Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus stellt Transport- und Schiffsversicherer vor wachsende Herausforderungen. Dennoch bleibt der internationale Markt funktionsfähig. Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind Deckungen weiterhin verfügbar, auch wenn sich Preise und Bedingungen spürbar verändern.
„Der Markt funktioniert, auch unter schwierigen Bedingungen. Versicherer passen Konditionen und Preise an, ziehen sich aber nicht zurück“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sich Transporte in der Golfregion weiterhin versichern lassen, allerdings zu veränderten Rahmenbedingungen.
Höhere Risiken in der Warentransportversicherung
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen in der Warentransportversicherung. Versicherer müssen ihre Engagements in den betroffenen Regionen neu bewerten und prüfen, wie stark sie exponiert sind. „Auf dieser Grundlage ist zu entscheiden, inwieweit bestehende Kriegsdeckungen für diese Gebiete unter angepassten Konditionen weiter zur Verfügung stehen”, so Asmussen weiter. Trotz der angespannten Lage bleibt ausreichend Kapazität im Markt vorhanden.
Zusätzliche Komplexität entsteht durch Umleitungen von Transporten und ein verändertes Schiffsaufkommen rund um die Straße von Hormus. Die grundsätzliche Versicherbarkeit sieht der GDV jedoch nicht gefährdet.
Kriegsrisiken verteuern Kaskodeckungen
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kaskoversicherung. Versicherer nutzen ihr vertraglich vereinbartes Recht, auf veränderte Risikolagen zu reagieren. Betroffen ist vor allem die Kriegsdeckung. Für Fahrten durch die betroffenen Gebiete werden in der Regel Zuschläge erhoben. Die klassischen Seegefahren bleiben dagegen unverändert versichert.
„Dass Versicherer Schiffe in der Straße von Hormus generell nicht mehr versichern, trifft nicht zu“, stellt Asmussen klar. „Es findet der gängige Marktmechanismus bei gestiegenem Kriegsrisiko statt.“ Auf den deutschen Markt wirkt sich die Entwicklung nur begrenzt aus. Kriegsdeckungen spielen in der Seekaskoversicherung hierzulande traditionell eine geringere Rolle.
Blockade betrifft rund 1.000 Schiffe
Die Dimension der Lage wird an den aktuellen Zahlen deutlich. Nach Angaben der Lloyd’s Market Association sind rund 1.000 Schiffe von der Blockade betroffen, auf denen etwa 20.000 Seeleute ausharren. 25 Schiffe wurden im Verlauf des Konflikts beschädigt. In Deutschland sind rund 80 Transport- und Luftfahrtversicherer aktiv. Sie sichern Transporte auf dem Luft-, Land- und Seeweg sowie Schiffe und Flugzeuge unterschiedlichster Größe ab. Rund 80 Prozent der Beitragseinnahmen von mehr als 2,5 Milliarden Euro entfallen auf gewerbliche Kunden.
Im Jahr 2025 regulierten die Anbieter nach Angaben des GDV Schäden in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Der Markt gilt als stark international ausgerichtet und spielt eine wichtige Rolle bei der Absicherung deutscher Exportgeschäfte.
















