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10. August 2012, 19:00
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Private Equity – das Dossier zum Thema

Trotz erfolgreicher Exits in den Portfoliounternehmen der Fondsgesellschaften, historisch günstigen Einkaufsmöglichkeiten und konservativen Eigenkapitalkonzeptionen finden die Beteiligungsangebote bei Bankberatern und Anlegern verhaltenen Anklang.

Alexander Krohn Ernst-Young--127x150 in Private Equity - das Dossier zum Thema

Alexander Krohn, Ernst & Young

Zweimal im Jahr untersucht die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, den deutschen Private-Equity-Markt. Der Blick auf das Halbjahresergebnis 2012 stimmt dabei zunächst nicht sonderlich optimistisch: Die Zahl der Unternehmensverkäufe aus den Portfolios von Finanzinvestoren – im Fachjargon „Exit“ genannt – sanken nach Angaben von Ernst & Young im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 deutlich von 45 auf 24. Entsprechend fielen die erzielten Erlöse im Vergleichszeitraum von 8,7 auf 5,1 Milliarden Euro. Der Exit-Kanal Börsengang wurde im ersten Halbjahr dieses Jahres erwartungsgemäß nicht genutzt. Die Verunsicherung an den Finanzmärkten durch die europäische Schuldenkrise ist nach wie vor zu groß. „Ein nachhaltiger Aufschwung auf dem deutschen Private Equity-Markt lässt weiter auf sich warten, der Markt fährt nach wie vor mit angezogener Handbremse“, kommentiert Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei Ernst & Young in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Research-Ergebnisse seines Hauses.

„Aber schon auf mittlere Sicht gibt es gute Chancen, dass wieder mehr Schwung in das Geschäft der Private-Equity-Gesellschaften kommt. Dafür sprechen neben der Rentabilität des Geschäftsmodells und dem hohen Anlagedruck auch das Interesse der Investoren am deutschen Markt – gerade die mittelständischen Unternehmen stehen im Fokus “, berichtet Kron.

Unter ihnen sind auch einige Initiatoren geschlossener Private-Equity-Fonds, die sich genau diesem Segment verschrieben haben und Direktinvestitionen für ihre Beteiligungsangebote tätigen. Darunter vor allem die beiden Emissionshäuser HMW und Fidura. Andere Initiatoren wie RWB, BVT und Wealth Cap verfolgen dagegen Dachfondsstrategien und treten als Co-Investoren großer international ausgerichteter Private-Equity-Gesellschaften auf.

Trotz erfolgreicher Exits in sämtlichen Fondsgesellschaften und anderer positiver Nachrichten aus der Beteiligungsbranche sowie krisenbedingt gesunkener Erwerbs-Multiples für Unternehmen wollen sich weder private noch institutionelle Anleger in erhofftem Umfang von der antizyklischen Investitionsstrategie überzeugen lassen: Insbesondere der Bankenvertrieb ist seit Anfang des Jahres nach Beobachtungen der Plattform Efonds 24 um knapp 65 Prozent zurückgegangen. Ob begründet oder nicht – bieten Sie ihren Kunden mit dem Argument der höheren Sicherheit lieber Deutschlandimmobilien im Fondsmantel an.

Vor allem die anhaltend schwierige Wirtschaftslage rund um den Globus trübe die Stimmung auf dem deutschen Beteiligungsmarkt ein. Der Geschäftsklimaindex, den BVK und KfW gemeinsam ermitteln, ist vom ersten zum zweiten Quartal 2012 regelrecht eingebrochen und sank um 19,4 Zähler auf nun 23,4 Punkte. Das ist der zweitstärkste Rückgang des Barometers seit Erhebungsbeginn im Jahr 2003. Damit liegt damit deutlich unter seinem historischen Mittelwert von 35,9 Punkten.

