17. Mai 2016, 11:17
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Baufinanzierungszinsen in stabiler Seitwärtsbewegung

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer jüngsten Sitzung am 21. April keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Die Baufinanzierungszinsen befinden sich daher nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau. Der Bestzins für 10-jährige Hypothekendarlehen liegt Anfang Mai bei 1,08 Prozent. Gastkommentar von Stephan Gawarecki, Dr. Klein

Dr -Klein-Stephan-Gawarecki in Baufinanzierungszinsen in stabiler Seitwärtsbewegung

“Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer werden in den kommenden Wochen weiterhin äußerst attraktive Finanzierungskonditionen vorfinden.“

Um die Inflation und Konjunktur in Europa anzukurbeln hat die EZB auf ihrer April-Sitzung den Leitzins unverändert auf seinem Tiefststand von 0,0 Prozent belassen. Der Strafzins für Banken, den sie für ihr bei der EZB geparktes Geld zahlen, blieb bei -0,4 Prozent. Darüber hinaus habe die EZB begonnen ihr Anleihekaufprogramm auf 80 Milliarden Euro pro Monat aufzustocken.

Notenbank-Chef Draghi wies darauf hin, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen oder sogar einem niedrigeren Niveau blieben und die Notenbank ihr Mandat voll ausnutzen werde.

Kritik aus Deutschland

Auf Kritik aus Deutschland hinsichtlich einer möglichen Mandatsverletzung der EZB erwiderte Draghi, dass es Aufgabe der Notenbank sei, die Preisstabilität für die gesamte Euro-Zone zu sichern, nicht nur für Deutschland. Die EZB sei unabhängig und folge dem Gesetz, nicht Politikern.

Im Frühjahr haben sich einige Indikatoren für die Euro-Zone aufgehellt. So hat sich das Wachstumstempo im ersten Quartal auf 0,6 Prozent verdoppelt, die Arbeitslosenquote fiel mit 10,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2011. Die Verbraucherpreise gingen jedoch im April um 0,2 Prozent zurück und sind somit nach wie vor weit von der Preisstabilitätsgrenze der EZB, die bei zwei Prozent liegt, entfernt.

Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken.

Ziko Mai 2016 in Baufinanzierungszinsen in stabiler Seitwärtsbewegung

Fed: Spekulationen um Leitzins

Auf ihrer Sitzung am 27. April hat sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nicht deutlich zu einer weiteren Leitzinserhöhung geäußert. Fachleute gehen aufgrund der optimistischeren Äußerungen unter anderem hinsichtlich des US-Arbeitsmarktes davon aus, dass die Fed noch in diesem Jahr ein bis zwei Zinsanhebungen durchführen wird. Dies würde die im Dezember 2015 eingeläutete Zinswende fortsetzen.

Gute Nachrichten für Immobilienkäufer

Immobilienkäufer und Anschlussfinanzierer werden in den kommenden Wochen weiterhin äußerst attraktive Finanzierungskonditionen vorfinden. Dies beruht auf der Fortsetzung der expansiven Geldpolitik der EZB. Da auch von der US-Notenbank kein klares Votum zu einer Leitzinserhöhung kam, erwarten wir auf kurze bis mittlere Sicht schwankend niedrige Baufinanzierungszinsen.

Um das Zinsänderungsrisiko zu vermeiden, sollten Immobilienkäufer für ihren Kredit eine lange Zinsbindung wählen. 20-jährige Zinsbindungen zum Beispiel gibt es bei einem gewissen Eigenkapitaleinsatz der Kunden gegenwärtig bereits für unter zwei Prozent. Mit einer hohen Tilgung kann das Darlehen dann schneller reduziert werden.

Forward-Darlehen erreichen Rekordwert

Hausbesitzer, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, treffen derzeit ebenfalls auf ein attraktives Umfeld. Wir stellen fest, dass im März der Anteil an Forward-Darlehen einen neuen Rekordwert erzielt hat – die Tendenz wird anhalten.

Politische Unsicherheit

Die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen wird von verschiedenen weltpolitischen Ereignissen beeinflusst. Ein Thema, das die Schlagzeilen beherrscht, ist der sogenannte Brexit. Ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – das EU-Referendum findet am 23. Juni statt – hätte weitreichende Folgen, da etablierte Handelsbeziehungen angepasst werden würden.

Unsicherheit besteht auch hinsichtlich der impulslosen Weltkonjunktur, der weiterhin niedrigen Rohölpreise und einem möglichen Wiederaufflammen der Griechenlandkrise. Die Auswirkung der Flüchtlingskrise auf die Wirtschaft ist ebenso schwer einzuschätzen.

Stephan Gawarecki ist Vorstandssprecher der Dr. Klein & Co. AG, Lübeck

Foto: Dr. Klein

 

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