Altersvorsorgedepot 2027: Prognose sinkt auf 2,9 Millionen Verträge

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Altersvorsorgedepot: Deutlich weniger Kundenpotenzial

Sirius Campus und Aeiforia senken ihre Prognose für das Altersvorsorgedepot 2027 von 4,5 auf 2,9 Millionen Verträge. Zugleich wollen sich drei von vier abschlussbereiten Sparern vorab beraten lassen. Was das für Vermittler vor dem Start bedeutet.

Sirius Campus und Aeiforia senken ihre Prognose für das Altersvorsorgedepot 2027. Statt der im Juni genannten 4,5 Millionen Verträge rechnen die beiden Institute jetzt mit einem konservativen Potenzial von 2,9 Millionen Abschlüssen in der ersten Angebotswelle.

Das geht aus der zweiten Welle der Studie „Altersvorsorge im Aufbruch“ hervor, die Sirius Campus im Oktober 2026 veröffentlichte. Diese Zahlen griff das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) jetzt für eine eigene Auswertung auf. Grundlage ist eine Online-Befragung von 1.081 repräsentativ ausgewählten Förderberechtigten von Anfang September 2026.

Prognose für das Altersvorsorgedepot 2027 sinkt deutlich

Laut DIA bezeichnet Sirius Campus die Zahl als konservative Einschätzung „am unteren Ende der betrachteten Szenarien“. Sie sei weder eine verbindliche Vorhersage noch eine Zahl bereits gewonnener Sparer. Dennoch markiert sie einen deutlichen Rückgang gegenüber der ersten Erhebungswelle vom April 2026. Damals nannten dieselben Institute auf Basis einer Befragung von 1.013 Förderberechtigten eine Prognose von 4,5 Millionen Abschlüssen in der ersten Angebotswelle, in einem optimistischen Szenario sogar bis zu zehn Millionen.

Allerdings sind die Bezugsgrößen beider Wellen nicht deckungsgleich: Die 2,9 Millionen bezeichnen die Institute ausdrücklich als konservative Prognose am unteren Ende einer Szenario-Schätzung. Auch die zugrunde liegenden Werte sanken. Bei den Personen, die das Produkt bereits kennen, sank der Wert zwischen April und September 2026 von 34 auf 29 Prozent - gemeint ist der Anteil, der einen Abschluss für sicher oder wahrscheinlich hält.

Bekanntheit wächst, Abschlusssicherheit sinkt

Gegenläufig entwickelte sich die Bekanntheit des Produkts. Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten war das Altersvorsorgedepot im September 2026 bereits 73 Prozent bekannt - im April hatte dieser Wert noch bei 58 Prozent gelegen. Zudem gaben 28 Prozent an, dass Bank- und Bausparkassenberater, Versicherungsvermittler oder News-Feeds im Online-Banking sie bereits auf das Produkt angesprochen hätten. Mehr Bekanntheit führte demnach bislang nicht automatisch zu mehr Abschlussbereitschaft.

Beratungsbedarf wächst schneller als die Kaufbereitschaft

Auffällig ist vor allem die gestiegene Nachfrage nach Beratung. Laut der September-Erhebung planen 75 Prozent der abschlussbereiten Teilnehmer, sich binnen eines halben Jahres beraten zu lassen; im April hatten dies erst 55 Prozent angegeben. „Viele Kunden sind noch unentschlossen und haben nur erste Überlegungen, wie viel Beitragsgarantie sie haben wollen“, sagt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer der Sirius Campus. Besonders deutlich zeigt sich das beim Garantiewunsch: Nach wie vor sind nur rund elf Prozent der Förderberechtigten an einer garantielosen Variante des Altersvorsorge-Depots interessiert.


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Was die Reform ab Januar 2027 ändert

Rechtliche Basis für den Start bildet das Gesetz, mit dem die steuerlich geförderte private Altersvorsorge reformiert wird. Der Bundestag verabschiedete es am 27. März 2026; CDU/CSU und SPD stimmten dafür. Die Linke votierte dagegen, während sich AfD und Grüne der Stimme enthielten. Im Anschluss segnete der Bundesrat das Gesetz am 8. Mai 2026 ab. Die neuen Regelungen gelten ab Januar 2027. Damit erhält das Altersvorsorgedepot 2027 einen verbindlichen Rahmen für Förderung und Kosten.

Vorgesehen ist zudem ein Standarddepot, das von einem öffentlichen Träger angeboten wird. Seine effektiven Kosten dürfen höchstens ein Prozent betragen. Zugleich soll es als Vergleichsmaßstab für private Angebote dienen. Für Beiträge bis 360 Euro jährlich gibt es eine Grundzulage von 50 Prozent; für den Beitragsanteil zwischen 360 und 1.800 Euro liegt der Zulagensatz bei 25 Prozent, sodass die Grundzulage maximal 540 Euro beträgt. Darüber hinaus können künftig erstmals auch Selbstständige die Förderung in Anspruch nehmen.

