Die US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 haben den Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses zurückgebracht. Weil Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi dieses Ergebnis schon Tage vorher hoch bewertet hatten, blieb der befürchtete Kurseinbruch am Kryptomarkt aus. Bitcoin fiel in der Wahlnacht zwar kurzzeitig auf ein Sieben-Wochen-Tief, erholte sich aber rasch. Für Berater und institutionelle Anleger zählt jedoch weniger der Kursverlauf als die neue Mehrheit im Senats-Bankenausschuss. Sie dürfte den CLARITY Act weiter verzögern - den von der Kryptobranche erhofften Rechtsrahmen für eine umfassende US-Kryptoregulierung.
Bitcoin-Kurs in US-Dollar: Vom Sieben-Wochen-Tief zur Erholung
In der Wahlnacht rutschte der Bitcoin-Kurs auf 75.618 US-Dollar ab. Das war der tiefste Stand seit sieben Wochen. Bis zum 4. November stieg die Leitwährung wieder auf 78.323 US-Dollar, was einem Tageszuwachs von 1,94 Prozent entspricht. Die Erholung wird durch Marktdaten der Agentur dpa-AFX mit leicht abweichendem Zeitstempel bestätigt: Bitcoin lag am Vormittag des 4. November bei einem Kurs von 77.841 US-Dollar, die Marktkapitalisierung betrug zu diesem Zeitpunkt 1,56 Billionen US-Dollar.
Auch andere große Kryptowährungen legten moderat zu, wie die folgende Übersicht zeigt.
| Kryptowährung | Kurs (4. November 2026) | Veränderung (24 Stunden) |
|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 78.323 US-Dollar | +1,94 Prozent |
| Ether (ETH) | 2.317,15 US-Dollar | +2,41 Prozent |
| Solana (SOL) | 92,94 US-Dollar | +0,82 Prozent |
| BNB | 701,76 US-Dollar | +0,87 Prozent |
Ganz ruhig blieb der gehebelte Handel dennoch nicht. Binnen 24 Stunden liquidierten Börsen gehebelte Krypto-Long-Positionen im Gegenwert von rund 288 Millionen US-Dollar zwangsweise.
Midterms 2026: Prognosemärkte nahmen das Ergebnis vorweg
Dass der befürchtete Kursrutsch ausblieb, liegt vor allem an den Prognosemärkten. Die Plattform Polymarket bezifferte die Chance der Demokraten auf die Mehrheit im Repräsentantenhaus am 3. November auf 94 Prozent, für den Senat lag der Wert bei 76 Prozent. Bei der Konkurrenzplattform Kalshi fielen die Werte fast identisch aus: 94 Prozent für das Repräsentantenhaus und 75 Prozent für den Senat. Anfang September hatte Polymarket den Demokraten dagegen erst eine Chance von 51 Prozent auf die Kontrolle beider Kammern eingeräumt. Einen Monat zuvor waren es 45 Prozent gewesen.
Die Analystin Kelly Ye vom Handelsunternehmen Talos ordnet die Bewegung nach Schließung der Wahllokale ein: „Bitcoin moved about 1.7% after the polls closed, close to the roughly 1.8% options [had priced in].“
Machtwechsel im Senats-Bankenausschuss trifft die Kryptobranche
Für die Kryptobranche zeigt sich die bedeutsamere Konsequenz der Wahl weniger im Kursverlauf als vielmehr in der veränderten Machtverteilung in Washington. Ranghöchste Demokratin im Senats-Bankenausschuss ist Elizabeth Warren. Sie gilt als eine der schärfsten Kritikerinnen branchenfreundlicher Krypto-Gesetzgebung und bemängelt am CLARITY Act unter anderem den unzureichenden Anlegerschutz.
Noch deutlicher zeigt sich der Wandel an einem zweiten Namen. Der frühere Ausschussvorsitzende Sherrod Brown holte sich am 3. November seinen Senatssitz in Ohio zurück, und zwar gegen den Republikaner Jon Husted. Krypto-nahe Super-PACs, allen voran der Fairshake-Ableger Defend American Jobs sowie der Winklevoss Digital Freedom Fund, investierten rund 52 Millionen US-Dollar, um dies zu verhindern.
Über Fairshake und die damit verknüpften Komitees flossen von der Kryptobranche insgesamt etwa 176 Millionen US-Dollar in die Midterms 2026, aufgeteilt auf über 100 Rennen. Browns Rückkehr in den Senat konnte sie damit nicht verhindern.
CLARITY Act: Zeitplan für die US-Kryptoregulierung gerät ins Stocken
Als wichtigster Baustein für einen bundesweiten Rechtsrahmen gilt der Branche der CLARITY Act (H.R. 3633). Schon vor der Wahl steckte das Vorhaben fest. Im Mai 2026 billigte der Senats-Bankenausschuss den Entwurf zunächst mit 15 zu neun Stimmen. Dafür stimmten alle Republikaner sowie die Demokraten Angela Alsobrooks und Ruben Gallego.
Die entscheidende Cloture-Abstimmung im Senat scheiterte dann am 15. September 2026 knapp: 49 Stimmen dafür, 50 dagegen. Nötig gewesen wären 60 Stimmen. Auch drei Republikaner stimmten gegen die Verfahrensmotion, nämlich Susan Collins, Josh Hawley und Jerry Moran.
Elizabeth Warren begründet ihre Kritik mit dem Anlegerschutz: „Underlying bill still fails to adequately protect investors.“
Die Kanzlei DLA Piper hält eine erneute Befassung mit dem CLARITY Act frühestens zu Beginn des 120. Kongresses im Januar 2027 für realistisch. Der Sitzungskalender des Senats war bis zu den Midterms verkürzt. Zudem haben sich die Mehrheitsverhältnisse inzwischen verschoben.
Was die Verzögerung des CLARITY Act für Berater bedeutet
Für Vermittler, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger mit Krypto-Engagement ist deshalb vor allem die Verschiebung im Senats-Bankenausschuss relevant. Die lange geforderte regulatorische Klarheit in den USA bleibt vorerst aus. Für die Branche entsteht dadurch erhebliche zeitliche Unsicherheit darüber, wann ein einheitlicher Rechtsrahmen kommt.















