Der Provinzial Konzern hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Wachstum abgeschlossen. Die gebuchten Bruttobeitragseinnahmen stiegen um 6,4 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, nach 7,0 Milliarden Euro im Vorjahr. Im selbst abgeschlossenen Schaden- und Unfallgeschäft wuchs der Konzern um 7,6 Prozent auf Marktniveau – und überschritt dabei erstmals die Schwelle von fünf Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern kletterte auf 256,0 Millionen Euro, gegenüber 165,0 Millionen Euro im Vorjahr.
Konzernchef Dr. Wolfgang Breuer ordnet die Ergebnisse in einen längeren Zeithorizont ein: „Wir wollen nicht nur solide durch das ‚Heute‘ kommen, sondern uns so aufstellen, dass der Provinzial Konzern auch in zehn oder fünfzehn Jahren weiterhin zu den stärksten Versicherern in Deutschland gehört. Hierfür entwickeln wir uns strategisch gezielt weiter und sorgen mit dem begonnenen Transformationsprozess dafür, dass unser Geschäftsmodell auch künftig robust aufgestellt bleibt.“
Parallel zum Wachstum investierte der Konzern gezielt in seine finanzielle Substanz. Die Schwankungsrückstellungen wurden um 249,8 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro erhöht. Das Kapitalanlageergebnis stieg leicht um 1,1 Prozent auf 966,8 Millionen Euro. Die aufsichtsrechtliche Solvenzquote liegt mit 243 Prozent auf einem stabilen Niveau, die Eigenmittel nach Solvency II wurden um mehr als 900 Millionen Euro ausgebaut.
KI im Arbeitsalltag und neue Beschäftigungsgarantien bis 2036
Den Umbau des Unternehmens flankiert der Konzern mit einem breiten Technologieprogramm. Die konzerninterne Plattform „Provi GPT“ ist mittlerweile fest im Arbeitsalltag verankert. Darüber hinaus entwickeln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigene Automatisierungslösungen – darunter Software-Roboter und KI-Workflows. Das soll Routinetätigkeiten reduzieren und Kapazitäten für Beratung und Service freisetzen.
Den sozialen Rahmen der Transformation regelt eine neue Betriebsvereinbarung: Der Betriebsrat sichert konstruktive Unterstützung bei der Umsetzung der Transformationsinitiativen zu. Im Gegenzug verzichtet der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen bis mindestens Ende 2036, erweitert den Gesundheitsschutz und schafft Regelungen zum Abgruppierungsschutz sowie umfangreiche Qualifizierungsangebote. Der Personalbestand wuchs auf 6.516 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter erstmals 468 Kolleginnen und Kollegen der ÖRAG. Die Zahl der Auszubildenden stieg auf 1.175.
Beim Vertrieb setzt die Provinzial weiterhin auf ein hybrides Modell: Rund 1.300 Agenturen und über 100 Sparkassen mit ihren Filialen bilden das regionale Fundament, ergänzt durch Maklerplattformen und digitale Abschlusswege. Die Gesamtzahl der Kundinnen und Kunden stieg auf 5,29 Millionen – wobei rund 500.000 davon aus der Übernahme des Bestands der Getsafe Insurance AG stammen.
Neugeschäft wächst – Maklerkanal gewinnt an Gewicht
Das Neugeschäft der Regionalversicherer legte 2025 um 9,5 Prozent auf 642,1 Millionen Euro zu. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei die Ausschließlichkeitsorganisation mit einem Plus von 14,5 Prozent auf 371,1 Millionen Euro. Der Sparkassenvertrieb verzeichnete ein Neugeschäftswachstum von 5,8 Prozent auf 48,6 Millionen Euro, wobei das Kfz-Geschäft mit einem Zuwachs von 16,1 Prozent und einem Beitragsvolumen von 23 Millionen Euro besonders stark abschnitt.
Über den S-Versicherungsmanager wurden inzwischen insgesamt 200.000 Kundinnen und Kunden angebunden, davon über 67.000 allein im Jahr 2025. Die Einfach gut versichert GmbH erreichte zum Jahreswechsel einen betreuten Bestand von 100 Millionen Euro. Das Maklergeschäft der regionalen Versicherer wuchs um 13,5 Prozent auf 209,6 Millionen Euro. Unter der neu entwickelten Marke HFK1676 baut der Konzern seine Maklerpositionierung weiter aus und arbeitet derzeit an einer fokussierten Maklerstrategie, die Produkt-, Prozess- und Betreuungsmodelle auf unterschiedliche Zielgruppen ausrichtet.
Breuer betont den Stellenwert des regionalen Vertriebs: „Dank der regionalen Vertriebspartnerinnen und -partner in unserer Ausschließlichkeitsorganisation, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Sparkassen sowie den Maklerinnen und Maklern bleiben wir weiterhin präsent in den Regionen. Auf dieses gute und erfolgreiche Miteinander bauen wir auch in Zukunft.“
Combined Ratio unter Marktdurchschnitt
Trotz steigender Schadenaufwendungen – die Bruttoschadenaufwendungen im Schaden- und Unfallgeschäft stiegen um 7,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro – verbesserte sich die Combined Ratio leicht auf 87,5 Prozent, nach 87,8 Prozent im Vorjahr. Der erwartete Marktdurchschnitt liegt bei rund 90 Prozent. Haupttreiber der höheren Schadenkosten waren steigende Material- und Lohnkosten sowie eine erhöhte Großschadenbelastung.
In der Lebensversicherung stiegen die Gesamtbeitragseinnahmen um 4,6 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das Geschäft gegen Einmalbeitrag legte dabei deutlich um 17,6 Prozent auf 746,8 Millionen Euro zu. Die laufenden Beiträge lagen mit 1,47 Milliarden Euro leicht unter Vorjahresniveau. Zugleich konnte die Zinszusatzreserve von 2,8 auf 2,6 Milliarden Euro reduziert werden.
Unter dem Dach der Provinzial Next AG bündelt der Konzern seine deutschlandweiten und digitalen Geschäftsmodelle, darunter die Sparkassen Direktversicherung AG, die Protect Versicherung AG, die Andsafe AG sowie seit Dezember 2025 die Örag Rechtsschutzversicherungs-AG. Die gebuchten Bruttobeiträge dieser Gesellschaften stiegen gegenüber dem Vorjahr deutlich.
Ausblick: Reform der Altersvorsorge als strategische Chance
In das laufende Jahr ist der Konzern nach eigenen Angaben gut gestartet. Das Beitragswachstum liegt im Komposit bei 6,5 Prozent und in der Lebensversicherung bei 1,2 Prozent – jeweils über den Hochrechnungen des GDV. Auswirkungen des Irankriegs auf das eigene Geschäft sieht der Konzern derzeit noch nicht.
Mit Blick auf die Reform der privaten Altersvorsorge arbeitet die Provinzial an einem neuen Produktportfolio, das zum 1. Januar 2027 verfügbar sein soll. Geplant sind digitale Abschlussmöglichkeiten, individuelle Beratung sowie Garantieprodukte und das sogenannte AV-Depot. Interessierte können sich bereits jetzt online über die neuen Vorsorgeoptionen informieren und ihre persönliche Förderung berechnen.