PunktRegelung
Beschluss Bundestag27. März 2026
Zustimmung Bundesrat8. Mai 2026
Start AltersvorsorgedepotJanuar 2027
Grundzulage50 Prozent auf Beiträge bis 360 Euro pro Jahr, 25 Prozent zwischen 360 und 1.800 Euro; maximale Grundzulage 540 Euro
Neu förderberechtigtSelbstständige
StandarddepotStaatliche Trägerschaft, Kostendeckel 1,0 Prozent effektive Kosten
Quelle: Deutscher Bundestag, Deutsche Rentenversicherung Bund

Riester-Bestand als zusätzliches Potenzial

Neben den Neuabschlüssen beim Altersvorsorgedepot 2027 gewinnt zudem die Frage an Bedeutung, inwieweit bestehende Riester-Verträge in das neue System übertragen werden. Einer früheren Studie von Sirius Campus und Aeiforia vom 22. Mai 2026 zufolge, die sich ebenfalls auf die April-Befragung stützt, ist mit einem Übertrag von schätzungsweise 65 Milliarden Euro aus Riester-Verträgen in das neue Fördersystem zu rechnen.

Damit entspräche dieser Betrag gut einem Viertel des gesamten Riester-Kapitalstocks, der sich auf rund 225 Milliarden Euro beläuft. Laut einem Dossier des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom 30. März 2026 umfasst der Riester-Bestand derzeit knapp 15,5 Millionen Verträge - eine Zahl, die seit etwa zehn Jahren kaum noch wächst. Aeiforia-Geschäftsführer Martin Gattung mahnte bereits im Mai 2026, Lebensversicherer müssten aktiv werden, um Abflüsse aus den Riester-Beständen zu minimieren.

GDV kritisiert ungleiche Beratungspflichten

Umstritten ist zudem die Vertriebsarchitektur. Der GDV äußerte in seiner Stellungnahme zur Anhörung des Finanzausschusses vom 16. März 2026 Kritik daran, dass Banken und Neobroker das staatliche Standardprodukt vertreiben dürfen, ohne dabei eine Beratung anbieten zu müssen. Für Versicherer gelte im Versicherungsvertrieb hingegen eine gesetzliche Beratungspflicht. In seinem Dossier vom 30. März 2026 wird der Verband grundsätzlicher: „Der Staat wird gleichzeitig Regulierer, Schiedsrichter und Wettbewerber. Das ist aus Sicht der Versicherungswirtschaft kritisch“, moniert GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Was die Zahlen für Vermittler bedeuten

Für Vermittler und Produktanbieter enthalten die aktuellen Daten zwei gegenläufige Signale. Einerseits gaben unter den Produktkennern 2026 weniger Befragte an, einen Abschluss für sicher oder wahrscheinlich zu halten - der Wert fiel von 34 auf 29 Prozent. Andererseits stieg der Anteil derer, die sich innerhalb eines halben Jahres beraten lassen wollen, von 55 auf 75 Prozent. Entsprechend verschiebt sich das geschätzte Marktvolumen: Die Institute setzen für das Altersvorsorgedepot 2027 nun 2,9 Millionen statt 4,5 Millionen Verträge an.

Bei einem durchschnittlichen Sparbeitrag von 142 Euro im Monat ergibt sich laut Studie unter Berücksichtigung der Förderzulagen ein geschätztes Jahresbeitragsvolumen von rund sechs Milliarden Euro. Im Juni 2026 hatten die Institute noch rund sieben Milliarden Euro genannt, damals bei einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 1.100 Euro im Jahr zuzüglich Förderzulagen.

KennzahlApril 2026September 2026
Bekanntheit des Altersvorsorgedepots58 Prozent73 Prozent
Abschluss „bestimmt oder wahrscheinlich“ (Produktkenner)34 Prozent29 Prozent
Beratungsbereitschaft innerhalb von sechs Monaten55 Prozent75 Prozent
Geschätztes Vertragspotenzial 1. Angebotswelle4,5 Millionen (Basis), bis zehn Millionen (optimistisch)2,9 Millionen (konservativ)
Geschätztes jährliches Beitragsvolumenrund sieben Milliarden Eurorund sechs Milliarden Euro
Quelle: Sirius Campus, Aeiforia

Bis zum Vertriebsstart bleibt dafür wenig Zeit. „Nicht nur muss das Produkt möglichst bis Ende des Jahres stehen. Zusätzlich wollen auch Vermittelnde und Beratende für eine kundenorientierte Beratung geschult werden“, sagt Martin Gattung, Gründer und Geschäftsführer von Aeiforia.

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