Stimmungsaufhellend dürfte sich auch nicht der mit 545 Seiten ungewöhnlich lange Diskussionsentwurf zur Umsetzung der AIFM-Richtlinie ausgewirkt haben, dessen Inhalte am 20. Juli 2012 veröffentlicht wurde. Sollte er in der vorliegenden Fassung verabschiedet werden, dürfte es zum Stichtag der Richtlinienumsetzung ab 23. Juli 2013 keine direkt investierenden Private-Equity-Fonds für Privatanleger mehr geben. Nach Auffassung des Branchenverbandes BVK würde dann nicht nur die Produkt- und Anbieterlandschaft grundlegend geändert: „Die im Diskussionsentwurf des Bundesfinanzministeriums derzeit vorgesehene Produktregulierung würde die Investitionsmöglichkeiten in Deutschland einschränken und zu einer Schwächung der Mittelstandsfinanzierung führen“, betont Matthias Kues, Vorstandsvorsitzender des BVK und ergänzt: „Nach dem Entwurf sollen einerseits Private-Equity-Fonds überwiegend in sogenannte nicht-Finanzinstrumente investieren. Diese Regelung kann dazu führen, dass Private-Equity-Fonds im europäischen Ausland aufgelegt werden, wo diese Beschränkungen nicht bestehen. Gleichzeitig sollen laut Entwurf nur professionelle Anleger in Private-Equity-Fonds investieren können. Gerade im Bereich Venture Capital und bei Mittelstandsfinanzierungen ist das Engagement von Privatpersonen oder Family-Offices allerdings von großer Bedeutung. Neue Fonds mit neuen Investoren bringen Marktvielfalt. Dieses wird durch den derzeitigen Entwurf verhindert“ meint Kues.

Wie er gehen auch die Vertreter anderer Verbände wie dem VGF, BVI und ZIA davon aus, dass das Gesetzgebungsverfahren bereits unmittelbar nach der parlamentarischen Sommerpause angeschoben wird und das neue Kapitalanlagegesetzbuch vermutlich im Oktober 2012 verabschiedet wird. Viel Zeit bleibt den Lobbyisten damit nicht, Änderungsvorschläge im Interesse ihrer jeweiligen Klientel auszuarbeiten und den Entscheidungsgremien zu unterbreiten.

Andererseits benötigen die Anbieter aller Kapitalanlageprodukte, darunter nicht zuletzt die Initiatoren direkt investierender Private-Equity-Fonds Vorlauf, um Beteiligungsangebote zu kreieren, die auch noch nach dem 23. Juli 2013 vertrieben werden dürfen. Was Investoren, Produktanbieter und Vertriebe gleichermaßen und möglichst bald benötigen, ist Rechtssicherheit. Dann können sie die Handbremse lösen und durchstarten. Vermutlich werden dann auch die Banken sukzessive ihr Vertriebsangebot an geschlossenen Fonds erweitern. Ob die Assetklasse Private Equity gleich dabei sein wird, lässt sich schwer prognostizieren. Die beiden erfolgreichsten Emissionshäuser der Branche, HMW und RWB, waren ohnehin noch nie auf den Produktabsatz über den Bankschalter angewiesen. Den anderen bleibt das Vertrauen darauf, dass sich auch in 2012 das vierte Quartal als das platzierungsstärkste des Jahres erweisen wird. (af)

Foto: Ernst & Young

Sie möchten die aktuellen Entwicklungen im Bereich Private Equity nachverfolgen? Finden Sie hier die Berichterstattung der letzten Monate in chronologischer Reihenfolge:

18. Juli 2012: BVT-CAM-Dachfondsserie wird mit neuem Schwerpunkt fortgesetzt

11. Juli 2012: Fidura veröffentlicht Leistungsbilanz und erhält BaFin-Freigabe für vierten Fonds

11. Mai 2012: RWB setzt auf Secondaries – Private-Equity-Kurzläufer emittiert

13. April 2012: Private Equity: „Kein Gießkannenansatz“

2. März 2012: Swisslake: Deutsches Betongold bei internationalen Institutionellen weiter vorn

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