insurance Distribution Directive” (IDD) in deutsches Recht.

Rückenwind durch IDD und Mifid II

“Die Entwicklung der Honorarberatung in den kommenden fünf bis zehn Jahren hängt letztlich von der Umsetzung der IDD- und Mifid II-Richtlinien ab”, sagt Honorarkonzept-Geschäftsführer Britt.

“Sie wird dem Thema mehr Sichtbarkeit verschaffen und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wird sich erhöhen”, glaubt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Berliner Quirin Privatbank. “Auch die klaren Begrifflichkeiten im aktuellen Regierungsentwurf zum Finanzmarktnovellierungsgesetz gehen in die richtige Richtung.”

Der Entwurf unterscheidet zwischen “unabhängiger Honoraranlageberatung” und “abhängiger Anlageberatung” gegen Provision. “Auch die klare Trennung zwischen der unabhängigen Beratung gegen Honorar und der von Provisionen abhängigen Beratung in der IDD wird zu mehr Transparenz und einer erhöhten Nachfrage nach Honorarberatung führen”, so Schmidt.

Unabhängige Finanzberatung statt Honorarberatung

Finanzberater Frommholz erhofft sich durch die neuen Bezeichnungen einen positiven Effekt: “Meines Erachtens wird der Begriff Honorarberatung Stück für Stück in der Versenkung verschwinden und durch ‘unabhängige Finanzberatung’ ersetzt werden. Damit verschwindet auch der verwirrende Begriff, denn kein Honorarberater berät über Honorar.”

Der Großteil der von Cash. befragten Vertreter der Honorarberatung glauben – nicht zuletzt wegen der anstehenden Regulierungen – an das Potenzial der alternativen Vergütungsform. Sie gehen davon aus, dass ihr Marktanteil sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf 15 bis 20 Prozent erhöhen könnte. (jb)

Foto: Shutterstock

Mehr zum Thema Honorarberatung:

“Bei der Regulierung im Finanzbereich versagt der Staat fast immer”

“Provisionsvergütung ist ein Auslaufmodell”

“Wettbewerb zwischen Honorar und Provision ist der beste Verbraucherschutz”

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1 Kommentar

  1. Der Begriff “unabhängige Finanzberatung” macht meiner Meinung nur dann Sinn, wenn dieser geschützt wird.

    Gerne bezeichnen sich “strukturierte Finanzoptimierter” als unabhängig und branchenneutral.

    Ganz unabhängig sind diese jedoch nicht, i.d.R. sind es im Mehrfachagenten und Sachwertvermittler. Daraus resultiert ein eingeschränktes Portfolio an Assets. Teilweise beschränkt auf Produkte und “Marken” der Hauptgesellschaft.

    Auch sollte von Unabhängigkeit nicht gesprochen werden, wenn der Fokus auf Produkte mit hohen Provisionserlösen liegt. Werden Immobilien und AIF’s vermittelt kommen neben Kosten für Maklercourtage und Agio’s noch üppige Innenprovisionen.

    Wünschenswert wäre “unabhängige Finanzberatung” die an ein Provisionsannahmeverbot geknüpft ist. Nur glaube ich nicht, dass sich strukturierte Unternehmen davon beeindrucken lassen. Sie würden eines Ihrer Vorteile gegenüber Banken und Versicherungen aus der Hand geben.

    Kommentar von Michael W. Beyer — 13. März 2017 @ 12:50

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