Metzler Ratings, ein Analysehaus, veröffentlichte am 22. Oktober 2026 eine Kurzstudie zum Altersvorsorgedepot 2027. Das neue Vorsorgeprodukt tritt zum 1. Januar 2027 an die Stelle der Riester-Rente. Der Studie zufolge könnten Versicherer etwa 65 Prozent der Förderberechtigten als Kunden gewinnen, während Banken und Neobroker gemeinsam lediglich einen Anteil von 25 bis 30 Prozent erreichen.
Versicherungslösungen kosten im Schnitt deutlich mehr als Bankdepots. Auf die erwarteten Marktanteile wirkt sich das nach Einschätzung von Metzler Ratings dennoch kaum aus. Die Begründung steht bereits im Titel der Studie: „Altersvorsorgedepot 2027 - Wer nur auf die Kosten schaut, greift zu kurz“.
Warum die Kostenquote allein nicht entscheidet
Grundlage ist ein Rechenbeispiel aus der Kurzstudie. Das Basis-Szenario geht von jährlichen Effektivkosten in Höhe von 1,10 Prozent bei einer Versicherungslösung aus, während ein Bankdepot mit 0,30 Prozent veranschlagt wird. Legt man eine monatliche Sparrate von 100 Euro und eine Laufzeit von 30 Jahren zugrunde, resultiert daraus ein Endkapital von 68.181 Euro. Beim Bankdepot sind es 78.758 Euro. Der Nachteil beträgt damit rund 13,4 Prozent.
„Die Kostendebatte vergleicht ein Produkt mit lebenslanger Rente gegen eines ohne - und bewertet den Unterschied mit null“, sagt Metzler-Ratings-Gründer Dr. Marco Metzler. Wer ausschließlich auf die Kostenquote schaue, lasse diesen Unterschied unberücksichtigt.
| Szenario | Effektivkosten Versicherung pro Jahr | Effektivkosten Bankdepot pro Jahr | Laufzeit | Nachteil gegenüber Bankdepot |
|---|---|---|---|---|
| Basis-Szenario | 1,10 Prozent | 0,30 Prozent | 30 Jahre | 13,4 Prozent |
| Gute Versicherungslösung | 0,55 Prozent | 0,30 Prozent | 30 Jahre | 4,5 Prozent |
| Gute Versicherungslösung | 0,55 Prozent | 0,30 Prozent | zehn Jahre | 4,1 Prozent |
| Gute Versicherungslösung | 0,55 Prozent | 0,30 Prozent | fünf Jahre | 2,0 Prozent |
Bei einer qualitativ hochwertigen Versicherungslösung mit Effektivkosten von 0,55 Prozent verringert sich der Nachteil über eine Laufzeit von 30 Jahren auf etwa 4,5 Prozent. Bei kürzeren Laufzeiten reduziert sich dieser Wert zusätzlich: über zehn Jahre auf 4,1 Prozent und über fünf Jahre auf 2,0 Prozent. Beim 55-Jährigen, der aktuell neu abschließt, falle die Kostenfrage somit klar zugunsten der Versicherungslösung aus, so Metzler.
Welche Kundengruppen zum Altersvorsorgedepot passen
In der Studie teilt Metzler Ratings die Kunden in 23 Gruppen ein und weist jeder davon passende Produktvarianten zu. Preisorientierte Selbstentscheider machen demnach rund 15 Prozent aus. Die größte Gruppe stellen mit etwa 35 Prozent die sicherheitsorientierten Sparer. Weitere Gruppen bilden Kunden kurz vor Rentenbeginn ab etwa 55 Jahren, Familien, Berufseinsteiger sowie Sparer mit Fokus auf Inflationsschutz.
Warum Riester-Bestandskunden nicht kündigen sollten
Der volle Bestandsschutz gilt weiterhin für die etwa 14,66 Millionen Sparer mit aktivem Riester-Vertrag. Metzler Ratings rät ihnen ausdrücklich davon ab, Altverträge zu kündigen. Das gilt insbesondere bei einem Rechnungszins ab 2,25 Prozent oder einem Rentenfaktor ab 30. Andernfalls entfallen sowohl die staatliche Förderung als auch die steuerlichen Vorteile.
