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Domcura-Chef Lars Fuchs: „Wir wollen unsere Position als Spezialist weiter schärfen“

Foto: Cash./Florian Sonntag
Lars Fuchs, CEO Domcura AG

Der frühere CEO Uwe Schumacher hatte Domcura über Jahre geprägt. Mit Lars Fuchs als neuem Vorstandsvorsitzenden an der Spitze richtet sich das Unternehmen nun strategisch neu aus. Im exklusiven Gespräch mit Cash. erläutert der gebürtige Münsteraner, wie er den Versicherungsspezialisten bei Wohngebäude, Klimarisiken, Digitalisierung und im Gewerbegeschäft positionieren will.

Herr Fuchs, Sie haben zum Jahresbeginn den Vorstandsvorsitz von Uwe Schumacher übernommen, der Domcura über viele Jahre geprägt hat. Sie treten in große Fußstapfen. Welche strategischen Akzente wollen Sie persönlich setzen?
Fuchs: Uwe Schumacher hat Domcura als Vorstandsvorsitzender sehr stark aufgestellt. Er hat ein Haus mit stabilem Fundament und großem Potenzial für die Zukunft übergeben. Und genau darauf bauen meine Vorstandskollegin Nadja Koch-Schuffenhauer, mein Vorstandskollege Marcus Wollny und ich auf. Gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wollen wir unsere Position als Spezialist in der Wohngebäudeversicherung weiter schärfen, unsere Prozesse konsequent digitalisieren und zugleich dort wachsen, wo unsere fachliche Kompetenz besonders stark zum Tragen kommt. Ein zweiter Akzent ist Geschwindigkeit. Die Versicherungswirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck, sei es durch Klimarisiken, Kostensteigerungen oder den Fachkräftemangel. Darauf muss man klar und handlungsfähig reagieren. Und der dritte Punkt ist Skalierbarkeit. Wir müssen unser Know-how so organisieren, dass wir auch bei wachsender Komplexität effizient und verlässlich bleiben.

Domcura ist als Assekuradeur Teil der MLP-Gruppe. Welche Rolle soll Domcura künftig innerhalb des MLP-Ökosystems spielen – eher Produktlieferant, Technologieplattform oder beides?
Fuchs: Aus meiner Sicht klar beides. Domcura steht auf der einen Seite für starke, spezialisierte Produkte, vor allem in der Wohngebäudeversicherung. Auf der anderen Seite sehen wir sehr deutlich, dass technologische Fähigkeiten künftig ein ebenso wichtiger Teil unseres Geschäftsmodells sein werden. In einem Markt, in dem Prozesse schneller, transparenter und effizienter werden müssen, reicht es nicht mehr aus, gute Bedingungen zu bieten. Entscheidend ist auch, wie Risiken gezeichnet, Schäden bearbeitet und Vertriebspartner unterstützt werden. Insofern kann Domcura innerhalb der MLP-Gruppe sowohl fachlicher Spezialist als auch technologischer Partner sein.

Sie übernehmen Domcura in einer Phase großer Veränderungen. Sie haben gerade die Stichworte Klimarisiken, Digitalisierung, Fachkräftemangel genannt. Hinzu kommt der härtere Wettbewerb. Was reizt Sie persönlich am meisten an dieser Aufgabe?
Fuchs: Mich reizt vor allem die Kombination aus hoher Relevanz und echtem Gestaltungsraum. Wohngebäudeversicherung ist keine Randdisziplin. Sie betrifft das Zuhause und damit einen existenziellen Bereich der Menschen. Gleichzeitig sehen wir, wie stark dieses Geschäft unter Druck geraten ist: durch Extremwetter, steigende Schadenkosten und wachsende Komplexität. Gerade in solchen Phasen zeigt sich, ob ein Unternehmen nur reagiert oder ob es wirklich gestaltet. Domcura hat die Chance, fachliche Tiefe und technologische Kompetenz zusammenzubringen. Das ist für mich der spannendste Punkt. Denn die Branche braucht keine weiteren Ankündigungen, sondern belastbare Lösungen.


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Die Wohngebäudeversicherung gilt derzeit als eine der schwierigen Sparten der Branche, nicht zuletzt wegen der volatilen Schadenkosten und steigenden Klimarisiken. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage aus Sicht eines Spezialanbieters wie Domcura?
Fuchs: Die Lage ist anspruchsvoll. Wir erleben seit Jahren eine Verdichtung von Belastungen: mehr Extremwetter, höhere Reparaturkosten, steigende Baupreise und längere Regulierungszeiten. Das setzt die Wohngebäudeversicherung massiv unter Druck. Insbesondere deshalb ist Spezialisierung aus meiner Sicht ein Vorteil. Wer dieses Geschäft in seiner ganzen Tiefe versteht, kann Risiken differenzierter beurteilen, Produkte noch besser kalkulieren und in der Schadenbearbeitung schneller reagieren. Die Wohngebäudeversicherung bleibt ein essenzielles Produkt. Aber sie verlangt heute mehr Disziplin, mehr Datenkompetenz und mehr Prävention als noch vor einigen Jahren.

In der Politik wird intensiv über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung diskutiert. Wie steht Domcura zu einem solchen Modell? Und unter welchen Bedingungen könnte es aus Ihrer Sicht funktionieren?
Fuchs: Wir halten es für richtig, dass der Elementarschutz deutlich breiter in die Fläche kommt. Die entscheidende Frage ist aber, wie man das erreicht. Eine Pflichtlösung allein greift aus unserer Sicht zu kurz. Denn Versicherungsschutz ohne wirksame Prävention löst das Grundproblem nicht. Oder, klarer ausgedrückt: Eine Pflichtpolice ist noch kein Hochwasserschutz. Domcura setzt deshalb seit einigen Jahren auf ein Opt-out-Modell. Das heißt: Der Elementarschutz ist bei unseren Wohngebäudeversicherungen standardmäßig voreingestellt – Versicherte müssen diesen also aktiv abwählen, wenn sie ihn nicht wünschen. Aus unserer Sicht ist das der sinnvollere Weg, weil er an die Eigenverantwortung und das Bewusstsein für Vorsorge appelliert. Wenn politisch weiter über eine Pflicht diskutiert wird, dann aus unserer Sicht nur zusammen mit klaren Präventions- und Schutzmaßnahmen, mehr kommunaler Vorsorge und einer ehrlichen Debatte darüber, wie mit Bauvorhaben in hochwassergefährdeten Gebieten künftig umzugehen ist.

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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