Der S&P 500 hat seine dreitägige Verlustserie beendet. Anleger nutzten die niedrigeren Kurse am Mittwoch für erste Käufe, am Donnerstag deutet sich vorbörslich ein leichtes Plus an. Die grundsätzliche Risikobereitschaft scheint damit weiterhin vorhanden. Der S&P 500 liegt nur rund 2 Prozent unter seinem Rekordhoch, beim DAX beträgt der Abstand etwa 3 Prozent.
Das gestrige Kaufverhalten zeigt, dass Anleger Rücksetzer weiterhin als Einstiegsgelegenheit nutzen. Unterstützung kommt von den Unternehmensgewinnen. Gute Zahlen werden honoriert, wie Dell und Snowflake zeigen. Broadcom macht allerdings deutlich, dass gerade bei KI-Aktien die Erwartungen hoch sind und wenig Raum für Enttäuschungen bleibt.
Trotzdem ist noch keine Entwarnung angesagt. Der September gilt statistisch als schwächster Börsenmonat des Jahres. Ob sich der jüngste Rücksetzer tatsächlich als Buy-the-Dip-Gelegenheit erweist, könnte sich spätestens mit dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag zeigen.
Ein großes kurzfristiges Risiko bleibt die Kette aus Ölpreis, Inflation, Fed und Anleiherenditen. Bleibt Öl teuer oder eskaliert die Lage im Nahen Osten erneut, könnten Inflations- und Zinserwartungen wieder steigen. Besonders hoch bewertete Aktien wären dafür anfällig. Bislang können solide Unternehmensgewinne dieses Makrorisiko jedoch abfedern.
Positiv ist, dass der Energieschock bislang nicht deutlich auf andere Bereiche der Inflation übergreift. Für die Fed ist genau das entscheidend. Bei Preisschocks stellt sich vor allem die Frage, ob Zweitrundeneffekte entstehen. Bleiben diese aus und kühlt sich der Arbeitsmarkt moderat ab, könnte der Druck für eine Zinserhöhung im September sinken.
Der Markt stabilisiert sich, die Risiken sind aber nicht verschwunden. Solange Ölpreise, Inflation und Anleiherenditen erhöht bleiben, dürfte die Rally anfällig für Rückschläge bleiben.
Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.