Nur neun von 30 Lebensversicherern bestehen die Qualitätshürde beim Altersvorsorgedepot
Das eigentliche Risiko verortet Metzler Ratings weniger beim Produkttyp als vielmehr bei der Qualität der Anbieter. Unter den 30 größten deutschen Lebensversicherern erreichen nach den Maßstäben des Ratinghauses lediglich neun Anbieter die Schwelle für ein gutes Rating. Ein hoher Rentenfaktor ohne entsprechende Substanz sei aus Sicht des Hauses kein Vorteil, sondern vielmehr ein Risiko.
Das ändert sich beim Altersvorsorgedepot 2027
Grundlage der Reform ist das Altersvorsorgereformgesetz. Verabschiedet wurde es vom Bundestag am 27. März 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD; der Bundesrat erteilte seine Zustimmung am 8. Mai 2026. Zuvor hatte das Bundesfinanzministerium am 1. Dezember 2025 einen Referentenentwurf vorgelegt, gefolgt vom Regierungsentwurf am 15. Dezember 2025. Ab dem 1. Januar 2027 sind keine neuen Riester-Verträge mehr möglich. Für Neuabschlüsse tritt das Altersvorsorgedepot 2027 an deren Stelle.
Das neue Produkt bündelt mehrere Varianten: ein garantiefreies, renditeorientiertes Angebot sowie Varianten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie. Ergänzt wird dies durch ein staatliches Standarddepot, dessen Kosten auf 1,0 Prozent gedeckelt sind. Die künftige Grundzulage beläuft sich auf 50 Prozent der Beiträge bis zu einer Summe von 360 Euro, darüber hinaus auf 25 Prozent bis zu einem jährlichen Beitrag von 1.800 Euro, wobei maximal 540 Euro erreicht werden können. Die Kinderzulage liegt bei bis zu 300 Euro je Kind und Jahr. Erstmals förderberechtigt sind zudem rund 3,6 Millionen Selbstständige sowie Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke.
GDV erwartet höhere Renten, kritisiert staatliches Standarddepot
Der Versicherungsverband GDV verbindet mit dem Altersvorsorgedepot 2027 vor allem die Chance auf höhere Renten. „Damit werden Renten möglich, die durchschnittlich 40 Prozent höher sind als bei Riester“, sagt der stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführer Moritz Schumann. Die Beitragsgarantie in der Ansparphase sinkt dafür von bislang 100 Prozent wahlweise auf 80 Prozent.
Während der Rentenphase können Versicherte bis zu 20 Prozent ihres Kapitals in renditestärkere Anlageformen wie Aktien umschichten. „Versicherte können die Chancen der Kapitalmärkte besser nutzen, erhalten aber auf jeden Fall einen monatlichen Sockelbetrag - garantiert ein Leben lang“, sagt Schumann.
Kritik äußert der Verband hingegen am geplanten staatlichen Standarddepot. Der Staat setze dort die Regeln und trete zugleich als Anbieter auf, was der GDV als Interessenkonflikt wertet. Zudem vermisse das Standarddepot eine Garantiekomponente, so der Verband, der außerdem auf das gesetzlich festgelegte Mindestendalter von 85 Jahren für Auszahlpläne hinweist. Schon jetzt liegen 2,7 Millionen Menschen in Deutschland über dieser Altersgrenze, worin der GDV die Gefahr einer unzureichenden Absicherung im hohen Alter sieht.
Was jungen Sparern bei der Altersvorsorge wichtig ist
Eine YouGov-Umfrage vom September 2026 unter rund 1.000 18- bis 30-Jährigen zeigt, worauf diese Altersgruppe achtet. Sicherheit und Garantien nennen 42,6 Prozent, geringe Kosten 39,9 Prozent. Hohe Renditechancen sind dagegen nur 23,3 Prozent wichtig.
















