Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten signalisieren eine solide Wirtschaft. Der Kern-VPI (ohne Energie) fiel niedriger aus als erwartet – ein beruhigendes Signal. Die Komplikation liegt im Energiebereich: Allein die Benzinkomponente war für 60 % des letzten monatlichen VPI-Anstiegs verantwortlich und trieb die Gesamtinflation auf 4,2 % – mehr als das Doppelte des 2-%-Ziels der Fed.
Die Markterwartung von ein bis zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr erscheint mir dennoch überzogen. Der designierte Fed-Vorsitzende Kevin Walsh übernimmt am 17. das Ruder; seine jüngsten Äußerungen deuten auf einen gemäßigteren Ton hin – insbesondere hinsichtlich der deflationären Wirkung von KI und des vorübergehenden Charakters energiegetriebener Inflation. Vollständige Klarheit wird es erst geben, wenn er sich offiziell äußert.
KI absorbiert Kapital und Aufmerksamkeit
Das makroökonomische Umfeld belastet die Stimmung im Bereich digitaler Assets – doch ein zusätzlicher Faktor verstärkt den Druck: KI. Ein großer Teil der Kapitalflüsse, die seit Jahresbeginn flach bis leicht negativ sind, ist auf die Auflösung von Basis-Trades zurückzuführen. Entscheidend ist jedoch das breitere Aufmerksamkeitsproblem: In Kundengesprächen ist die überwältigende Botschaft, dass sich der Investorenfokus verschoben hat – die Krypto-Chance wird derzeit zugunsten von KI-Investments zurückgestellt.
Bitcoin hat die 80.000-Dollar-Marke, die eng mit dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt übereinstimmt, wiederholt getestet und konnte sie nicht nachhaltig überwinden. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben erscheint unwahrscheinlich, solange wir keine lockerere Fed-Politik und niedrigere Inflationserwartungen sehen.
Das Tail-Risiko, das es zu beobachten gilt
Der Iran-Konflikt verdient Aufmerksamkeit. Die Ölpreise erscheinen durch eine effektive chinesische Nachfragerationierung künstlich gedrückt — doch das Rückschlagrisiko ist real. Sollte der Rohölpreis auf 140 bis 150 Dollar steigen (was angesichts der aktuellen geopolitischen Lage wohl dem fairen Wert entspräche), wären die inflationären und rezessiven Folgen für die entwickelte Welt gravierend. In einem solchen stagflationären Szenario würde Bitcoin kurzfristig wahrscheinlich Gegenwind erfahren. Doch genau dieses Umfeld — in dem Zentralbanken angesichts angebotsseitiger Inflation machtlos sind — ist es, in dem Bitcoins Eigenschaft eines fixen Angebots das überzeugendste langfristige Argument liefert.
Vereinzelte Lichtblicke
Abseits des makroökonomischen Rauschens gibt es Bereiche echter Innovation, die es wert sind, beachtet zu werden. Hyperliquid verzeichnet weiterhin beeindruckende Handelsvolumina und gewinnt echte Akzeptanz für die Pre-IPO-Preisfindung — das sichtbarste Beispiel ist die On-Chain-Preisbildung für SpaceX. Dies spricht für einen dauerhaften Anwendungsfall der Blockchain-Infrastruktur: den Handel mit Vermögenswerten, die noch nicht an traditionellen Märkten existieren, und das auch an Wochenenden, wenn konventionelle Märkte geschlossen sind.
Fazit
Keine starken kurzfristigen Rückenwinde für Bitcoin. Aber ebenso kein glaubwürdiges Signal für einen weiteren erheblichen Kursrückgang von hier aus. Geduld bleibt die richtige Strategie.
Autor James Butterfill ist Head of Research bei Coinshares.














