Als Assekurata 1996 startete, befand sich der Markt mitten im Umbruch der Deregulierung: mehr Wettbewerb, vielfältigere Produkte, breitere Vertriebswege. Heermann liefert dazu die Zahlen: Erzielten die deutschen Erstversicherer damals rund 115 Milliarden Euro Beitragseinnahmen bei Kapitalanlagen von knapp 600 Milliarden Euro, stehen heute über 250 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und rund 1,9 Billionen Euro verwaltetes Kapital zu Buche, verteilt auf etwa 500 Millionen Verträge – statistisch sechs pro Einwohner.
Lebensversicherung im Spannungsfeld
Besonders deutlich zeigt sich der Umbruch in der Lebensversicherung. Von der klassischen, garantiestarken Altersvorsorge der 1990er-Jahre bis zum heutigen Geschäft war es ein weiter Weg: Dotcom-Blase, Finanz- und Eurokrise sowie die lange Niedrigzinsphase setzten vor allem Anbietern mit Altbeständen zu. Die 2011 eingeführte Zinszusatzreserve band erhebliche Mittel, während Neue Klassik, Hybridmodelle und fondsgebundene Rentenversicherungen das Neugeschäft prägten.
Inzwischen hat sich die Lage laut Heermann wieder verbessert: höhere Neuanlagerenditen, ZZR-Rückflüsse und robuste Solvenzquoten verschaffen den Lebensversicherern mehr Spielraum. Belastend bleiben jedoch stille Lasten in den Anleihebeständen sowie ein Neugeschäft, das fast nur noch über Einmalbeiträge wächst.
Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ab 2027 erwartet der Autor neue Marktdynamik, wenn sich Lebensversicherer stärker gegen Depot-, Fonds- und Plattformangebote behaupten müssen. Sein Fazit: Garantien allein tragen den Vertragsabschluss nicht mehr. Gefragt sind Kapitalmarktchancen, Kostendisziplin und eine nachvollziehbare Produktmechanik, wie sie auch die europäische Value-for-Money-Diskussion einfordert.
PKV: Qualität zeigt sich erst über Jahre
Auch die private Krankenversicherung hat laut Heermann einen spürbaren Wandel durchlaufen. Themen wie Versicherungspflichtgrenze, Basistarif, Unisex-Tarife und Beitragsanpassungen hielten die Branche regulatorisch unter Druck. Nach Jahren rückläufiger Bestände in der Vollversicherung meldet er zuletzt wieder Wachstum, während Zusatzversicherungen – allen voran die betriebliche Krankenversicherung – deutlich an Bedeutung gewonnen haben.
Steigende Leistungsausgaben, demografischer Wandel und medizinischer Fortschritt sorgen weiterhin für Druck auf der Ausgabenseite, verstärkt durch die anstehende Neuordnung der Gebührenordnung für Ärzte. Parallel haben sich digitale Gesundheitsservices und Telemedizin zu festen Bestandteilen der Kundenbeziehung entwickelt. Entscheidend für die Qualität eines Tarifs sei am Ende nicht der Einstiegsbeitrag, sondern seine Tragfähigkeit über Jahrzehnte – eine Einschätzung, die unabhängige Ratings nach Heermanns Lesart erst ermöglichen.
Schaden/Unfall: Von der Regulierung zur Risikosteuerung
In der Schaden- und Unfallversicherung macht der Autor besonders die Wohngebäudeversicherung als Beispiel stark: Aus dem einstigen Bestandsgeschäft sei längst eine Sanierungs- und Präventionssparte geworden. Seit der GDV im Jahr 2002 mit entsprechenden Erhebungen begonnen hat, verursachen Elementargefahren wie Starkregen und Überschwemmung im Schnitt rund zwei Milliarden Euro versicherte Schäden pro Jahr – mit steigender Tendenz. Gleichzeitig entstehen weiterhin Neubauten in überschwemmungsgefährdeten Gebieten, während viele Bestandsgebäude baulich nicht auf die wachsenden Risiken vorbereitet sind.
Eine ähnliche Entwicklung sieht Heermann bei der noch jungen Cyber-Versicherung, die binnen 30 Jahren von einer Randerscheinung zu einem zentralen Baustein der Unternehmensabsicherung wurde. Auch die Kfz-Versicherung habe sich verändert: Steigende Reparatur- und Ersatzteilkosten, komplexere Fahrzeugtechnik und Telematikdaten erschweren die Kalkulation und werfen neue Verteilungsfragen auf.
Regulierung ohne automatischen Klarheitsgewinn
Den Bogen zur Gegenwart schlägt Heermann über die Regulatorik: Solvency II, IDD, PRIIPs, SFDR, CSRD, DORA und der AI Act haben Kapitalanforderungen, Vertrieb, Nachhaltigkeit, IT-Resilienz und den Einsatz künstlicher Intelligenz zunehmend reguliert. Mehr Regeln bedeuteten aber nicht automatisch mehr Transparenz, warnt er – eine Solvenzquote könne formal korrekt sein und trotzdem wenig über das tatsächliche Geschäftsmodell eines Anbieters aussagen.
Auch die Marktstruktur selbst hat sich verschoben: Die Zahl der Versicherungsunternehmen ist langfristig gesunken, während neue Geschäftsmodelle entstanden sind. Für Kunden und Vermittler sei dadurch ein Markt entstanden, der zwar leistungsfähiger wirke, aber oft schwerer zu durchschauen sei.
Fazit: Externe Urteile verringern das Informationsgefälle
Versicherung bleibe, so Heermann, immer ein Geschäft mit Informationsgefälle: Der Kunde zahlt für ein Leistungsversprechen, dessen tatsächliche Qualität sich oft erst Jahre später zeigt. Vermittler könnten Bilanzen nicht selbst prüfen, Medien suchten nach Orientierung, wenn Debatten über Beitragssteigerungen oder Elementarschäden aufflammen. Externe Ratings könnten dieses Gefälle verringern, weil sie Anbieter zur Offenlegung zwingen und Finanzstärke sowie Kundenorientierung in einen Gesamtzusammenhang einordnen.
Sein Schlusssatz zum Jubiläum: Der Versicherungsmarkt von heute sei mit dem von 1996 kaum noch vergleichbar – neue Risiken, Produkte, Technologien und Regulierung hätten ihn tiefgreifend verändert. Geblieben sei der Bedarf an Orientierung, den sichtbar zu machen auch künftig die zentrale Aufgabe bleibe.













