Für alternative Investmentfonds gelten seit dem 16. April neue Vorgaben zum Liquiditätsmanagement. Grundlage ist die EU-Richtlinie AIFM II, die in Deutschland durch das Fondsrisikobegrenzungsgesetz umgesetzt wurde. Ziel ist es, kurzfristige Mittelabflüsse und sogenannte Fund Runs besser zu begrenzen.
Betroffen sind unter anderem offene Immobilien-Publikumsfonds sowie offene Immobilien-Spezialfonds. Fondsmanager sind nun verpflichtet, für jeden offenen Fonds mindestens zwei Liquiditätsmanagement-Instrumente auszuwählen und einzusetzen. Zusätzlich müssen sie einen strukturierten Liquiditätsmanagementplan erstellen.
Die Regelungen sind formal bereits seit April 2024 bekannt, mussten jedoch bis Mitte April 2026 umgesetzt werden. Neu ist insbesondere der hohe Grad an Formalisierung, der die bisherigen Anforderungen deutlich konkretisiert.
Nach Einschätzung von Ulrich Creydt, Geschäftsführer bei der Ypsilon GmbH Steuerberatungsgesellschaft, treffen die Änderungen vor allem offene Immobilienfonds. „Die Neuerungen haben vor allem Auswirkungen auf die offenen Immobilien-Publikumsfonds, aber auch auf die Spezialfonds. Grundsätzlich sind die deutschen Fonds gut vorbereitet, da es vor allem für die Publikumsfonds bereits umfassende nationale Regeln im Kapitalanlagegesetzbuch gibt. Dazu zählen Mindesthaltefristen, Kündigungsfristen, Mindestliquiditätsquoten etc.“
Neu ist die verbindliche Auswahl von mindestens zwei Liquiditätsmanagement-Tools. Zudem erweitert die Richtlinie den Instrumentenkatalog um Maßnahmen, die bislang im Immobilienbereich kaum genutzt wurden.
Ein Beispiel ist das sogenannte Dual Pricing. Dabei werden zwei Preise festgelegt: ein niedrigerer Rücknahmepreis und ein höherer Ausgabepreis. Diese können je nach Marktsituation angepasst werden, etwa bei erhöhten Mittelabflüssen oder Zuflüssen. Die Festlegung erfolgt in der Regel pro Bewertungstag und nicht intraday.
Technische Standards folgen 2027
Die Umsetzung der Richtlinie erfolgt in mehreren Stufen. Während die grundlegenden Anforderungen seit April 2026 gelten, werden die konkreten technischen Details erst ein Jahr später verbindlich.
Diese sogenannten Level-2-Standards definieren unter anderem, welche Parameter für die eingesetzten Instrumente zulässig sind und wie diese ausgestaltet werden müssen. Damit wird die Anwendung der neuen Regeln weiter vereinheitlicht.
„In den Standards wird dann geregelt, welche Parameter in den Liquiditätsmanagement-Tools zulässig sind und wie diese kalibriert werden müssen“, erläutert Creydt. „Vereinfacht kann man sagen, 2026 startet das neue Regime, aber nach einer 12-monatigen Übergangsfrist wird es zum 16. April 2027 über die technischen Standards scharf gestellt.“















